Diese Bierdusche hatte sich Edison Cenaj vom Landesliga-Klub SV Germania Bietigheim verdient: Kurz nach dem Abpfiff und dem Derby-Siegestanz näherte sich Torhüter Jens Krüger dem Stürmer von hinten und schüttete ihm den Inhalt eines Bierstiefels über den Kopf. Cenaj war im Pferdemarkt-Duell gegen den Nachbarverein FV Löchgau in der zweiten Halbzeit zum Matchwinner avanciert. Mit seinen beiden Toren, den Saisontreffern zwei und drei, bescherte der 21-Jährige den Germanen am Samstag den 2:1-Heimsieg. „Es hat viel Spaß gemacht. Meine Familie war zum Zuschauen da. Das hat mich zusätzlich gepusht“, sagte Cenaj.

Nach drei Spieltagen belegt der SVG mit sechs Zählern weiter Rang sechs. Der Verbandsliga-Absteiger aus Löchgau steht dagegen noch sieglos und mit nur einem Zähler auf dem vorletzten Platz. „Der Unterschied zur vergangenen Saison ist, dass wir jetzt einen Cenaj vorne drin haben, der die Dinger auch reinmacht“, sagte Germania-Trainer Matthias Schmid. Der Prestigeerfolg im ersten Kräftemessen mit dem FVL auf Pflichtspiel-Niveau seit vielen Jahren freute ihn persönlich ganz besonders: „Löchgau war früher mein Verein. Es ist toll, dass wir jetzt wieder auf Augenhöhe mit dem FVL sind und dann das erste Lokalderby gleich auch noch gewinnen.“

Schon in der ersten Hälfte waren die Hausherren vor den 270 Zuschauern im Sportpark Ellental stärker. Dennoch führte Löchgau zur Pause mit 1:0: Bereits in der vierten Minute hatte Tim Schwara eine Flanke aus fünf Metern eingenickt. Die beste Chance zum Ausgleich hatte Patrick Kraut kurz vor dem Halbzeitpfiff: Der Rückkehrer schoss nach einem Rückpass von Cenaj aus 15 Metern knapp vorbei.

In Durchgang zwei legte Bietigheim einen Zahn zu und zog das Tempo an – und jetzt schlug sich die Überlegenheit auch in Zählbarem nieder: Erst bugsierte 1,96-Meter-Mann Cenaj eine Flanke von Kraut mit dem Hinterkopf zum 1:1 ins Netz (56.). In der 74. Minute war der vor der Saison vom B-Ligisten VfB Vaihingen nach Bietigheim gewechselte Angreifer dann erneut zur Stelle und hob bei Daniele Cardinales Hereingabe den Fuß hin – per Aufsetzer hüpfte der Ball zum 2:1-Endstand ins FVL-Gehäuse. Mit der Hereinnahme von Vorlagengeber Cardinale hatte Schmid ein glückliches Händchen bewiesen.

Kräfteverschleiß im Pokal

Die Löchgauer hatten letztlich nicht mehr die Kraft, um zurückzuschlagen. Ihnen steckten spürbar noch die 120 harten Pokalminuten (2:1 bei der Spvgg Satteldorf nach Verlängerung) in den Knochen. „Das hat uns in die Karten gespielt“, sagte Schmid und freute sich über den gelungenen Saisonstart – und vor allem auch über den starken Einstand seines neuen Torjägers Cenaj. „Ich bin vor der Saison belächelt worden, als wir Edison aus der Kreisliga B geholt haben. Aber ich wusste um seine guten Anlagen. Es freut mich für ihn und für die Mannschaft, dass er so gut eingeschlagen hat und uns weiterhilft.“

Cenaj scheint selbst ein bisschen überrascht über seinen Traumstart in der Landesliga. „Ich hatte Respekt vor der neuen Spielklasse, denn ich wusste, dass das Tempo dort viel höher ist und dass die Spieler alle körperlich viel besser sind als in der Kreisliga. Aber ich bin ehrgeizig und habe mich reingehängt – und die Mannschaft macht es mir auch leicht und akzeptiert mich.“

Auf dem Pferdemarkt feierten die Bietigheimer Fußballer am Samstagabend noch lange ihren großen Derby-Triumph. Übungsleiter Schmid ging mit gutem Beispiel voran. „Da trinkt der Trainer auch mal einen mit. Ich werde persönlich einen Stiefel holen“, kündigte er an.

Germania-Coach Schmid relativiert Aussagen seines FVL-Kollegen Herbst


Obwohl gleich sieben ehemalige Löchgauer Kicker am Samstag im Germania- Kader standen, wollte Trainer Matthias Schmid nichts von einer besonders emotionalen Angelegenheit für die betreffenden Spieler wissen – und widersprach damit seinem FVL-Kollegen Thomas Hernst. „„Auf jeden Fall werden Löchgauer Spieler erfolgreich sei. Es fragt sich nur, ob es der größere oder der kleinere Teil sein wird“, hatte dieser vor dem Derby gesagt. „Es gibt bei uns doch kaum richtige Löchgauer. Der Einzige, der das von sich behaupten kann, bin ich, denn ich komme aus dem Ort“, meinte Schmid und ergänzte: „Dass man als junger Spieler in der Jugend hier in der Region entweder in Löchgau oder in Freiberg höher spielt, versteht sich von selbst. Da bleibt einem ja gar nicht viel anderes übrig.“ Nur im Fall von Riccardo Macorig, der im Sommer von Löchgau nach Bietigheim gewechselt war, sah Schmid noch eine spezielle Verbundenheit mit dem alten Verein: „Für ihn war das Derby emotionaler, weil er dort lange gespielt hat. Für die anderen war es keine Riesensache.“  ae