Erstmals in dieser Oberliga-Saison stand beim SGV Freiberg hinten die Null. Mit 26 Gegentreffern in zehn Spielen hatten die Freiberger bislang die meisten in der Liga hinnehmen müssen. Weil Kreshnik Lushtaku einen schönen Konter mit einem satten Schuss ins kurze Toreck zum 1:0-Siegtreffer veredelte (71.), holte sich die Mannschaft von Trainer Mario Estasi drei Punkte gegen den FC Nöttingen, der auswärts noch nicht verloren und vier der fünf Partien gewonnen hatte. Darunter waren auch Siege beim VfB Stuttgart II (1:0) und den Stuttgarter Kickers (3:1).

Die letzten vier Aufeinandertreffen in Freiberg zwischen dem SGV und dem badischen Vorzeigeklub waren – im Gegensatz zum Spiel vom Samstag – von hohem Unterhaltungswert und mit reichlich Toren versehen. 4:0, 4:0, 3:1 und 6:3 lauteten die Ergebnisse. Kompaktheit. defensive Stabilität und das Vermeiden von individuellen Fehlern hatten beim SGV nach der 0:5-Heimpleite in der Vorwoche gegen den 1. Göppinger SV oberste Priorität..

Loch wieder im Tor

SGV-Trainer Estasi hatte sich für einen Torhüterwechsel entschieden und Alexander Loch den Vorzug vor dem jungen Alexander Michalik gegeben. Zudem übernahm Denis Zagaria von Filip Milisic den Part in der Innenverteidigung neben Steven Kröner. Bis auf eine Riesenchance in der 31. Minute, als Patrick Pagna eine Maßflanke von Marco Manduzio freistehend fünf Meter vor dem Tor mit dem Kopf nur leicht berührte, und einen Flachschuss von Ernesto Di Santis, den Loch problemlos halten konnte (65.), hatten die Gäste keine ernsthafte Torgelegenheit zu verzeichnen. Im Mittelfeld fehlte ihnen Timo Brenner als Antreiber. Der Kapitän wurde in der Innenverteidigung gebraucht, weil die Stammbesetzung mit Niklas Kolbe und Holger Fuchs verletzungsbedingt fehlte.

In den ersten 20 Minuten agierten die Nöttinger vorsichtig, standen weit in ihrer Hälfte und boten mit ihrer neu formierten Defensive einiges an. Die Gastgeber erspielten sich ein paar gute Chancen im Ansatz, aber bei der Umsetzung zum finalen Torabschluss haperte es an Entschlossenheit, Durchsetzungsvermögen oder am genauen Zuspiel. Die Gäste konnten immer wieder dazwischenfunken und ihrem Torhüter Andreas Dups Arbeit abnehmen. Der gefährlichste Ball kam von seinem Innenverteidiger Kevin Solorz, doch Dups verhinderte reaktionsschnell ein Eigentor (15.). Auch an einem Fallrückzieher von Simon Klostermann war Dups dran (20.).

Nach rund 25 Minuten änderten sich die Spielanteile, weil die Nöttinger aufrückten und mehr Initiative nach vorne entwickelten. Das geschah vor allem über ihre linke Seite mit dem Besigheimer Manduzio. Seine Flanken fanden aber keinen Abnehmer. Als es Manduzio dann mal direkt probierte, flog sein Schuss aus 18 Metern knapp über die Querlatte des SGV-Tores.

Beinahe wäre der SGV mit einer Führung in die Pause gegangen, aber Pollex scheiterte an Dups (45.), und Oadie Barini schoss nach feiner Vorarbeit von Pollex übers Tor (45.+1).

Die zweite Halbzeit bot ein Rauf und Runter, ohne große Tormöglichkeiten und ohne hohe Risikobereitschaft. Nöttingen war weitaus mehr am Ball als in der ersten Halbzeit, aber das erhöhte auch die Fehlpassquote. Den Freibergern fehlte ein kreativer Kopf, um die Spielzüge zu koordinieren, die langen Bälle stellten Brenner und Co vor keine Probleme oder flogen ins Niemandsland.

Seegert leitet Führung ein

Dann hatte Nico Seegert eine Idee und setzte mit einem Pass den rechts durchgestarteten Volkan Celiktas in Szene. Dessen Flanke nahm Lushtaku aus rund 16 Metern direkt und hämmerte den Ball aus zwölf Metern ins kurze Eck zum 1:0 (71.). Die Nöttinger lösten ihre Grundformation durch einige Wechsel auf und drängten auf den Ausgleich, ohne zu großen Torchancen zu kommen. Eine solche bot sich dem Freiberger Mert Tasdelen, den ein Fehler Brenners in eine formidable Position brachte. Er verfehlte mit einem Heber aus 18 Metern aber knapp das Gästetor.

Die Gäste echauffierten sich in der Schlussphase, weil Schiedsrichter Timo Lämmle ein vermeintliches Handspiel im Freiberger Strafraum nicht mit einem Elfmeter ahndete. „Das ist Wahnsinn. Wenn der Schiedsrichter es nicht sieht, muss sein Assistent dem Kollegen innen helfen und das anzeigen. Warum haben die Headsets und andere Hilfsmittel“, ärgerte sich Nöttingens Trainer Michael Witttwer.