Durch zwei schön herausgespielte Tore führte der FSV 08 Bissingen im Oberligaspiel beim VfB Stuttgart II mit 1:0 und 2:1. Da zweimal die Zuordnung in der Abwehr nicht gestimmt hat, mussten die Bissinger jeweils den Ausgleich hinnehmen. Am Ende einer abwechslungsreichen Partie nahmen die Nullachter beim spielstarken Topfavoriten, der seinem Anspruch auf Rückkehr in die Regionalliga nur bedingt gerecht wurde, einen verdienten Punkt mit. Bei einer besseren Verwertung der Großchancen wäre sogar ein Sieg drin gewesen. Die Nullachter präsentierten sich mit einem mutigen Auftritt ganz anders als noch eine Woche zuvor bei der 0:3-Heimpleite gegen den SSV Reutlingen. Das war auch für Trainer Alfonso Garcia der wichtigste Aspekt.

Der 08-Trainer hatte nach Studium der Spielweise des VfB II die Grundordnung seiner Mannschaft verändert und sie in einem 4-1-4-1 antreten lassen. Anil Sarak rückte als einziger Sechser vor die Abwehr, Marius Kunde kam über die linke Seite und stellte dort seinen Gegenspieler Pedro Allgaier vor  größte Probleme. Das 2:1 bereitete der 08-Kapitän klasse vor. „Wir wollten Marius Kunde auf der Seite haben, weil er in Zweikämpfe kommt. Das ist seine Stärke“, begründete Garcia den Wechsel. Kundes Job in der Sturmspitze übernahm Marco Rienhardt, dem sich zwei Riesenchancen boten. Riccardo Gorgoglione blieb auf der rechten Außenbahn der Viererkette und stieß von dort mehrfach mit nach vorne. So auch bei seinem wunderschönen Treffer zum 1:0 für die Gäste.

Bei den Stuttgartern standen mit Matteo Klimowicz und Maxime Awoudja, der Anfang der Woche noch bei der deutschen U21 war, zwei Spieler aus dem Zweitliga-Kader in der Startelf. Nach 45 Minuten war für die beiden Schluss, sie gehörten am Sonntag zum Spieltagsaufgebot für die Zweitliga-Partie des VfB Stuttgart gegen Holstein Kiel. „Das war mit Cheftrainer Tim Walter so abgesprochen, dass sie bei uns eine Halbzeit spielen“, berichtete VfB-II-Coach Paco Vaz.

Die Partie begann schwungvoll und mit Chancen auf beiden Seiten. In der dritten Minute klärte 08-Schlussmann Dominik Ferdek mit einer Fußabwehr gegen Nikos Zagrafakis, den Nick Bätzner glänzend freigepielt hatte. Dann waren die forsch und variabel in ihrer neuen Grundordnung auftretenden Bissinger an der Reihe und zwangen VfB-Keeper Sebastian Hornung zu zwei Paraden. An eine Flanke von Kunde bekam Gorgoglione den Fuß dran, Hornung lenkte die Kugel um den Pfosten (10.). Nach einem Solo von Alexander Götz fingerte der Torhüter den Ball reaktionsschnell über die Latte (11.). Die bis dahin dickste Möglichkeit bot sich Rienhardt, der alleine aufs Stuttgarter Tor zulief, kurz zögerte und von Hornung noch gestoppt wurde.

Gorgolione krönt Solo

Den Höhepunkt der ersten Halbzeit inszenierte Gorgoglione. Der Bissinger startete kurz hinter der Mittellinie sein Solo, ließ vier Stuttgarter aussteigen und schloss mit einem platzierten Schuss zur 1:0-Führung ab. Die Gastgeber bekamen ihren Torjäger Marcel Sökler nicht in Stellung, weil die Bissinger auf eine geordnete und dichte Defensive Wert legten.  Und dann war Sökler doch zur Stelle und erzielte den Ausgleich (52.). Dem Treffer ging ein feiner Spielzug über die linke Seite von Zografakis und Bätzner voraus. Bätzners Flanke erreichte den am langen Pfosten lauernden Sökler.

Die Stuttgarter spielten in dieser Phase zielstrebiger als vor der Pause und zwangen Bissingen zu einem hohen Laufaufwand. Eine gute Chance zur Führung bot sich VfB-Kapitän Lukas Kiefer, aber 08-Keeper Ferdek, der viel beschäftigt war und eine gute Partie ablieferte, parierte den Schuss mit Mühe. Die Nullachter igelten sich aber keineswegs hinten ein, sondern starteten wieder einige gute Angriffe. So wie in der 61. Minute. Da machte sich Kunde über die linke Seite auf zu einem Alleingang, bediente mit einem Querpass Yannick Toth, der aus acht Metern zur erneuten Führung traf. Allerdings verletzte sich Toth bei dieser Aktion und musste vom Platz.

Auch der VfB wechselte, brachte offensives Personal. Der 2:2-Ausgleich fiel allerdings nach einem Eckball vom spielfreudigen und technisch bärenstarken Bätzner. Dessen Flanke rammte Marc Stein mit dem Kopf aus rund zehn Metern ins Bissinger Tor. Simon Lindner, der ebenso wie Pierre Williams unter der Woche wegen einer Blessur erst am Donnerstag ins Training eingestiegen war und eingewechselt wurde, hatte die dritte Führung für den FSV 08 auf dem Fuß. Nach einem wunderbaren Pass von Duc Thanh Ngo hatte er das VfB-Tor vor sich, wurde aber noch leicht abgedrängt und schoss den Ball aus spitzem Winkel ans Außennetz (75.).

Am Samstag (14 Uhr) haben die Bissinger am Bruchwald den SV Linx zu Gast.