Mit der letzten Aktion sorgte Franck Evina vom KFC Uerdingen für den Höhepunkt einer interessanten, aber nicht hochklassigen Drittliga-Partie und entriss mit einem tollen Treffer zum 2:2 in der dritten Minute der Nachspielzeit der SG Sonnenhof Großaspach den sicher geglaubten Sieg. Mit seinem zweiten Kopfballtor im Anschluss an eine Standardsituation hatte Großaspachs Kapitän Julian Leist 120 Sekunden zuvor, als die Nachspielzeit bereits angelaufen war, das 2:1 für die Gastgeber erzielt.

SG-Coach Oliver Zapel war enttäuscht über den noch folgenden Ausgleich gegen dezimierte Gäste:  „Das war nicht unglücklich, das war dumm. Es war ein fantastisches Tor von Evina. Aber wir geben dem torgefährlichsten Spieler 20 Meter lang Geleitschutz und sagen ,schieß, doch, schieß doch‘, und dann schießt er und der Ball segelt in den Knick.“  Sein Uerdinger Kollege Heiko Vogel kommentierte den Treffer mit einem Augenzwinkern:  „Ich bin angesäuert, dass ,Francky’  93 Minuten gewartet hat, er darf das Tor auch früher machen.“

Vom Torpfosten in den Winkel

Der 19-jährige Evina, vor der Saison vom Zweitligisten KSV Holstein Kiel zum KFC gewechselt und beim FC Bayern München ausgebildet, sprintete mit dem Ball am Fuß der Großaspacher Strafraumgrenze entlang und zog dann aus vollem Lauf und aus spitzem Winkel ab. Der Ball flog vom Torpfosten in den Winkel. Es war der fußballerisch wunderbare Schlusspunkt einer intensiven Phase, die um die 80. Minute herum begonnen hatte. Uerdingens Daniel Daube, erst von einer langwierigen Verletzungspause zurückgekommen, hatte sich schwer verletzt und musste vom Platz. Da die Gäste schont dreimal gewechselt hatten, mussten sie die Partie in Unterzahl zu Ende spielen und zogen sich weit in ihre Hälfte zurück. Großaspach gab mächtig Gas und drängte auf den Siegtreffer. Den vereitelte zunächst KFC-Spieler Jean-Manuel Mbom, der sechs Meter vor dem eigenen Tor dem einschussbereiten Kai Gehring den Ball noch vom Fuß grätschte. Die Vorarbeit zu dieser Großchance hatte der eingewechselte Timo Röttger mit seiner ersten Aktion schlitzohrig geleistet.

In Minute eins nach der regulären Spielzeit spielte Sebastian Bösel den Ball per Freistoß kurz auf Korbinian Burger, dessen Flanke verlängerte Leist ins Uerdinger Tor. Dort hätte die Kugel auch schon ein paar Minuten zuvor landen können, aber Gästeschlussmann Lukas Königshofer hatte den tückischen Aufsetzer von Jamil Dem mit Mühe um den Pfosten gelenkt. Nach dem späten Rückstand stürmte bei Uerdingen auch Keeper Königshofer mit und war vorletzter Passgeber zu Evinas Solo zum Ausgleich.

Fieser Tritt von Großkreutz

Dass die Uerdinger erst nach Dubes Verletzung in Unterzahl gerieten, war Glück und wohl auch dem ungünstigen Blickwinkel von Schiedsrichter Robert Hartmann und seinen Assistenten zu verdanken. In der 43. Minute hatte Uerdingens Kapitän Kevin Großkreutz dem Aspacher Dimitry Imbongo Boele abseits des Balles einen fiesen Tritt verpasst, für den es nur eine Konsequenz hätte geben müssen: Rot. Jetzt darf Großkreutz nun am Freitag im DFB-Pokal gegen seinen Ex-Klub Borussia Dortmund auflaufen.

Die SG Sonnenhof, gestärkt durch den 3:0-Sieg in Würzburg unter der Woche, übernahm anfangs den aktiveren Part und deckte schon früh Uerdinger Schwächen im eigenen Strafraum bei Standards auf. Eric Hottmann köpfte nach einem Eckball übers KFC-Tor, Dems Fallrückzieher landete im Fangnetz, sein Kopfball später ebenfalls, und Imbongo Boeles Schlenzer segelte knapp am Torpfosten vorbei. Uerdingens beste Chance hatte Großkreutz auf dem Fuß, aber sein Schuss aus rund 25 Metern verfehlte das Großaspacher Tor knapp.

Nach 33 Minuten landete die Kugel dann doch im Netz der SG Sonnenhof. Getroffen hatte Roberto Rodriguez mit einem knallhart verwandelten Elfmeter.

Die Szene eingeleitet hatte Uerdingens Verteidiger Christian Dorda mit einem Diagonalball genau auf die rechte Seite. Dort hatte sich Dan-Patrick Poggenberg schwer verschätzt und brachte dann im Laufduell Evina im Strafraum zu Fall. Die Führung der Gäste hielt aber nur zwei Minuten. Burger servierte den Ball per Freistoß mit links genau auf den Kopf von Leist, der ungehindert den Ausgleich erzielen konnte.

Mit Osayamen Osawe reagierte Gästetrainer Vogel auf die Harmlosigkeit seiner Offensive und brachte mit der Einwechslung zudem mehr Tempo ins Spiel seines Teams. Osawe leitete auch die Riesenchance zum Ausgleich ein, als er dem ebenfalls zur Pause eingewechselten Großaspacher Kai Gehring entwischte und Boubacar Barry den Ball einschussbereit servierte. SG-Keeeper Maximilian Reule wehrte Barrys Volleyabnahme aus sechs Metern mit einer tollen Parade ab.

Auf der Gegenseite hatte Imbongo Boele eine dicke Chance, aber er erwischte den Ball mit dem Kopf nicht optimal und streichelte ihn am Tor vorbei. Ohne weitere nennenswerte Szenen lief die Zeit ab in Richtung der fulminanten Schlussphase.

Die Dritte Liga legt eine zweiwöchige Pause ein, für die SG Sonnenhof geht es am Samstag im WFV-Pokal in der zweiten Runde zum Rems/Murr-Derby beim Landesliga-Aufsteiger SV Kaisersbach.