Dass es im schwäbisch-badischen Drittliga-Duell gegen den SV Waldhof Mannheim bei einer herben 0:3-Heimniederlage blieb und es nicht in ein Debakel ausartete, hatte die SG Sonnenhof Großaspach einzig ihrem Schlussmann Maximilian Reule zu verdanken. „Unser Torwart war der beste Mann. Das zeigt, dass einiges nicht gepasst hat“, verband Großaspachs Trainer Oliver Zapel das Lob für den 25-Jährigen Reule in offene Kritik an seiner Mannschaft nach einer Lehrstunde durch den Aufsteiger aus Mannheim. Er sagte auch: „Keiner übernahm Verantwortung. Wir sollten jetzt aber nichts Grundsätzliches in Frage stellen.“

Dabei zogen sich die Probleme bei der SG Sonnenhof mit Ausnahme von Reule durch die ganze Mannschaft. Die Defensive wirkte ungeordnet, kam kaum in die Zweikämpfe und lief meist hinterher, im zentralen Mittelfeld bekamen Sebastian Bösel und Onur Unlücifci keinen Zugriff,  und vorne war Dimitry Imbongo Boele ein Ausfall. Panagiotis Vlachodimos war wie immer viel unterwegs und oft am Ball, er verpasste aber mehrfach den richtigen Zeitpunkt zum Abspiel.

Brünker vergibt den Ausgleich

Einzig Kai Brünker hatte zwei dicke Torgelegenheiten und hätte zweimal ausgleichen können. Sein Schrägschuss strich knapp übers Waldhof Tor (33.), bei seiner Direktabnahme aus kurzer Distanz bewies Mannheims Torhüter Timo Königsmann bei seinem Comeback nach Verletzungspause seine Klasse (45.+1). Waldhof-Trainer Bernhard Trares nahm die beiden Torchancen der Gastgeber gelassen: „Wir mussten einiges überstehen. Aber das ist eben so.“ Trares strich  viel Positves heraus: „Es war eine phantastische erste Halbzeit meiner Mannschaft. Wir hatten sehr viele gute Möglichkeiten und hätten zur Halbzeit höher führen müssen. Wir haben uns dadurch aber nicht beunruhigen lassen, wenn wir Chancen nicht nutzen. Das kennen wir ja.“ Der Aufsteiger beendete mit einer eindrucksvollen Leistung und dem verdienten Dreier eine Serie von fünf sieglosen Spielen, darunter waren auch die Heimpleiten gegen die Spvgg Unterhaching (0:3) und gegen den Halleschen FC (0:4).

In der Mechatronik-Arena setzten die Waldhöfer, deren rund 1000 mitgereisten Fans ihre helle Freude am Auftritt ihres Teams hatten und es 90 Minuten lang pausenlos anfeuerten, ihre starke Leistung wieder in Tore um. Sie agierten mit viel Tempo, sprühten vor Spielfreude, waren ballsicher und bevorzugten meist das schnelle und direkte Spiel in die Spitze. Damit waren die Großaspacher weitgehend überfordert. Sie bekamen vor allem den überragenden Dorian Diring nicht in den Griff. Der 27-jährige Franzose bereitete zwei Treffer vor und erzielte selbst ein Tor. Der prima Auftritt der Badener hatte schon etwas von Aufstiegsreife. Da half es den Großaspachern auch wenig, dass sie zur zweiten Halbzeit ihre Grundordnung veränderten und mit einer Dreierkette hinten und Vlachodimos auf der Zehnerposition versuchten, sich gegen die Übermacht des SV Waldhof zu wehren.

Die Gäste verloren nach 19 Minuten einiges an Kopfballstärke, denn der knapp zwei Meter lange Michael Schultz musste mit einem geschwollenen Auge das Feld verlassen. Für ihn rückte Kapitän Kevin Conrad von links ins Abwehrzentrum. Conrad betätigte sich kurz danach als Torschütze. Nach einem Eckball von Diring nahm er den Ball technisch perfekt mit der Innenseite und hämmerte ihn unters Lattendach (22.) – unhaltbar für Reule. Am SG-Keeper waren zuvor Diring (3.), Jan Hendrik Marx (15.), Gian-Luca Korte (24.) und Maurice Deville (28.) gescheitert.

Das 2:0 der Gäste leitete Torwart Königsmann mit einem weiten Abwurf nach einer abgefangenen Ecke ein. Deville hängte bei seinem Solo zwei Großaspacher ab und bediente mit einem Querpass den mitgelaufenen Diring, der Reule übewand (64.). „Wir haben in der ersten Halbzeit leider nur ein Tor geschossen. In der zweiten Hälfte haben wir unsere Konter dann besser umgesetzt. Wir hätten aber mehr Tore erzielen können“, meinte der Franzose nach der Partie.

Seegert trifft per Kopf

Treffer Nummer drei leitete Diring nach einer zunächst abgewehrten Ecke mit einer butterweichen Flanke auf Marcel Seegert ein, der mit einem gefühlvollen Kopfball ins obere Toreck traf (73.). Damit hatte nach Conrad auch der zweiten Mannheimer Innenverteidiger getroffen. Das wollte auch der eingewechsele Kevin Koffi, aber dessen spektakulären Abschluss parierte erneut Großaspachs Schlussmann (90.). Das vierte Gästetor verhinderte auch Angreifer Brünker auf der eigenen Torlinie mit einer Grätsche nach einem Schuss von Marx (90.). Da war der Großaspacher Bösel schon nicht mehr auf dem Platz. Er hatte nach einer Attacke gegen Christiansen die Rote Karte gesehen (80.).