So haben sich die Fußballer des FSV 08 Bissingen den Rundenbeginn in der Oberliga nicht vorgestellt. Der Tabellendritte der Vorsaison kam gegen den Aufsteiger SV Sandhausen II am Samstag zu Hause nach einer dürftigen Vorstellung nicht über ein 1:1 hinaus. „Das, was wir können, haben wir heute nicht gezeigt. Das waren vielleicht 70 Prozent“, sagte Defensivmann Daniel Schmelzle und machte zugleich Mut für die weiteren Aufgaben: „Wenn wir alles abliefern und alles passt, schlagen wir jeden in der Liga.“

Schmelzle war der zweite Bissinger Neuzugang in der Startelf neben Torhüter Dominik Ferdek (siehe Kasten) – und einer der wenigen Lichtblicke. Der Ex-Neckarsulmer übernahm in der Abwehr-Dreierkette den linken Part, gab lautstark Kommandos und erweckte den Eindruck, als ob er schon seit Jahren im Team spielen würde. „Das ist eine überragende Truppe. Ich bin super aufgenommen worden, und unser Trainingslager war richtig gut. Gerade spielerisch macht es mit den Jungs riesig Laune“, stellte Schmelzle fest.

Im ersten Punktspiel lief spielerisch allerdings nur wenig zusammen. Die beiden Urlauber Sebastian Gleißner und Pierre Williams wurden schmerzlich vermisst. Kreativspieler Alexander Götz musste zum Beispiel auf der Sechser-Position mehr nach hinten arbeiten als sonst und konnte so in der Offensive kaum Impulse setzen. Die Zweitliga-Reserve aus Sandhausen spielte dagegen frech auf, ging ein hohes Anfangstempo und erspielte sich mehrere Chancen. Die 1:0-Führung der Nordbadener resultierte aus einer der vielen Ecken, die der SVS fast immer kurz ausführte: Ferdek klärte die Hereingabe in die Mitte, wo Marvin Benefo mit einem verunglückten Schuss aus dem Hinterhalt eher zufällig Ioannis Nalbantis bediente – und der Kapitän setzte die Kugel ins lange Eck (11.). Die Proteste der Bissinger, die eine Abseitsstellung monierten, waren vergebens. Glück hatte der FSV 08 außerdem, dass Prince Jubin nur den Pfosten traf (30.).

Brutales Foul an Kapitän Kunde

Weil vorne gar nichts klappte und die Stürmer Marius Kunde und Pascal Hemmerich abgemeldet waren, versuchte es Lindner in der 39. Minute einfach mal mit Brachialgewalt: Der Flügelspieler fasste sich aus 28 Metern ein Herz und jagte den Ball per Aufsetzer zum 1:1 ins rechte Eck (39.). Jetzt waren die Schützlinge von Trainer Alfonso Garcia in der Saison angekommen. Zwei Minuten später hatte Kapitän Kunde die Riesenchance zum 2:1, als er nach einer unsauberen Sandhausener Kopfballabwehr allein vor Benedikt Grawe auftauchte, aus zehn Metern aber am Gästekeeper scheiterte. Kunde stand auch kurz vor der Pause im Blickpunkt: Marc-Louis Lehr grätschte den Stürmer nahe der Mittellinie brutal um, doch Regelhüter Matthias Wituschek beließ es zum Zorn der 08-Kicker und ihrer Fans bei Gelb. „Das muss Rot geben“, sagte Kunde, der in der zweiten Hälfte noch 18 Minuten durchhielt, dann aber mit einer Oberschenkelverletzung rausmusste. „Ich hoffe, dass es nur ein Pferdekuss ist“, meinte der Gefoulte. Gästetrainer Frank Löning nahm den am Rande eines Platzverweises stehenden Lehr nach 45 Minuten vorsichtshalber aus der Partie.

Alexander Götz sieht Gelb-Rot

In Durchgang zwei übernahm der FSV 08 die Initiative. Immerhin zweimal lag das 2:1 in der Bissinger Luft: Nach Vorarbeit von Riccardo Gorgoglione schoss Lindner den Ball, der kurz zuvor auf dem holprigen Rasen noch tückisch aufgesprungen war, über die Latte (68.). Und Joker Marco Rienhardt spielte nach einem Steilpass seine Schnelligkeit aus, tanzte einen Gegner aus und scheiterte am Außennetz (75.). Der unrühmliche Schlusspunkt war die Gelb-Rote Karte für Götz, der sich in der Nachspielzeit ein taktisches Foul erlaubte. Er wird dem Bruchwald-Team am Freitag (18.30 Uhr) in Pforzheim fehlen.

08-Torhüter Sven Burkhardt ist sauer über die Reservistenrolle


Eine Überraschung hatte es in der Bissinger Startelf gegeben: Nicht der langjährige Stammkeeper Sven Burkhardt hütete gegen Sandhausen II das Tor, sondern der aus Weilimdorf gekommene Dominik Ferdek (23). Alfonso Garcia hatte Burkhardt bereits am Donnerstagabend die Entscheidung mitgeteilt. Bei der Pressekonferenz wies der Coach auf Nachfrage darauf hin, dass Burkhardt in der Vorbereitung gut zwei Wochen gefehlt habe und noch nicht hundertprozentig fit sei. Garcia; „Wenn Sveni wieder hundertprozentig fit ist, hat er auch wieder gute Chancen, zu spielen.“

Burkhardt, der drei Tage zuvor beim Pokalduell in Leingarten noch zwischen den Pfosten gestanden hatte, machte aus seinem Ärger keinen Hehl. „Es ist nicht leistungsbezogen, dass ich auf der Bank bin. Das liegt nicht an der sportlichen Situation, sondern da muss etwas anderes sein“, sagte der 36-Jährige und verwies auf die Wechselfrist, die erst am 31. August endet: „Es gibt vielleicht noch andere Vereine, die einen Torwart brauchen.“ ae