Fußball Erst Torschütze, dann Rotsünder

Bissingen / Andreas Eberle 11.08.2018

Nach den ersten 94 Oberliga-Minuten in der Spielzeit 2018/2019 war es Zeit für eine Umarmung unter Männern: Trainer Alfonso Garcia und sein bereits ausgewechselter Kapitän Marius Kunde drückten sich nach dem Abpfiff innig und brüllten ihre Freude heraus – und wohl auch ihre Erleichterung. Denn der 2:1-Heimerfolg des FSV 08 Bissingen zum Rundenstart über den 1. CfR Pforzheim war hart erkämpft. Nach einer Roten Karte für Alexander Götz hatte die Bruchwald-Elf ihren Vorsprung eine halbe Stunde lang in Unterzahl verteidigen müssen. Nach dem Pforzheimer 1:2-Anschlusstreffer (80.) hing der Sieg an einem seidenen Faden.

Bis zu dem Platzverweis war Bissingen vor den 800 Zuschauern das klar bessere und vor allem auch eingespieltere Team gewesen. Was die favorisierten Hausherren taten, hatte Hand und Fuß, die Mechanismen funktionierten so, als ob es nie eine Sommerpause gegeben hätte. Mit Sebastian Gleißner stand freilich auch nur ein Neuzugang in der Startformation – der von der TSG Backnang gekommene Mittelfeldmann gab einen soliden Einstand. Auch Kunde, den in der Woche zuvor eine Oberschenkelzerrung geplagt hatte, lief im Angriff auf. Mit der Spielführerbinde, die er von Garcia für diese Saison erhalten hatte. „Es war wichtig für uns, dass Marius dabei war, denn er ist ein Leader und ein Vorbild, auch in läuferischer und kämpferischer Hinsicht“, sagte der neue alte Bissinger Chefcoach.

CfR-Übungsleiter Gökhan Gökce hatte immerhin vier Neuverpflichtungen aufgeboten, darunter Stanley Ratifo, den neuen Hoffnungsträger im Sturm. Der 23-jährige 1,90-Meter-Mann ist aktueller mosambikanischer Nationalspieler und wechselte vom 1. FC Köln II aus der Regionalliga West nach Pforzheim. Bei der Bissinger Abwehr war Ratifo allerdings gut aufgehoben und machte keinen Stich, abgesehen von einem beherzten Solo in der Anfangsphase.

Nach einem nervösen Beginn führte die erste Chance des FSV 08 in der 14. Minute gleich zur Führung: Yannick Toth setzte sich energisch im CfR-Strafraum durch und übergab, als er dort gestellt wurde, Simon Lindner den Ball. Mit einem schnellen Antritt ließ der Bissinger Flügelspieler seinen Bewacher Akiyoshi Saito stehen und schoss die Kugel aus zehn Metern zum 1:0 ins linke untere Toreck. Auch in der 32. Minute war die neu formierte Gästeabwehr bei einer Flanke von Kunde nicht im Bilde: Der Brasilianer Joao Tardelli und der Japaner Saito irrten desorientiert im eigenen Sechzehner umher, und Götz war der lachende Dritte, nahm den Ball an – und der von Alan Delic mit dem Körper noch abgefälschte Schuss landete zum 2:0 im Netz. Ein Ergebnis, das nach der ersten Hälfte vollauf in Ordnung ging.

Erst in der 62. Minute verbuchte Pforzheim die erste Chance: Johnathan Zinram setzte sich gegen Tim Reich durch, feuerte aber drüber. Kurz darauf sorgte Jonas Brombacher mit seinem Feldverweis für die Zäsur in der Begegnung. Pierre Williams und Ratifo waren im Mittelfeld aneinandergeraten, worauf es zu einer Rudelbildung kam. Der Schiedsrichter zeigte beiden Streithähnen Gelb, ebenso CfR-Kapitän Denis Gudzevic – und Götz zur allgemeinen Überraschung sogar die Rote Karte, wegen einer vermeintlichen Tätlichkeit (64.). „Ich wollte meinen Gegenspieler an der Brust nur von mir wegdrücken, der Schiri hat zu mir gemeint, ich habe ihn gewürgt. Der gegnerische Spielführer hat sich aber nicht mal beschwert“, beschrieb der Bissinger später die Situation.

Mit einem Mann mehr kam Pforzheim besser in die Partie – und in der 80. Minute zum 1:2. Nach einem halbhohen Freistoß von Kushtrim Lushtaku jagte Gudzevic den Ball aus kurzer Distanz volley unter die Latte. Der sonst wenig geforderte 08-Keeper Sven Burkhardt war mit den Fingerspitzen noch am Ball, konnte den Einschlag aber nicht verhindern. Brenzlig wurde es für die Bissinger noch bei zwei Kopfbällen von CfR-Joker Dominik Salz (86.) und Tardelli (90.+3), doch letztlich brachten sie den knappen Vorsprung über die Zeit.

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