Fußball Ein nahezu perfekter Auftritt

Hier stoppt der Freiberger Tobias Fausel (vorne) den später verletzt ausgeschiedenen Reutlinger Marcel Avdic (rechts). Hinten Julian Schiffmann, der mit einer Ecke Fausels 1:0 vorbereitete.
Hier stoppt der Freiberger Tobias Fausel (vorne) den später verletzt ausgeschiedenen Reutlinger Marcel Avdic (rechts). Hinten Julian Schiffmann, der mit einer Ecke Fausels 1:0 vorbereitete. © Foto: Axel Grundler
Von Claus Pfitzer 16.04.2018

Der Auftritt des SGV Freiberg im Oberligaspiel beim SSV Reutlingen hatte Klasse. Mit dem 4:0-Sieg beendete der SGV die zehn Spiele anhaltende Serie des SSV Reutlingen ohne Niederlage und mit sieben Dreiern in diesem Zeitraum. Den Freibergern gelang eine nahezu perfekte Vorstellung, die auch zwei Schönheitsfehler nicht trüben konnten. Taktisch hervorragend, spielerisch stark, defensiv stabil und effektiv bei der Chancenverwertung – das war der Mix, aus dem der am Ende klare Sieg bestand. Die Gastgeber, die auf acht verletzte Spieler  verzichten mussten, bekamen beim Stand von 0:1 und 0:2 durch schlimme Fehlpässe im Spielaufbau der Freiberger Defensivkräfte Denis Zagaria und Marco Pischorn zwei Riesenchancen serviert. Beide Male verfehlte der durchgelaufene A-Junior Marvin Pieringer, der zur neuen Saison zum SC Freiburg II wechselt, das SGV-Tor.

Die Freiberger haben die erste von vier aufeinanderfolgenden englischen Wochen mit Liga und Pokal mit drei Siegen erfolgreich hinter sich gebracht. Sie stehen im Pokal-Halbfinale gegen den SSV Ulm und haben ihre Chance auf Platz zwei zumindest nicht verschlechtert.

Tanz auf zwei Hochzeiten

Klar, dass Trainer Ramon Gehrmann zufrieden ist: „Es gibt deutlich Schlimmeres, als um den Pokalsieg und den Aufstieg mitzuspielen.“ Er schränkte angesichts der Ergebnisse vom Samstag für die Liga allerdings ein: „Villingen und Bissingen haben auch gewonnen, da ist aus eigener Kraft für uns der zweite Platz nicht drin. Wir wissen auch, wo wir herkommen. Nach sechs Spieltagen hatten wir vier Punkte und standen auf einem Abstiegsplatz.“

Im Spiel in Reutlingen werteten die Gastgeber hinterher die Szene in der 27. Minute als Knackpunkt, ohne den verdienten Sieg der Gäste in Zweifel zu ziehen. Pieringer war auf der rechten Seite mit dem Ball am Fuß der aufgerückten Freiberger Abwehr davongelaufen, entschied sich dann aber für die halbgare Mischung aus Torschuss und Zuspiel auf den mitgesprinteten Marcel Avdic. Der verfehlte den haarscharf am Tor vorbeirutschenden Ball, prallte an den Torpfosten und zog sich eine offene Wunde am Schienbein zu. Statt in dieser Szene zum Ausgleich zu kommen, erlitten die  Gastgeber durch das Ausscheiden von Avdic auch noch einen herben Verlust.

Ohne Avdic verlor die anfangs durchaus passabel auftretende Offensivreihe mit ihm sowie den jungen Thomas Kunz, Pieringer sowie dem technisch hochbegabten und filigranen Ex-Rutesheimer Raphael Schneider viel von ihrer Gefährlichkeit. Die jungen Burschen hatten mehrfach angedeutet, dass sie richtig gut kicken können. Und sie brachten sich auch in die Defensivarbeit mit ein. Die Reutlinger stellten sich gegen den Ball mit zwei Viererketten und zwei früh störenden Stürmern. Die Freiberger hatten zu Beginn gute Aktionen, wenn der Ball über die rechte Seite und dort über den umtriebigen, aber nicht zum Abschluss kommenden Hakan Kutlu lief.  Er spielte aber beim 2:0 eine bedeutende Rolle.

Denn mit zwei exzellent ausgeführten Standardsituationen kamen die immer stärker werdenden Freiberger zu ihrer Zwei-Tore-Halbzeitführung. In der 16. Minute brachte Julian Schiffmann den Ball von der rechten Eckfahne mit links vors Reutlinger Tor, am langen Pfosten stieg Tobias Fausel hoch und köpfte zum 1:0 für den SGV ein. Da sah neben seinen Mitspielern auch Schlussmann Milan Jurkovic nicht gut aus. Machtlos war Jurkovic beim Freistoß von Kutlu in der 39. Minute aus 17 Metern Entfernung. Der schussstarke Freiberger knallte den Ball von halbrechts mit links ans Lattenkreuz. Die abprallende Kugel verwertete der Freiberger Kapitän Steven Kröner mit einem Flugkopfball  zum 2:0 ins leere Tor.

Pieringer vergibt erneut

Die Reutlinger gingen mit Beginn der zweiten Halbzeit mit Entschlossenheit in die Offensive und kamen im und am Freiberger Strafraum zu Schussgelegenheiten. Die SGV-Defensive blockte aber alle Versuche ab. Als den Gästen im Spielaufbau erneut ein Bock unterlief und Pieringer wieder alleine aufs Tor zulief, hatten sie Glück, dass der Youngster erneut knapp vorbeizielte. Mit ihrem ersten Angriff in Halbzeit zwei sorgten die Freiberger für die Entscheidung. Marcel Sökler, der gegen den abgeklärten Rouven Wiesner eínen schweren Stand hatte, legte von der Torauslinie den Ball mit Übersicht zurück und genau in den Lauf von Thomas Gentner. Dessen satter Linksschuss landete im langen Eck des SSV-Tores (60.). Gentner hatte auf seiner linken Seite Platz und offenbar Gefallen am Toreschießen gefunden. In der 84. Minute beendete er ein Solo mit dem nächsten erfolgreichen Linksschuss vorbei an SSV-Schlussmann Jurkovic ins Netz zum 4:0-Endstand. Da hatte Reutlingen schon die Übermacht und die Stärke der Gäste anerkannt. Für den SGV geht es schon am Dienstag um 18.15 Uhr im Nachholspiel beim 1. CfR Pforzheim weiter.

Lob für Schiffmann

„Das ist Fairplay“ lobte der Reutlinger Stadionsprecher Wolfgang Gattiker den Freiberger Julian Schiffmann in der 19. Minute über die Lautsprecher. Der Offensivmann mit dem starken linken Fuß hatte auf Nachfrage von Schiedsrichter Nikolai Kimmeyer, der einen Eckball für Freiberg geben wollte, angegeben, den Ball noch berührt zu haben, ehe das Spielgerät die Torauslinie passierte. Kimmeyer bedankte sich und entschied auf Abstoß für Reutlingen. cp