Fußball Ein Frontalangriff auf den zweiten Tabellenplatz

Der zweifache Torschütze Marius Kunde vom FSV 08 Bissingen (rechts) im Zweikampf mit dem Backnanger Nico Walter, der zur Halbzeit ebenso wie Kapitän Oguzhan Biyik raus musste.
Der zweifache Torschütze Marius Kunde vom FSV 08 Bissingen (rechts) im Zweikampf mit dem Backnanger Nico Walter, der zur Halbzeit ebenso wie Kapitän Oguzhan Biyik raus musste. © Foto: Avanti
Von Claus Pfitzer 09.04.2018

Bis zum 16. April müssen aufstiegswillige Oberligisten ihre Lizenzanträge für die Regionalliga bei der zuständigen Geschäftsstelle in Karlsruhe einreichen. Der FSV 08 Bissingen hat die umfangreichen Unterlagen bereits vor einem Jahr erstellt und legt sie nun erneut vor. Das berichtete der Sportliche Leiter Oliver Dense vor dem Spiel der Nullachter am Samstag bei der TSG Backnang. Die leichte Skepsis angesichts der Leistung und der Niederlage am Ostermontag in Reutlingen dürfte nach dem bärenstarken Auftritt und dem souveränen 4:0-Sieg beim heimstarken Aufsteiger Backnang verflogen sein. Zumal schon während der Partie die 0:2-Niederlage des FC 08 Villingen in Göppingen bekannt wurde. Auch wenn die Tabelle noch ein schiefes Bild angesichts noch auszutragender Nachholspiele aufweist, so sind die Bissinger aussichtsreich dabei im Kampf um Platz zwei, den sie derzeit einnehmen. Es deutet einiges darauf hin, dass das Lokalderby am 5. Mai am Bruchwald gegen den SGV Freiberg eine bedeutende Rolle bei der Vergabe von Platz zwei spielen wird.

08-Trainer Andreas Lechner hatte gegenüber der Partie in Reutlingen drei Änderungen an seiner Startformation vorgenommen. Für Anil Sarak, Peter Wiens und Lukas Buck spielten Maurizio Macorig, Pierre Williams und Riccardo Gorgoglione.

Die Gäste achteten in den ersten rund 20 Minuten nach zuletzt zwölf Gegentoren in fünf Spielen auf eine stabile Defensive und ließen die Gastgeber auf dem Rasenspielfeld angreifen. Das sah in Ansätzen auch ganz gut aus, was die TSG, die bislang eine prima Premieren-Saison gespielt hat, anzubieten hatte. Als die Bissinger dann aber ernst machten und basierend auf ihrer starken Abwehr ihre spielerischen Qualitäten und ihre Klasse in der Offensive einbrachten, nahmen sie den Aufsteiger förmlich auseinander. Einziges Manko bei den Gästen war die Chancenverwertung, sonst wäre der Sieg noch deutlicher ausgefallen.

Die Backnanger hatten in den 90 Minuten eine Torchance, ihr Torjäger Mario Marinic kam gegen die 08-Innenvereidiger Tim Reich und Macorig zu keinem Abschluss. Der Arbeitsnachweis des  Bissinger Torhüters Sven Burkhardt sah ein paar sicher abgefangene Flanken, eine Faustabwehr nach einem Eckball sowie Abschläge und Abstöße vor. Nur einmal näherte sich die Kugel gefährlich Burkhardts Gehäuse. Das war in der 29. Minute, als Julian Geldner aus 16 Metern zum Schuss kam, den Ball aber an den Außenpfosten setzte. Zu den beiden ersten Treffern der Gäste leisteten die Backnanger kräftig Schützenhilfe. Im weiteren Verlauf häuften sich bei ihnen Fehlpässe. Sie hatten nur damit zu tun, sich nicht noch mehr Treffer einzufangen. Alle Mühen wären vergebens gewesen, hätten die Gäste  in der zweiten Halbzeit eine ihrer vielen Chancen genutzt.

Kunde trifft ins leere Tor

Als sich die Nullachter nach einem leicht holprigen Start auf den Gegner eingestellt und die Frei­stoßrate der TSG aus der Anfangsphase drastisch minimierten hatten, deckten sie mit ihren langen Bällen so manche Schwäche in der TSG-Abwehr auf. Eine davon führte zu einer kuriosen Situation. Der Ex-Bissinger Nico Walter verlor kurz vor dem eigenen Strafraum einen Zweikampf mit Marius Kunde, der eine torgefährliche Aktion einleitete. Als der Ball zur Ecke abgewehrt war, nahm sich TSG-Kapitän Oguzhan Biyik seinen Mitspieler zur Brust. Referee Philipp Reitermayer musste einschreiten und den Zoff der beiden Backnanger beenden. Zur Pause wechselte TSG-Trainer Beniamino Molinari die Streithähne aus. „Wir müssen zusammenstehen und füreinander da sein. In der ersten Halbzeit hatte ich das Gefühl nicht“, begründete Molinari seine drastische Maßnahme, zwei Stammkräfte aus dem Spiel zu nehmen, wodurch ein Stück weit die Statik in der Mannschaft verloren ging. Doch da führten die Bissinger bereits mit 2:0. Nachdem TSG-Schlussmann Pascal Bertram einen satten Linksschuss von Simon Lindner nach einem Steilpass von Burkhardt pariert hatte (28.), patzte er ein paar Minuten später. Bertram hatte einen langen Ball in seinen Strafraum erlaufen, die Kugel dann aber genau in die Füße von Marius Kunde gespielt. Der 08-Torjäger versenkte den Ball aus 20 Metern im leeren Backnanger Gehäuse (35.). Dem 0:2 gingen ein für Backnang verlorener Zweikampf und ein genialer Pass aus der Bedrängnis und der eigenen Hälfte von Alexander Götz auf den durchgestarteten Lindner voraus. Der schussstarke Bissinger vollendete cool (41.).

Götz beendet Solo mit dem 3:0

Das 3:0 erzielte Götz nach 57 Minuten selbst. Er startete an der Mittellinie ein super Solo, setzte sich gegen Michl Bauer durch und platzierte den Ball mit rechts mit dem Umweg über den Innenpfosten ins Tor.

Zum 4:0 leistete Gorgoglione die feine Vorarbeit, erfolgreich war erneut Kunde (75.). Zu einem eigenen Treffer reichte es beim stark spielenden Gorgoglione trotz guter Chancen nicht. Auch der eingewechselte Wiens brachte in zwei aussichtsreichen Situationen den Ball nicht an TSG-Keeper Bertram vorbei.

Am Samstag (15.30 Uhr) haben die Nullachter den SV Sandhausen II am Bruchwald zu Gast.

Fairplay von Riccardo Gorgoglione

Ein Musterbeispiel für Fairness lieferte Riccardo Gorgoglione vom FSV 08 Bissingen in der Partie am Samstag bei der TSG Backnang in der 21. Minute. Beim Stand von 0:0 blieb der Backnanger Athanasios Coutroumpis nach einem Zweikampf in der Bissinger Hälfte liegen. Für Schiedsrichter Philipp Reitermayer aus Karlsruhe lag kein regelwidriges Vergehen vor, er ließ das Spiel weiterlaufen. Der Ball landete beim schnellen Gorgoglione, der auf der halbrechten Seite freie Bahn Richtung TSG-Tor hatte. Anstatt durchzustarten, bremste der 25-Jährige ab und spielte den Ball ins Seitenaus, damit Coutroumpis behandelt werden konnte. Bei ihm ging es dann auch rasch wieder weiter. cp