Fußball  Ein Aussetzer bringt Freiberg um den Sieg

Freibergs Edeltechniker Hakan Kutlu (rechts) versucht sich bei einer Hereingabe, doch sein Spielberger Bewacher rutscht ihm mit einem gestreckten Abwehrbein entgegen. Im Hintergrund beobachtet Schiedsrichter Tobias Doering die Situation genau.
Freibergs Edeltechniker Hakan Kutlu (rechts) versucht sich bei einer Hereingabe, doch sein Spielberger Bewacher rutscht ihm mit einem gestreckten Abwehrbein entgegen. Im Hintergrund beobachtet Schiedsrichter Tobias Doering die Situation genau. © Foto: Avanti
Freiberg / Andreas Eberle 27.08.2018

Trainer Ramon Gehrmann bekam am Samstag nach dem 1:1 in der Fußball-Oberliga gegen den SV Spielberg von den Edelfans des SGV Freiberg einiges zu hören. Überheblichkeit, mangelnder Einsatz, keine Einheit auf dem Platz – mit solchen Kritikpunkten sah sich der 44-jährige Fußball-Lehrer im VIP-Raum des Wasenstadions konfrontiert. Höflich, aber doch bestimmt wies Gehrmann die Vorwürfe zurück, und er hatte guten Grund dazu. Denn eigentlich hatte seine Mannschaft gegen die mit zwei Niederlagen gestarteten Spielberger in den 90 Minuten ziemlich viel richtig gemacht: Der SGV beherrschte den biederen Gegner, hatte gefühlte 70 Prozent Ballbesitz, gewann das Gros der Zweikämpfe und spielte sich allein in der zweiten Hälfte eine Handvoll bester Chancen heraus. Keine Frage: Der erste Heimsieg in der noch jungen Saison wäre  hochverdient gewesen.

Hasel bestraft Unachtsamkeit

Das einzige, was aber eben überhaupt nicht stimmte, war das Ergebnis. Wie schon zum Rundenauftakt gegen den FV Ravensburg (1:2) kassierten die Freiberger in der Schlussphase einen späten Wirkungstreffer in Form eines Gegentors. Diesmal erlaubte sich die Abwehr in der 88. Minute den einzigen Aussetzer in dem ungleichen Duell – und den bestrafte Manuel Hasel prompt mit dem Ausgleich: SGV-Innenverteidiger Maximilian Rohr hatte den Ball bereits sicher und wollte die Situation spielerisch lösen, was Gehrmann auch immer von seinen Kickern fordert. Doch diesmal ging es schief: Die Nordbadener erkämpften sich die Kugel, während das Wasen-Team bereits wieder in der Vorwärtsbewegung war. Hagel setzte sich im Strafraum gegen zwei nur zögerlich angreifende Gegenspieler durch und jagte den Ball aus spitzem Winkel zum 1:1-Endstand ins lange obere Toreck. Damit hatte der Abstiegskandidat aus Spielberg beim Aufstiegskandidaten einen schmeichelhaften Punkt erbeutet.

„Vielleicht haben wir uns zu sicher gefühlt, und dafür wurden wir bestraft. Wir müssen daran arbeiten, dass wir die letzten fünf oder zehn Minuten konsequent durchziehen“, sagte Rechtsaußen Hakan Kutlu, der den SGV trotz des durchwachsenen Saisonauftakts gut aufgestellt sieht: „Wir sind eine Spitzenmannschaft, auch wenn wir so ein Spiel natürlich gewinnen müssen. Ein holpriger Start ist aber immer drin. So war’s ja auch im vergangenen Jahr.“

Obwohl die Wasen-Elf im ersten Durchgang überlegen war, sprangen nur zwei Torchancen für sie heraus – und die erste führte in der 21. Minute gleich zum 1:0: Thomas Gentner ließ seinen Gegenspieler ins Leere laufen und bediente nahe der Torauslinie Mittelfeldmann David Müller, und der Neuzugang traf mit einem eher unplatzierten Schuss aus zehn Metern ins Netz – SVS-Schlussmann Yannik Dressler gab eine unglückliche Figur ab und ließ den vom Regen wohl  nassen Ball durchrutschen. „Das war eine Gurke. Da brauchen wir nicht drum herumreden“, sagte Spielbergs Trainer Tobias Winter später. Die zweite Freiberger Gelegenheit vergab Kutlu, dessen 18-Meter-Schuss am rechten oberen Tordreieck vorbeiflog (40.).

Ex-Profi Kapllani bleibt blass

Nach der Pause überboten sich die Hausherren im Auslassen bester Torchancen. Bei einem Kopfball und einem Schuss von Marcel Sökler parierte Dressler glänzend mit einer Hand und dem Knie – und machte so seinen Lapsus beim Gegentor wett.  Weitere Möglichkeiten vergaben zweimal Kutlu und der eingewechselte Serkan Uygun, der nur das Außennetz traf. Von den Spielbergern war in der Offensive kaum etwas zu sehen, abgesehen von einem Geschoss von Edmond Kapllani, das den SGV-Kasten knapp verfehlte (58.). Der frühere albanische Nationalspieler und Karlsruher Aufstiegsheld aus der Zweitliga-Spielzeit 2006/2007 blieb sonst aber blass. Zehnmal tappten die Gäste außerdem ins Abseits. Doch dann kam Hasel – und mit ihm das dicke Ende für die Freiberger.

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