Fußball Drei Brüder prägen den Verein

Bönnigheim / Von Claus Pfitzer 07.04.2018

Im Jahr 1991 fanden sich zehn Freunde zusammen, um als Hobbymannschaft bei Freizeitturnieren mitzukicken. Sechs Jahre und einige Turniersiege später erfolgte die offizielle Gründung des SV Kaman 91 Bönnigheim-Kirchheim, wobei im Spielbetrieb auf Bezirksebene seit der Saison 1998/1999 nur der Ortsname Bönnigheim geführt wird. Dort trägt das türkischstämmige Team auch seine Heimspiele aus. Vom Frühjahr bis zum Herbst auf dem Rasenspielfeld im Ortsteil Hohenstein, bei schlechter Witterung auf dem Kunstrasenplatz beim Mineralfreibad in Bönnigheim.

„Unser Wunsch wäre ein Kunstrasenplatz in Hohenstein“, verrät Yüksel Köylü, der Vorsitzende des SV Kaman 91. Der 49-Jährige gehörte 1991 ebenso zu den Freizeitkickern wie seine Brüder Yasin und Yücel. Das fußballbegeisterte Trio prägte und prägt den 75 Mitglieder umfassenden Verein bis heute. Yasin Köylü ist Trainer der Aktiven, sein Bruder Yücel unterstützt ihn als Co-Trainer. Nach einer fünfjährigen Pause und diversen anderen Trainern hat Yasin Köylü die Verantwortung   für den sportlichen Bereich wieder übernommen und ist mittlerweile in der dritten Saison als Coach tätig – mit guten Aussichten, am Ende der laufenden Runde auf Platz zwei in der Kreisliga B 9 zu landen und damit an der Relegation zur Kreisliga A teilzunehmen.

Mit Panagiotis Zounzouras vom FV Kirchheim und Kubilay Dedeli vom FV Löchgau II kamen in der Winterpause zwei Verstärkungen hinzu. Mit zuletzt drei Siegen in zehn Tagen haben die Bönnigheimer in der Tabelle aufgeholt und belegen aktuell Platz drei. In der Kreisliga A haben sie schon mal zwei Jahre gespielt. „Platz zwei ist machbar, die Spvgg Bissingen ist nicht mehr einzuholen und wird wohl Meister. Für unsere Spieler wäre die Relegation ein Erlebnis und eine neue Erfahrung“, sagt der Vorsitzende Yüksel Köylü. Mit dem Wiedereinstieg seines Bruders Yasin als Trainer vor drei Jahren fand innerhalb des Kaders ein personeller Umbruch statt. „Da haben wir mit Ach und Krach den Abstieg in die damalige Kreisliga C vermieden. Danach haben wir die Mannschaft verjüngt, heute haben wir 30 bis 35 Spieler im Kader. Wir überlegen uns, ob wir zur neuen Saison eine zweite Mannschaft melden. Wir hatten 15 Jahre lang eine, seit zwei Jahren nicht mehr“, berichtet der Vereinschef. „Es spielen mittlerweile viele Kinder aus der ersten Spielergeneration von Kaman bei uns. Der Kern der Mannschaft besteht aus Spielern der Jahrgänge 1994 bis 1996. Wir haben einen Zulauf von jungen Spielern. Das läuft viel über Verwandte und Bekannte. Die wissen, dass wir etwas Gutes machen“, erzählt Yüksel Köylü.

Stolz ist der Vereinsvorsitzende, dass mit Sinan Atlihan ein ehemaliger Jugendspieler des SVK, der zwischenzeitlich beim FV Löchgau in der A-Jugend gespielt hat, Kapitän des Teams ist.  Zwei Jahre lang hatte der Klub je eine D- und C-Jugendmannschaft. Dem umfangreichen Kader gehören nicht nur türkische Kicker an, sondern auch Griechen, Deutsche und Italiener, die meisten  aus der Umgebung, sowie ein Iraker.  „Unsere Sprache in der Mannschaft ist Deutsch. Wir legen viel Wert auf ein gutes Auftreten. Wir haben im Verein eine Disziplinarkommission. Wir haben nur eine Rote Karte in dieser Saison, in der letzten waren es eine oder zwei“, so Köylü.

Der SV Kaman 91 hat für sich einen Verhaltenskodex erstellt, in dem Attribute wie Disziplin, Fair Play, Spaß, Motivation, Optimismus und Teamgeist vorkommen. Ein Treffpunkt der Spieler und Vereinsmitglieder ist ein Cafe/Bar in Kirchheim, die von Mahmut Kocak betrieben wird. „Er ist unser Rekordspieler und Sponsor“, erklärt Köylü. Einnahmen generiert Kaman auch durch Anzeigenwerbung in der Vereinszeitung „Heimspiel“.

Teambesprechung in Moschee

Die Unterstützung ermögliche es, so Köylü, den Spielern Trainingskleidung zur Verfügung zu stellen, an der sie sich aber beteiligen. Ein Trainingslager in Antalya hat die Mannschaft sogar selbst bezahlt. Zu Mannschaftsbesprechungen nutzt der SVK auch hin und wieder die neue Moschee in Kirchheim. „Wir sind ein eigenständiger Verein, haben aber auch gute Beziehungen dorthin“, so Köylü. Eine gute Nachbarschaft pflegt der türkische Verein auch wieder zum TSV Bönnigheim, nachdem es vorübergehend etwas geknirscht hatte. „Da gab es nur kurzzeitig Probleme, aber jetzt haben wir wieder ein gutes Verhältnis“, berichtet der Vorsitzende. Auch zum scheidenden Bürgermeister Kornelius Bamberger sei das Verhältnis gut gewesen. An dessen Nachfolger richtet Köylü schon mal vorab einen Wunsch: „Ein Kunstrasen in Hohenstein wäre unser Traum. Vielleicht nimmt er das in die Hand. Dann könnten wir im Verein auch wieder Jugendarbeit machen.“ Vor ein paar Jahren erwog der SVK einen Erwerb des ehemaligen Musikerheims in der Hohensteiner Straße als Vereinstreffpunkt und Heimat, verwarf den Gedanken aber wieder.

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