Mein Sportverein Die Talentschmiede arbeitet auf Hochtouren

Die U 14 Junioren des FV Löchgau beim abendlichen Training auf dem Kunstrasenplatz.
Die U 14 Junioren des FV Löchgau beim abendlichen Training auf dem Kunstrasenplatz. © Foto: Martin Kalb
Claus Pfitzer 28.10.2016

Nachwuchsarbeit wird beim FV Löchgau groß geschrieben. Mit dem Jugendkonzept 2020 soll die Zukunft des Vereins gestaltet und gesichert werden.

Am Ende der vergangenen Saison erntete der FV Löchgau wieder reichlich Erfolge seiner konsequent betriebenen Arbeit, vor allem im Jugendbereich. Die A-Junioren wurden Meister der Verbandsstaffel Nord und schafften über zwei Aufstiegsspiele den Sprung in die Oberliga. Die aktive Mannschaft sicherte sich überlegen die Meisterschaft in der Landesliga und stieg erstmals in der Vereinsgeschichte in die Verbandsliga auf.

Seit die Vision von Vorstand Sport Hermann Schuster von einer Optimierung und gezielten Nachwuchsförderung vor über 20 Jahren umgesetzt wurde, sind immer wieder beim FVL ausgebildete Talente in höhere Spielklassen abgewandert.

Die beiden ersten, die es nach „oben“ geschafft haben waren Julian Schuster und Marco Pischorn, die im Januar 2005 zum VfB Stuttgart gewechselt sind und in der Bundesliga und der Zweiten Liga gespielt haben oder spielen. Schuster ist seit Jahren Kapitän beim SC Freiburg. Es folgten Robin Schuster, der über den VfB Stuttgart II und den SC Freiburg II bei der SG Sonnenhof Großaspach gelandet ist und zum Ablauf der Vorsaison beim Drittligisten seine Karriere beendet hat. Auch Benedikt Röcker wechselte einst nach Großaspach, zog weiter zum VfB Stuttgart und von dort zur Spvgg Greuther Fürh. Derzeit spielt Röcker beim dänischen Spitzenklub Bröndby IF. Aber auch andere wie Peter Wiens, Manuel Sanchez oder Alexander Götz , die beim aktuellen Oberliga-Zweiten 08 Bissingen spielen, oder vor ihnen Eugenio Del Genio (derzeit beim VfB Neckarrems), Francesco Prisco oder Fabian Dietz genossen die Ausbildung beim FVL.

Auch Trainer haben das Sprungbrett FV Löchgau genutzt. So wurde der VfB Stuttgart II auf Walter Thomae aufmerksam, der nach Jahren als Co-und Cheftrainer der zweiten Mannschaft jetzt als Sportlicher Leiter des Nachwuchszentrums tätig ist. Erfolgreiche Arbeit als Coach liefert Andreas Lechner beim Oberligisten FSV 08 Bissingen ab. Er begann seine Trainerkarriere beim FVL. Zur laufenden Saison holte Drittligist Großaspach Evangelos Sbonias als Co-Trainer in den Fautenhau. Sbonias begann als Coach der zweiten Mannschaft des FVL und war danach erfolgreich mit der ersten Mannschaft mit dem Aufstieg in diesem Jahr in die Verbandsliga als Krönung.

Erneut hat der 800 Mitglieder umfassende Klub, einer der größten reinen Fußballvereine im Sportkreis Ludwigsburg, sein bewährtes Rezept angewendet und setzt bei den beiden aktiven Herrenmannschaften mit Thomas und Simon Herbst sowie Erkan Olgun und Patrick Müller auf Trainer aus dem eigenen Bereich. Dieses Konzept greift auch wieder bei den Frauen in der Regionalliga, die mit Stefanie Schuster als Trainerin erfolgreich sind wie seit Jahren nicht mehr. Schuster führte den FVL einst in die Zweite Liga.

Mit diesen prominenten Namen, die es im Fußball weit gebracht haben, sowie den Erfolgen im Nachwuchs- und Aktivenbereich lässt es sich als Verein leichter damit umgehen, talentierte Spieler zu bekommen. Auch ohne große finanzielle Anreize.  Doch bis es so weit war und sich der FVL einen Namen als besonderer Ausbildungsverein mit lizenzierten Trainern gemacht hatte, war viel Aufwand nötig. „Es war eine Knochenarbeit, Jugendliche zu gewinnen und in jeder Altersklasse mindestens zwei Mannschaften im Spielbetrieb zu haben, und um über Jahrzehnte das hohe Niveau zu halten“, erinnert sch Werner Schlenker an die Anfänge, als man im Verein umgedacht und eine neue Richtung eingeschlagen hatte.  „Unser Kapital ist die Jugend. Ohne sie können wir auch im Aktivenbereich unser Niveau nicht halten“, sagt der Teamleiter Kommunikation beim FVL.

Zur Philosophie gehört auch, nicht nur den außergewöhnlichen Nachwuchstalenten eine sportliche Heimat zu bieten, sondern, wie Schlenker betont, allen Kindern, die Spaß am Fußball haben. „Auch sie sollen beim FV Löchgau spielen“, so das langjährige Vorstandsmitglied. Mit den 17 Jungen-, drei Mädchen-, zwei Herren-und zwei Frauenmannschaften sowie einem Seniorenteam sind die Kapazitäten auf dem Sportgelände in Löchgau längst ausgeschöpft. Nach jahrelangen Bemühungen erhält der Verein, der sich am Bau beteiligt, derzeit ein zusätzliches Kunstrasenspielfeld an Stelle des Rasenspielfeldes. Während der Bauzeit trainieren die Aktiven(nur dienstags), die Frauen und ein paar Jugendteam im Nachbarort Freudental.

Bei der Hauptversammlung im Juni 2016 verabschiedeten die Mitglieder einstimmig das neu aufgelegte Jugendkonzept 2020, das die Identifikation mit dem Verein stärken und die Grundlage bilden soll, das Leistungsniveau zu halten. Es soll aber auch als Richtlinie für die Weiterentwicklung im Jugendbereich und im Verein dienen. „Es beinhaltet auch neue Trainingsinhalte für Trainer und Betreuer“, berichtet Schlenker. Diese sind laut dem Konzept die Schlüsselfiguren bei der Umsetzung der Ziele und sollen ebenso engagiert wie qualifiziert sein. Das Konzept sieht Leitlinien vor, deren Achtung vor dem sportlichen Erfolg stehen sollen. Dazu gehören Fairness und Toleranz im Umgang, Disziplin, Pünktlichkeit und Leidenschaft, Spaß und Begeisterung, Respekt vor kulturellen und sozialen Unterschieden sowie eine Eigenverantwortung für schulische und berufliche Ausbildung. Der Verhaltenskodex enthält Punkte wie Fairplay, Ehrlichkeit, Offenheit, Teamfähigkeit sowie Begeisterung und Einsatz für die Mannschaften. Diese Vermittlung sowie die Einhaltung stehen entsprechend des Konzepts im Mittelpunkt des Handelns beim FVL. Genau definiert sind im Jugendkonzept 2020 auch Trainingsinhalte und -ziele pro Altersstufe, sowie ein exaktes Anforderungsprofil für Trainer und Betreuer.

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