Fußball Arzt drückt beiden Klubs die Daumen

Teamarzt Dr. Simeon Geronikolakis ist im Derby befangen.
Teamarzt Dr. Simeon Geronikolakis ist im Derby befangen. © Foto: Helmut Pangerl
Bietigheim-Bissingen / Daniel Haug 04.11.2017

Wer mit Dr. Simeon Geronikolakis spricht, merkt schnell, mit wie viel Leidenschaft der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie seinen Beruf ausübt. Doch mit Blick auf das Oberliga-Derby an diesem Samstag schlagen zwei Herzen in seiner Brust. Denn der Sportmediziner ist sowohl beim SGV Freiberg als auch beim FSV 08 Bissingen als Teamarzt tätig. „Ich bin sehr nah an beiden Mannschaften dran, freue mich und leide mit beiden“, sagt Dr. Geronikolakis, der seit Juli 2015 in Ludwigsburg praktiziert und relativ schnell die medizinische Betreuung der Freiberger Fußballer übernahm. Wenige Monate später folgte auch eine Anfrage der Bissinger. „Dass ich für beide Teams zuständig bin, ist für keinen ein Problem. Ich rede viel mit den Jungs und spüre da keine übertriebene Rivalität“, berichtet der Arzt, der schon unmittelbar nach Abschluss seines Medizinstudiums begann, Sportler zu betreuen.

In den vergangenen Jahren war er als Arzt unter anderem beim VfB Stuttgart, am Olympiastützpunkt Stuttgart und beim Württembergischen Fußballverband (WFV) tätig. Aktuell ist er neben Freiberg und Bissingen auch für die Drittliga-Handballer des SV Kornwestheim, die Oberliga-Fußballer der TSG Backnang, und die deutsche U 18 zuständig. Zudem hat Geronikolakis das sogenannte Vereinsarzt-Konzept entwickelt, zu dem inzwischen über 30 Amateurvereine zählen, denen er als Ansprechpartner mit medizinischer Betreuung zur Seite steht.

Wie Geronikolakis’ Arbeit bei den Oberligisten aussieht, verdeutlicht der Fall Michael Deutsche. Der Stürmer riss sich im Training unmittelbar nach seinem Wechsel von Freiberg nach Bissingen die Achillessehne. „Ich habe nach dem Training einen Anruf bekommen, dass sich Michi verletzt hat. Er kam dann noch abends um 22 Uhr in die Praxis. Ich habe ihn untersucht, die Diagnose gestellt und alles in die Wege geleitet, sodass er schon am nächsten Tag operiert werden konnte“, berichtet der Arzt, der im stetigen Austausch mit Spielern und Trainerteam steht. Den Physiotherapeuten kommt dabei eine große Bedeutung zu. „Sie sind mein verlängerter Arm vor Ort und informieren mich ständig über die aktuellen Behandlungen“, sagt Geronikolakis, der gerne jeden Tag bei den Vereinen wäre und sowohl Profi als auch Amateur mit viel Expertise und Leidenschaft behandelt: „Ich möchte für eine gute Sportbetreuung sorgen, um die Ausfallzeit des Spielers möglichst kurz und gleichzeitig das Wiederverletzungsrisiko möglichst gering zu halten. Dazu gehören auch die Bereiche Verletzungsprophylaxe, Ernährung und Psychologie.“

Dabei ist Geronikolakis stets mit dem Herzen dabei: „Die Arbeit macht mir Spaß, deshalb nimmt man sie nicht als Stress wahr. Zudem bekommt man von den Sportlern auch so viel zurück.“ Und so hat auch der Mediziner einen Anteil am Erfolg der Freiberger und Bissinger Fußballer, denen er noch viel zutraut. „Beide haben das Potenzial, oben anzugreifen.“ Am Samstag wird sich Geronikolakis zwischen den Auswechselbänken platzieren, um für beide Seiten ansprechbar zu sein. „Da ich am Sonntag mit der deutschen U-18-Nationalmannschaft nach Zypern fliege, würde ich im Verletzungsfall sofort handeln und die Verletzung abklären“, erklärt er.

Ein Derbytipp ist dem doppelten Mannschaftsarzt nicht zu entlocken. „Das ist wie, wenn man eine Mutter fragt, welches ihrer Kinder sie lieber mag.“ Wie es nach dem letzten Spieltag aussehen soll, weiß der Mediziner aber schon: „Am liebsten wären mir beide Teams auf den Plätzen eins und zwei.“

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