Fußball „Heiß muss ich im Derby keinen mehr machen“

Der Ex-Freiberger Marius Kunde trägt das Bissinger Trikot voller Stolz und hat seinen Wechsel nicht bereut.
Der Ex-Freiberger Marius Kunde trägt das Bissinger Trikot voller Stolz und hat seinen Wechsel nicht bereut. © Foto: Julia Rahn
Bissingen / Andreas Eberle 05.09.2018

Im Wasenstadion steigt an diesem Mittwoch (18 Uhr) das Oberliga-Nachbarschaftsduell zwischen dem SGV Freiberg und dem FSV 08 Bissingen. Dabei trifft Marius Kunde mit der Bruchwald-Elf auf seinen Ex-Klub. Im Interview spricht der 23-jährige Torjäger über die besondere Brisanz dieses Spiels, die neue Rolle als 08-Kapitän und die Bissinger Aufstiegsambitionen.

Wie ist es um Ihre Anspannung vor dem ersten Kräftemessen in dieser Saison zwischen Freiberg und Bissingen bestellt?

Marius Kunde: So ein Derby ist immer ein besonderes Spiel – gerade auch für mich, da es gegen den Ex-Verein geht. In Freiberg kenne ich noch viele Leute – Betreuer, Trainer, Spieler und die Menschen aus dem Umfeld. Ich freue mich sehr auf dieses Duell.

Das vergangene Derby hat Bissingen im Mai gegen den SGV mit 6:1 gewonnen. Und am Samstag kam Freiberg beim SSV Reutlingen mit 0:4 unter die Räder. Rechnen Sie wegen dieser Resultate mit einem besonders aggressiven Gegner?

Ich glaube, die Freiberger haben nach dem 1:6 aus der Vorsaison auf jeden Fall noch eine Rechnung mit uns offen. Und nach der Niederlage in Reutlingen wird ihr Trainer Ramon Gehrmann sicherlich noch einmal Feuer reinlassen. Ich rechne mit einem sehr aggressiv geführten Spiel.

Beim letzten Mal haben Sie nach einem Tor demonstrativ das Bissinger Vereinswappen auf dem Trikot geküsst. Einige Freiberger haben diese Geste als Provokation empfunden. Verstehen Sie deren Ärger?

Mich interessiert nicht, ob sich da manche provoziert gefühlt haben oder verärgert waren. Ich spiele jetzt für Bissingen und bin am Bruchwald glücklich. Ich fühle mich als Nullachter, deshalb habe ich damals auch auf das Wappen gezeigt. So etwas kommt halt aus einem raus, wenn man ein Tor macht und jubelt. Da sind eben Emotionen dabei.

Würden Sie das noch einmal tun?

Ja.

Muss man sich als Spieler in so einem Prestigeduell selbst immer etwas zügeln?

Man darf keinesfalls übermotiviert in ein Derby gehen. Sonst verkrampft man vielleicht, und dann läuft plötzlich nichts mehr. Wir haben aber genug erfahrene Spieler in der Mannschaft und werden schon das richtige Maß finden. Vor dem Spiel bilden wir immer einen Kreis, und dann sage ich als Kapitän etwas, aber ich muss am Mittwoch keinen mehr heiß machen.

Erstmals führen Sie das 08-Team in einem Derby als Kapitän an. Was bedeutet Ihnen die Binde, die Trainer Alfonso Garcia Ihnen vor der Saison gegeben hat?

Es ist eine Riesenehre, dass ,Alfo’, das Team und der Verein mir das Vertrauen geschenkt haben. Ich merke, dass die ganze Mannschaft hinter mir steht, und werde hier super wertgeschätzt. Es freut mich, dass ich mit meinen 23 Jahren schon eine Mannschaft auf den Platz führen darf. Das ist jedes Mal ein geiles Gefühl.

Und wie wollen Sie das Vertrauen zurückzahlen?

Am liebsten natürlich mit vielen Toren. Ich habe mir vorgenommen, immer voranzugehen, immer alles zu geben und immer ein Vorbild zu sein. Und wenn es bei mir persönlich nicht laufen sollte, werde ich trotzdem alles versuchen, damit es zumindest bei der Mannschaft läuft – und meine Mitspieler anstacheln.

Zehn Punkte und drei Kunde-Tore – wie fällt Ihr erstes Fazit nach vier Oberliga-Spieltagen aus?

Damit kann man ganz zufrieden sein. Aber jetzt liegt der Fokus auf dem Freiberg-Spiel. Da gilt es, weiterzumachen.

Beim Lokalrivalen vom Wasen ging der Saisonstart dagegen schief – wie schon vor einem Jahr.

In Freiberg hat man immer großen Druck. Wenn man das erste Spiel nicht gleich 3:0 gewinnt, wird von oben gleich draufgehauen. Vielleicht hat das mit einer falschen Selbstwahrnehmung oder Selbsteinschätzung zu tun. Aber auch in der vergangenen Saison ist der SGV immer besser geworden. Ich hoffe, dass wir nicht der Gegner sind, bei dem der Freiberger Knoten platzt.

Sie haben fünf Jahre für den SGV gespielt. Welches Verhältnis haben Sie zu den dort handelnden Personen – Fußballer, Trainer, Funktionäre?

Mit Ramon Gehrmann habe ich noch immer ein Topverhältnis. Er war ja damals schon in der Jugend beim VfB mein Trainer. Mit Spielern wie Spetim Muzliukaj und Hakan Kutlu bin ich auch noch gut im Kontakt – und mit Betreuer Mustafa Günbele.

Den Weggang aus Freiberg haben Sie noch nie bereut?

Nein, auf keinen Fall. Der Wechsel nach Bissingen war für mich der beste Schritt. Dort bin ich erst zu einem richtigen Führungsspieler geworden. Ich würde alles noch einmal so machen.

Die vergangene Oberliga-Runde schloss Bissingen als Fünfter hinter dem drittplatzierten SGV ab. Warum werden die Nullachter am Saison­ende diesmal vor Freiberg stehen?

Weil wir diesmal die ganze Runde voll durchziehen werden und auch gleich am Anfang die Punkte holen. Im vergangenen Jahr hatten wir da eine kleine Schwächephase. Wir gucken von Spiel zu Spiel und wollen jeden Gegner schlagen – und auch beide Derbys gewinnen. Dann sind wir vor Freiberg.

Und auch auf einem Aufstiegsplatz?

Das wird man sehen. Es spielen viele gute Mannschaften in der Liga – wie zum Beispiel der Bahlinger SC, den man auf der Rechnung haben muss. Und die Kickers darf man auch noch nicht abschreiben.

Viele Experten trauen Ihnen den Sprung in ein Profiteam zu. Warum haben Sie den Wechsel in eine höhere Spielklasse bisher nicht gewagt?

Mir ist es vor allem wichtig, dass ich mich bei einem Verein wohl fühle. Wenn ich ein Angebot annehmen würde, müsste das schon von einem richtigen Profiverein kommen. Es lohnt sich nicht, eine Liga höher zu gehen und dann keinen Job mehr machen zu können. Momentan mache ich ja noch eine Ausbildung. Das Gesamtpaket muss passen.

Zur Person: Marius Kunde

Seit der Saison 2016/2017 stürmt Marius Kunde für den FSV 08 Bissingen in der Oberliga. Davor trug der 1,70 Meter große Angreifer drei Jahre das Trikot des SGV Freiberg. Den Wasen-Klub verließ er nach dessen Abstieg in die Verbandsliga. Bereits als Junior kickte Kunde im Aktivenbereich für Heimerdingen in der Landesliga. In der Jugend spielte er von 2004 bis 2011 für den VfB Stuttgart, es folgten zwei B-Jugend-Jahre in Freiberg. Beim FSV 08 steht Kunde, der aktuell noch eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann macht, noch bis 30. Juni 2019 unter Vertrag. ae

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