Juniorenfußball Was macht wahre Sieger aus?

Ehingen / Helen Weible 28.08.2018

Pizza gab’s zur Belohnung für alle. Die unter 15-jährigen Fußballer und Fußballerinnen der TSG Ehingen schlugen sich beim McDonald’s Cup gegen die Jung-Stars namhafter Klubs hervorragend. Trainer Stefan Scherb jedenfalls hatte an der Seitenlinie mitgelitten und eine regelrechte, emotionale Achterbahnfahrt mitgemacht. Denn als Coach kann er nur geringfügig einwirken auf die jungen Kicker – vielmehr „müssen sie selbst erkennen, was sie können“. Und so ist es auch geschehen. In dieser Lehrstunde, einem „Riesenerlebnis“, haben sie es geschafft. „Wir und die Kids sind sehr glücklich über Platz sieben“, sagten Scherb und Turnier-Organisator Thomas Javornik unisono. Nicht Letzter zu sein und einen Sieg gefeiert zu haben, ist eine tolle Bilanz für den Gastgeber.

Ohne gelernte Torhüter stellten sie sich zunächst dem Turnier-Neuling und Finalisten Stuttgarter Kickers und gingen mit 0:3 vom Platz. „Blockiert“ vom Respekt vor dem FC Bayern München handelte sich die TSG dann ein 0:9 ein. Aber an dieser Aufgabe begannen die meisten zu wachsen. „Was macht wahre Sieger aus“, fragte Scherb sein Team. Die Antwort lautet: Aufstehen, weitermachen, nachsetzen. Und diese Anwort wurde zur Freude des Trainers im dritten Gruppenspiel gegen den Titelverteidiger 1. FC Nürnberg auf dem Platz gebracht. Das Ergebnis von 0:5 mochte etwas täuschen, „aber die Vorgabe wurde erreicht“, lobte Scherb, der noch einen 1:0-Sieg sehen durfte. Seine Schützlinge waren an ihrer Aufgabe „mental gereift“. Das sollte beibehalten werden, wenn am 15. September der Liga-Alltag in der Landesstaffel losgeht.

FCB statt VfB olé

Turniersieger FC Bayern startet auch am 15. in die Regionalliga-Saison und ließ zur keiner Zeit Zweifel aufkommen, dass der Pott nach München kommt. Der Sieger von 2007 und 2008 erzielte insgesamt 17 Tore. Vor den Augen von Scouts und prominenten Eltern setzte sich vor allem einer aus der Münchner Talentschmiede in Szene: Lucas Copado, Sohn des ehemaligen Bundesliga-Profis Francisco Copado, glänzte mit feinem Ballgefühl und ausgeprägtem Zug zum Tor. Nicht von schlechten Eltern, also genauer gesagt von FCB-Ex-Torhüter Tom Starke, präsentierte sich auch Sohnemann Nick Starke.

Etwas geknickt waren die Jungs vom VfB Stuttgart. Jeder hätte den neunfachen Cup-Sieger fürs Endspiel getippt, doch wie VfB-Nachwuchstrainer Markus Fiedler richtig feststellte, „hat dieser Jahrgang nichts mit den ehemaligen zu tun“. Eine große Bürde für diese Spielergeneration trotz allem. Doch der Knackpunkt lag ebenfalls in den Köpfen des Bundesliga-Nachwuchses. In der Gruppenphase waren sie mit glatten Siegen durchmarschiert und letztlich im Halbfinale an bissigeren Kickers gescheitert. „Hier haben wir die nötige Gier vermissen lassen“, analysierte Fiedler. Diese 0:1-Niederlage schmerzte dem Rekordsieger. Wobei wir wieder am Anfang wären: Aus Niederlagen lernt ein Fußball-Schüler eben am meisten.

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