Fußball Türkgücü Ehingen ficht Urteil an

Helen Weible 09.05.2018

Mit Fußball hat das alles wenig zu tun. Ein Spiel der Kreisliga A1 am 8. April zwischen dem VfL Munderkingen und dem TSV Türkgücü Ehingen musste abgebrochen werden, weil Provokationen zwischen Zuschauern Überhand nahmen und die Situation beim Spielfeld zu eskalieren drohte. Der junge Schiedsrichter Christian Bischoff hatte die Polizei zu Hilfe geholt. Auch wenn an diesem fragwürdigen Tag niemand zu Schaden kam, beschäftigen diese Vorfälle nach wie vor die Munderkinger Beamten, wie ein Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ulm bestätigte.

Was oder wer war Auslöser?

Am 3. Mai veröffentlichte das Bezirks-Sportgericht Donau nach einer Kammersitzung ein Urteil, vor allem zu Lasten des Gästevereins Türkgücü Ehingen. Neben 230 Euro Strafe inklusive Verfahrenskosten wird das Spiel 0:3 verloren gewertet, Munderkingen werden drei Punkte in der Tabelle gut geschrieben. Außerdem ist der TSV-Spieler, der in der 60. Minute eine Rote Karte sah, bis Ende September gesperrt. Zeki Aslan ist laut Angaben von Abteilungsleiter Ferdi Mavis seit diesem Vorfall nicht mehr im Team. Er habe angeboten, gänzlich aufzuhören, um „der Mannschaft keine weiteren Schaden mehr zuzufügen“. Intern habe man sich längst friedlich geeinigt. Mavis erzürnt jedoch insbesondere ein Passus in der Urteilsbegründung. Hier heißt es: „...Spieler Aslan ist durch sein Verhalten eindeutig der Auslöser des Spielabbruchs“. Er habe die Stimmung „angeheizt“. Mavis bezeichnet dieses Urteil als „unschlüssig und schlecht recherchiert“. Denn bei den Tumulten seien keine Türkgücü-Anhänger involviert gewesen, im Gegenteil, der TSV sei „angegriffen“ worden. Außerdem werde im Urteil festgehalten, dass es keine „neutralen Zeugen“ gab. Mavis kenne aber genau solche und werde sich mit deren Stellungnahmen an das Verbands-Sportgericht in Stuttgart wenden. Die Aussichten auf Erfolg mit diesem Einspruch schätzt Mavis als gering ein. „Eine absolute Fehlleistung der sportlichen Legislative“ könne man so aber nicht hinnehmen.

Vonseiten Munderkingen und Manager Felix Schelkle „ist der Fall erledigt“. Man habe schon genug geredet und geschrieben über dieses Spiel. Der Schiedsrichter habe richtig entschieden und das Urteil sei nun gesprochen worden. Gleichermaßen musste der VfL akzeptieren, dass ein Spieler der zweiten Mannschaft, der in den Tumulten handgreiflich geworden war, eine Sperre von sechs Spielen erhielt. Nachdem die polizeilichen Zeugenbefragungen noch nicht abgeschlossen sind, geht das Trauerspiel also noch in die Verlängerung.