Novi Sad feiert ersten Cup-Erfolg

SVEN KOUKAL 11.01.2016
Das gab es beim internationalen Vereins-Service-Cup in Munderkingen noch nicht: Zum ersten Mal sicherte sich mit dem FK Vojvodina Novi Sad ein nicht-deutschsprachiges Team den Turniersieg.

Die Völkerverständigung beim 19. internationalen Fußballturnier, dem Vereins-Service-Cup, zwischen den 31 Mannschaften aus ganz Europa und den zahlreichen Zuschauern in der Munderkinger Halle funktionierte prächtig. Keinen der vielen Gäste hielt es auf den Sitzen, praktisch die ganze Halle feierte am Ende des zweitägig Turniers sich und den präsentierten Fußball. "Wir sind Europa", fasste Hallensprecher Uwe Illich bei der Siegerehrung stolz zusammen. "Genau so war es dann auch im europäischen Finale."

Zum ersten Mal in der langen Turniergeschichte sicherte sich eine nicht-deutschsprachige Mannschaft den Titel, obwohl der Rekordsieger FC Luzern knapp dran war: Im Finale stand der fünffache Titelträger aus der Schweiz der serbischen Mannschaft FK Vojvodina Novi Sad gegenüber. In ihrer erst zweiten Cup-Teilnahme gelang den Serben die Überraschung.

Das Endspiel in der prall gefüllten Halle bleibt den Organisatoren und Zuschauern sicherlich in Erinnerung, denn bis zum Ende hielten die Kontrahenten die Spannung hoch. "Das war eines der spannendsten Finale der letzten Jahre. Es war hochklassig und dramatisch", sagte Mithelfer Simon Schelkle beeindruckt.

Dabei rollte das Finalspiel zwischen Luzern und Novi Sad langsam an. Nach einer ersten Abtastphase waren es Novi Sads Vukasin Krstic, der mit einem der sehenswertesten Tore in diesem Turnierverlauf für die Führung sorgte. Fünf Meter vor dem Anspielkreis, in der eigenen Hälfte stehend, hebelte das junge Talent den Ball über Mitspieler und den gegnerischen Torwart hinweg hinein ins Glück. Für den Kunstschuss erhielt der Spieler tosenden Applaus.

Keine Minute später gelang Teamkollege Aleksander Rac der Ausbau der Führung, und das obwohl Novi Sad kurz zuvor in Unterzahl geriet. "Unglaublich, aber wahr", bestätigte Hallensprecher Illich. Luzern zeigte sich konsterniert, ob des schnellen Rückstands. Erst drei Minuten vor Schluss lieferten die Schweizer mit einem direkt verwandelten Freistoß nahe des Tores durch Amir Kozavac eine erste Trotzreaktion. Diese jedoch kam zu spät. Das Spiel unter der Leitung von Schiedsrichter Daniel Traub blieb dennoch bis zur letzten Sekunde offen und damit spannend. Am Ende änderte sich am Spielstand von 2:1 nichts mehr.

Der 1169 Kilometer weite Weg und die lange Anreise mit dem Reisebus machte sich demnach für Novi Sad bezahlt. Die Serben marschierten durch den Cup mit nur wenigen Rückschlägen. Halbfinalgegner FSV Mainz, der noch vor zwei Jahren strahlender Sieger war, konnte sich der Mannschaft nicht in den Weg stellen und verlor mit 1:3. Lediglich im Viertelfinale gegen den CFR Cluj zitterten die späteren Sieger. Nach torlosen zehn Minuten setzt sich Novi Sad am Ende mit 5:3 im Neunmeterschießen durch.

Ein ähnliches Schicksal ereilte den Finalisten Luzern im Halbfinale. Gegen den FC Schalke 04 landeten zahlreiche Versuche vom Punkt am Aluminium. Nur einmal rollte der Ball für die Schweizer für das entscheidende 2:1 über die Linie.

Vor der Neuauflage des Bundesliga-Klassikers Schalke gegen Mainz im "kleinen Finale", heizten die Cheerleader "Golden Stars" aus Uttenweiler dem Publikum ein. Im Spiel um Platz drei siegten im Anschluss die Knappen mit 2:1 und landeten somit noch knapp auf dem Treppchen.

Für die hiesigen Teams reichte es nicht für die Endrunde, selbst in der Zwischenrunde fand sich nur der gesetzte Gastgeber VfL Munderkingen wieder. Für die restlichen zehn Mannschaften endete das Turnier nach der Gruppenphase vorzeitig. Für sie bleiben der Trost und die Erinnerung an ein international erstklassig besetztes Turnier. Stark aus regionaler Sicht war die SGM Schelklingen, die den Einzug in die Zwischenrunde denkbar knapp verpasste. Aber auch namhafte Teams wie Bayern München und Titelverteidiger SG Eintracht Frankfurt hatten gestern wenig zu bestellen. Der FC Bayern schied schon nach der Vorrunde aus.

Insgesamt als bester Torwart des Cups wurde Edin Buzo (Skola Mladih Talenata, Bosnien und Herzegovina) mit einem Pokal prämiert, die Auszeichnung für den besten Feldspieler ging an Ufuk Birdal (Altinordu Izmir, Türkei).

Begeistert über die Stimmung in der Halle zeigte sich Organisator Felix Schelkle: "Am Samstag schon war die Halle komplett voll, auch heute gibt es keinen freien Platz mehr. Das freut mich sehr." Zuspruch fand der "Turnier-Vater" bei Bürgermeister Michael Lohner. "Eine Gegentribüne, das wäre heute nicht schlecht gewesen angesichts der vielen Zuschauer", resümierte der Schultes bei der Siegerehrung.

Die Freude über den neuen, großen Vier-Säulen-Pokal war ebenfalls riesig. Nicht nur der Sieger, sondern die ersten 16 Mannschaften erhielten als Preis einen Pokal. "In der für Europa schwierigen Zeit, ist das tolle Miteinander, welches wir alle an diesem Wochenende erfahren haben, keine Selbstverständlichkeit", lobte der Bürgermeister.