Fußball Wie die Spatzen ihre Torhüter wieder aufbauen

Ulm / Gerold Knehr 07.12.2018

Nach der Bundesliga-Begegnung gegen den SV Werder Bremen hatte Manuel Baum Tränen in den Augen. Nicht wegen der 2:3-Heimniederlage seines FC Augsburg am vierten Spieltag Ende September. Vielmehr rührte den FCA-Trainer das Schicksal seines Torhüters. Fabian Giefer, der in den Begegnungen zuvor schon schlecht ausgesehen hatte, patzte böse. Was Baum, der in seiner aktiven Zeit trotz seiner nur 1,69 Meter Größe selbst Torhüter war, emotional sehr mitnahm. „Es steht ein Mensch im Tor, um den er mir unglaublich leid tut“, sagte Baum nach Giefers vorläufig letztem Spiel in der Bundesliga, wo nur die Leistung zählt. Seitdem steht Andreas Luthe im Kasten der Fuggerstädter.

Ähnlich wie Baum ging es nach den letzten beiden Begegnungen seinem Kollegen Holger Bachthaler beim Regionalligisten SSV Ulm 1846 Fußball. Beim 0:2 vor zwei Wochen im Spitzenspiel gegen den SV Waldhof patzte Stammkeeper Christian Ortag nach einer Rückgabe. Eine Woche später in Balingen war es Ulms Torhüter Nummer zwei, David Hundertmark, der in einer nahezu identischen Situation äußerst schlecht aussah und damit ein weiteres 0:2 einleitete.

Wie Baum fand auch Bachthaler tröstende Worte für die beiden Pechvögel unter den Spatzen. „Beide wissen, dass sie Fehler gemacht haben. Aber die sind auch schon anderen unterlaufen“, sagt der Ulmer Coach und setzt mit Bestimmtheit nach: „Wir haben kein Torhüterproblem!“

Der im Sommer von den Stuttgarter Kickers zum SSV 46 gestoßene Ortag hat in der ersten Saisonphase gerade auch in den DFB-Pokalbegegnungen gegen Eintracht Frankfurt und Fortuna Düsseldorf  bewiesen, dass er ein guter Torhüter ist. Zuletzt bereitete eine Platte, die ihm nach einen Schlüsselbeinbruch vor eineinhalb Jahren implantiert wurde, schmerzliche Probleme. Die Stelle hat sich entzündet, in der nächsten Woche soll die Platte entfernt werden. Um die OP, die bei einer weiteren Schwellung nicht möglich wäre, nicht zu gefährden, kommt ein Einsatz am Samstag (14 Uhr, Donaustadion) im letzten Spiel des Jahres gegen den FK Pirmasens nicht in Frage.

Deshalb wird wie in Balingen David Hundertmark im Tor stehen. Während der zwei Jahre ältere Ortag eine plausible Erklärung für seinen Patzer hat, hat der 21-Jährige schwerer an der Situation zu knabbern. Eine halbe Spielzeit hatte er auf seine Regionalliga-Chance gewartet – und dann diese Premiere.

„Er hat beim SV Grödig in Österreich eine sehr gute Runde gespielt und hat auf seinen ersten Einsatz Tag für Tag hingearbeitet. Bei der Szene vor dem 0:1 in Balingen hatte er zwei, drei Gedanken im Kopf. Er soll sich auf das Torhüterspiel konzentrieren und das Risiko mit dem Ball am Fuß meiden“, rät ihm der Cheftrainer. „Er soll sich den Mund abwischen und den Blick nach vorne richten“, lautet der Ratschlag von Torhüter-Trainer Holger Betz. Er sehe die drei Torhüter – der erst 19-jährige Jerome Weisheit  ergänzt das Trio – täglich im Training. „Alles sind gute Jungs. Ohne David hätte es in Balingen nach einer halben Stunde 0:3 stehen können“, stärkt die Ulmer Torhüter-Legende seinem Schützling Hundertmark vor dessen erstem Spiel im Donaustadion am Samstag den Rücken.

Betz-Comeback ist kein Thema

Ulms Torhüter-Legende Holger Betz hat im vergangenen Sommer nach 25 Jahren beim SSV Ulm 1846 Fußball seine aktive Laufbahn beendet. Auch wenn sein Spielerpass für den Notfall noch beim Verein hinterlegt ist, müsste viel passieren, dass es zu einem Comeback kommt. „Da müssten sich schon alle drei Torhüter verletzen“, schließt Trainer Bachthaler eine Rückkehr nahezu kategorisch aus.

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