SSV Ulm 1846 Fußball Vier Gründe für die Wende

Der am Boden liegende Dreieicher Dominic Rau stochert den Ball zum 2:2 über die Torlinie. Vorne jubelt Vitalij Lux.
Der am Boden liegende Dreieicher Dominic Rau stochert den Ball zum 2:2 über die Torlinie. Vorne jubelt Vitalij Lux. © Foto: Rene Weiss/Eibner
Dreieich / Gerold Knehr 08.10.2018

Einer Achterbahnfahrt gleich kam das 2:2 des Regionalliga-Tabellenzweiten SSV Ulm 1846 Fußball beim Schlusslicht SC Hessen Dreieich. Obwohl mit Luigi Campagna, Ardian Morina (beide gesperrt) und Kapitän Florian Krebs (krank) drei wichtige Spieler fehlten, begannen die Gäste im Dreieicher Hahn Air Sportpark stark. Doch das Stürmerduo Steffen Kienle (3., 31.) und Vitalij Lux, der mit einem Pfostentreffer (29.) Pech hatte, vergab hochkarätige Torchancen. „Wenn wir 1:0 oder 2:0 geführt hätten, wäre das Spiel ganz anders verlaufen“, sagte Trainer Holger Bachthaler.

Im zweiten Durchgang ging es für die Ulmer abwärts. Den Spatzen entglitt das Spiel, so dass das Schlusslicht, das  weit stärker auftrat als es sein Tabellenplatz vermuten ließ, die Initiative übernahm und durch Tino Lagator (70./79.)  mit 2:0 in Führung ging – und für Ulmer Magengrimmen auf der Achterbahnfahrt sorgte.

Das Team von Ex-Profi Rudi Bommer, das am siebten Spieltag den damaligen Tabellenzweiten FC Homburg  geschlagen hatte, hatte ein Deja-vu-Erlebnis, sprich seinen zweiten Saisonsieg, dicht vor Augen. Allerdings hatten die Hessen mit vier Dingen nicht gerechnet: Mit der unbändigen Moral ihrer Gäste, die trotz scheinbar aussichtsloser Lage einfach nicht aufgeben wollten – und den Ulmer Einwechselspielern Thomas Rathgeber, Aron Viventi und Vinko Sapina.

Rathgeber nutzte in der 83. Minute einen Foulelfmeter – Schiedsrichter Andreas Reuter hatte nach einer Strafraumattacke an Adrian Beck erst nach einem kurzen Zögern gepfiffen –  mit einem Schuss halbhoch rechts sicher zum Anschlusstreffer. Sechs Minuten später stach Joker Nummer zwei, Aron Viventi. Seinen gefährlich in den Strafraum kommenden Schuss fälschte Dreieichs langer Verteidiger Dominic Rau ins eigene Netz ab – und brachte damit Viventi bereits zum zweiten Mal in dieser Woche um einen Treffer. Beim 5:2 im WFV-Pokal beim TV Oeffingen hatte Ulms Verteidiger Lukas Hoffmann einen Viventi-Schuss abgefälscht und den Teamkollegen um einen Treffer gebracht.

Viel Arbeit und eine Idee

Am meisten gefeiert von den 40 mitgereisten Ulmer Fans wurde allerdings Vinko Sapina, der nach seinem Kreuzbandriss in der Schlussphase erstmals wieder bei einem Punktspiel am Ball war. Er war an beiden Angriffen, die zum Tor führten beteiligt. Das 2:2 leitete er mit einem Solo, bei dem er drei SC-Spieler aussteigen ließ und dann auf Viventi passte, in starker Manier ein. „Es war ein Duell im Mittelfeld, ich bin durchgekommen und habe Aron gesehen“, untertrieb er seinen Part an der Entstehung des Endresultats.

Die vergangenen elf Monate seit seinem Kreuzbandriss Ende Oktober, in der es immer wieder Rückschläge gegeben habe, seien die schwerste Zeit in seinem Leben gewesen, sagt Sapina. „Ich bin froh, dass ich die Geduld nicht verloren habe und dass diese Scheißzeit jetzt endlich vorbei ist“, freut sich  der Mittelfeldspieler. „Meine Familie und Freunde haben mir viel Halt gegeben“, so der 23-Jährige. Nach den knapp 60 Minuten in Oeffingen hatte er leichte Belastungsschmerzen im Knie gespürt, die zehn Minuten in Dreieich hat das Knie klaglos überstanden. „Körperlich bin ich fit, aber 90 Minuten kann ich noch nicht  spielen. Ich hoffe in den nächsten Wochen auf möglichst viele Kurzeinsätze.“

Das 2:2 in Dreieich sieht Rückkehrer Sapina nicht als Rückschlag. „Gemessen am Spielverlauf war es sicherlich ein glücklicher Punkt. Betrachtet man die Anfangsphase, waren es zwei verlorene Punkte. Ich sehe sehr viel Potenzial in der Mannschaft, im Kader haben wir viel mehr Qualität als im letzten Jahr. Mit dem zweiten Tabellenplatz haben sicherlich nicht viele gerechnet. Das ist nicht nur Glück, dahinter stecken sehr viel Arbeit – und eine Idee.“

Das könnte dich auch interessieren

So spielten sie

Hessen Dreieich – SSV Ulm 1846

2:2

SSV Ulm 1846 Fußball: Ortag  - Bradara, Hoffmann, Schindele, Schmidts – Reichert – Gutjahr (80. Sapina), Beck, Nierichlo (72. Viventi) – Kienle (80. Rathgeber), Lux.
Tore: 1:0, 2:0 Lagator (70., 79.), 2:1 Rathgeber (83./Foulelfmeter), 2:2 Rau (89./Eigentor).
Gelbe Karten: Amiri – Sapina.
Gelb-Rot: Pezzoni (90.+5).
Schiedsrichter: Reuter (Heidelberg).
Zuschauer: 551.  

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel