Fußball Stubersheim: Von der Lachnummer zum ernsthaften Kandidaten

Detlef Groninger 15.09.2018

Tobias Steinbach ist leidensfähig. Der vom Innenverteidiger zum Rechtsaußen umfunktionierte Fußballer des Kreisliga B/Alb-Klubs SSC Stubersheim hatte mit seinen Mannschaftskameraden jahrelang Hohn und Spott der Konkurrenz ertragen müssen. Zudem ist er als Fan und sogar Dauerkarteninhaber für den Stehblock des Bundesligisten Hannover 96 auch Kummer gewöhnt.

Doch derzeit hat sich sowohl bei seiner großen fußballerischen Liebe (Vater und SSC-Vorsitzender Michael Steinbach kommt aus Hannover) im Profibereich wie auch beim früheren sportlichen Kanonenfutter im Bezirk der Wind gedreht. Fünf Partien ohne Niederlage sind vor dem Spitzenspiel morgen (15 Uhr) beim ebenfalls noch ungeschlagenen FC Langenau ein absolutes Neuland für den Klub aus dem 360 Einwohner großen Ortsteil der Gemeinde Amstetten.

„Hinsichtlich meiner Gefühlslage bin ich quasi in meine Juniorenzeit zurückversetzt worden“, gesteht der 25-jährige IT-Systemkaufmann aus Blaubeuren. Beim dortigen TSV hatte er als Nachwuchskicker sogar in der Landesstaffel gespielt. Nach einer Innenbandverletzung im Knie hatte er dann allerdings ein Jahr pausiert. Und war dann von Thomas Nagel, einem Arbeitskollegen seines Vaters und bis zum Ende der vergangenen Saison A-Junioren-Trainer in Stubersheim, wieder für das runde Leder begeistert worden. „Das sind einfach 38 Kilometer Fahrtstrecke von Blaubeuren. Ich war aber gerade 18 geworden, hatte meinen Führerschein und konnte so viel herumfahren“, erinnert er sich an seinen Wiedereinstieg als Kicker.

Dort erlebte er sportlich aber zunächst einen Kulturschock. Vor der Saison 2011/2012 hatte der Großteil der Mannschaft dem Klub den Rücken zugekehrt. „Wir hatten nur noch sieben Spieler“, sagt Abteilungsleiter Andreas Schimpf. Es wurde alles, was Beine hatte und die Kickstiefel schnüren konnte, aktiviert, sogar der damalige Schatzmeister und heutiges Vorstandsmitglied Georg Hezler hielt im Alter von 54 Jahren noch die Knochen hin. „Ohne diese Leute würde es den SSC Stubersheim heute nicht mehr geben. Wir haben am Anfang in den Spielen aber ziemlich auf die Fresse bekommen“, bekennt Steinbach.

In den 30 Partien setzte es 29 teilweise richtige deftige Pleiten und nur einen Sieg bei einem Torverhältnis von 15:267. Das Katastrophenjahr wurde überstanden und mit der Zeit stießen die Talente aus dem Nachwuchsbereich hinzu. Der SSC stellt den jüngsten Kader der Liga mit einem Altersschnitt von knapp 22 Jahren.

Die Initialzündung für den derzeitigen Höhenflug gab im Oktober 2017 aber der Einstieg des neuen Trainers Hannes Freundorfer, der schon in den Juniorenabteilungen des SC Geislingen und 1. FC Heidenheim tätig war. „Er hat es geschafft, den Zusammenhalt in der Mannschaft zu fördern. Er macht ein anspruchsvolles Training und überfordert uns auch nicht. Er hat unseren Nerv getroffen“, lobt Steinbach. „Wir haben 23 Spieler im Training. Jeder wird zur Höchstleistung angetrieben, weil ihm ein Konkurrent im Nacken sitzt.“

Und nur Steinbach selbst, Mittelfeldregisseur Markus Hönig (mit 32 Jahren der einzige Ü-30-Akteur), Daniel Demuth und Andreas Deissenrieder haben ihre ersten fußballerischen Gehversuche nicht in Stubersheim absolviert. Trotz der ungewohnten Vorzeigebilanz bleiben die Kicker demütig. Steinbach: „Wir wissen, wo wir herkommen. Wir sind mit einem einstelligen Tabellenplatz zufrieden.“

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