Ulm SSV Ulm 1846 Fußball: Trainer Stephan Baierl tritt zurück

Hört als Trainer beim SSV Ulm auf: Stephan Baierl.
Hört als Trainer beim SSV Ulm auf: Stephan Baierl. © Foto: Eibner
Ulm / Armin Grasmuck und Gerold Knehr 15.08.2017
Nach mehr als drei Jahren tritt der Cheftrainer beim Regionalligisten SSV Ulm 1846 Fußball, Stephan Baierl, zurück.

Paukenschlag bei den Spatzen: Cheftrainer Stephan Baierl hat hingeschmissen. Nach dem Fehlstart in die Regionalliga-Saison mit drei Niederlagen in drei Partien bat der Cheftrainer des SSV Ulm 1846 Fußball am Dienstag die Klubverantwortlichen um die sofortige Auflösung seines Arbeitsvertrags, der eigentlich bis zum Ende dieser Spielzeit datiert war.

„Wir sind mit drei Niederlagen in die neue Saison gestartet, das kann nicht unser Anspruch sein.“, so ließ sich Baierl in einer schriftlichen Nachricht, die der Verein am Abend verschickte, zitieren – seinen Rücktritt begründete er wie folgt: „Wir haben intensive Gespräche geführt, mit der sportlichen Leitung, mit dem Mannschaftsrat, mit dem Team, und wenn ich das Gefühl habe, dass ich der Mannschaft nicht mehr die nötigen Impulse geben kann, dann möchte ich als letztes an meinem Trainerstuhl und meinem Posten kleben.“

Wenig inspirierte Auftritte

Baierls abruptes Ende war die Konsequenz auf die kritische Lage, in der er sich mit seiner Mannschaft gebracht hatte. Nach dem abermals enttäuschenden Auftritt beim 1:2 am Samstag im Heimspiel gegen die Offenbacher Kickers, der sich nahtlos an die über weite Phasen wenig inspiriert bis desolat wirkenden Duelle mit Saarbrücken (1:4) und der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart (4:5) reihte, schrillten in der Cheftage der mit großen Ambitionen in die Saison gestarteten Spatzen die Alarmglocken. Die Vertreter aus dem Vorstand, Anton Gugelfuß, Roland Häußler und Thomas Oelmayer, gingen in stundenlangen Gesprächen mit dem Trainer, dem sportlichen Leiter Lutz Siebrecht und der gesamten Mannschaft in die Tiefenanalyse der sportlichen Misere. Am Ende schienen den Klubchefs, aber auch Baierl selbst davon überzeugt, dass die Trennung selbst zu diesem frühen Zeitpunkt der Spielzeit die sinnvollste Lösung darstellt.

„Mir liegt dieser Verein und das Team zu sehr am Herzen, aber vielleicht ist nach über drei erfolgreichen Jahren die Zeit auch reif für eine neue Führungsperson, für neue Reize und Impulse“, so versuchte es Baierl zu erklären:  „Ein gewisser Verschleiß und Abnutzungserscheinungen sind in so einer langen Phase einfach nicht von der Hand zu weisen.“ Tatsächlich schien der Zugriff des Trainers auf seine Mannschaft seit geraumer Zeit beschränkt gewesen zu sein.

Bereits in der zweiten Hälfte der vergangenen Saison wussten die Ulmer nur selten zu überzeugen. Baierls Spielphilosophie schien begrenzt und ausgereizt zu sein. Es fiel auf, dass ihm die Ideen und die Varianten fehlten, eine vermeintlich verlorene Partie noch ins Positive zu wenden. Oft ließ das Feuer und die Leidenschaft, mit der es speziell in den entscheidenden Momenten des Spiels von der Seitenlinie aus Einfluss zu nehmen gilt, vermissen.

Verdienste um den Verein

Die Verdienste, die sich Baierl  für den SSV 46 – er übernahm sein Amt 2014 in der schwierigsten Phase der Klubgeschichte und führte die Spatzen unter widrigsten Umständen in die vierte Liga – erworben hat, sollen von der jüngsten Talfahrt unberührt bleiben. „Ich hoffe, dass meine ungewöhnliche Maßnahme nun die gewünschte Wirkung hat. Es müssen jetzt Siege, Punkte und eine neue positive Stimmung her“, sagte er am Abend.

„Wir alle sind Stephan wirklich sehr, sehr dankbar“, sagte Sportvorstand Gugelfuß. „Wir haben allerhöchste Achtung vor ihm, vor dem, was er für den Verein geleistet hat, bis hin zu dem Schritt, wie er selbst die aktuelle Lage bewertet hat.“

Bachthaler und Scharinger Kandidaten?

Die Suche nach einem Nachfolger von Stephan Baierl wollen die SSV-Chefs mit Ruhe und Weitsicht angehen. Laut Gugelfuß wurden noch keine Gespräche mit potenziellen Kandidaten geführt. Interesse soll an Holger Bachthaler, dem Ex-Trainer des FV Illertissen, bestehen. Der 42-Jährige hat allerdings erst vor vier Wochen seine Arbeit bei der Nachwuchsakademie von RB Salzburg begonnen. Konkret wollte sich Bachthaler am Abend nicht äußern. „Grundsätzlich ist der SSV 46 eine interessante Aufgabe“. Gehandelt wird auch der Name Rainer Scharinger. Der Ulmer Ex-Profi war am Samstag im Donaustadion.

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