SSV Ulm 1846 Fußball SSV Ulm 1846 Fußball hadert mit seiner ungeschickten Abwehr

Volkan Celiktas verursachte ­einen Foulelfmeter.
Volkan Celiktas verursachte ­einen Foulelfmeter. © Foto: Eibner
Offenbach / Winfried Vogler 04.12.2017
Ein paar ungeschickte Abwehraktionen bringen den Fußball-Regionalligisten SSV Ulm 1846 Fußball in Offenbach um den Sieg. Wieder einmal hieß es: Gut gespielt, und doch verloren.

Auch mit gehörigem Abstand war Tobias Flitsch nicht schlauer. Inwiefern es ihn störe, wurde der SSV-Coach nach der bitteren 1:3-Niederlage auf dem Bieberer Berg gegen die Offenbacher Kickers gefragt, dass seine Mannschaft nun schon zum dritten Mal in Folge nach einem Auswärtsauftritt so viel Lob erhalten habe, aber keine Punkte geholt hätte. „Das ist sehr bitter. Grundsätzlich hätte ich natürlich lieber weniger Lob erhalten, dafür aber einen oder drei Punkte mitgenommen“, beteuerte Flitsch. „Wir haben ein leidenschaftliches Spiel gezeigt und gutes Zweikampfverhalten bewiesen. Es wäre so einfach gewesen, hier zu punkten“, haderte der 37-Jährige mit dem Spielverlauf. Hätte, hätte, Fahrradkette.

Doch Fußball wird nun mal nicht im Konjunktiv gespielt. Auch deshalb waren sämtliche Nachfragen, was denn möglicherweise, vielleicht, eventuell passiert wäre, wenn es nicht diese verhängnisvolle 54. Minute gegeben hätte, als Volkan Celiktas mit einem unmotivierten Foul im Strafraum das 1:0 der Gastgeber heraufbeschwor, wenig zielführend. „Da muss er einfach wegbleiben“, bewertete Flitsch den Zweikampf, der zum Strafstoßtor für Offenbach führte.

Auch nach dem Rückstand überzeugte der SSV 46 mit einer taktisch guten Leistung, bereitete dem Aufstiegsaspiranten durch frühes Attackieren, energischem Gegenpressing und Entschlossenheit viel mehr Probleme, als dem lieb war. Der Ausgleich durch einen Kopfballtreffer von Michael Schindele (75.), seinem ersten Saisontor, war längst überfällig. Doch für Leidenschaft erhält man dummerweise keine Punkte, nicht mal für „ein über weite Strecken gutes Spiel“, befand Flitsch. „Es sind Kleinigkeiten, die ein solches enges Spiel entscheiden.“

Denn ein weiteres Mal agierte seine Abwehr alles andere als souverän und begünstigte mit einer Unkonzentriertheit die erneute Offenbacher Führung (84.). „Solche Fehler kosten der Mannschaft Punkte, und deshalb stehen wir auch auf einem Tabellenplatz, der unseren Ergebnissen entspricht“, redete Flitsch Klartext. „Verloren ist verloren“, philosophierte Abwehrmann Schindele und brachte das Dilemma mit einer Binsenweisheit auf den Punkt: „Wir können uns jetzt auch nichts dafür kaufen, dass wir gut gespielt haben“, sagte der Torschütze und beanstandete: „Wir bekommen viel zu einfach die Gegentore.“ Johannes Reichert, der das Duell der besten Freunde gegen Florian Treske verlor, pflichtete bei: „Es ist bitter, wenn wir immer mit leeren Händen dastehen und man zu hören bekommt: Ihr habt aber gut gespielt.“

Die hartnäckige Verweigerung der Ulmer, all diese Lobhudeleien sich zu eigen zu machen, könnte im schlimmsten Fall direkt zum nächsten fetten Lob führen: Denn offenbar hat der SSV 46 verstanden, dass auch das Schönreden von Niederlagen keine Punkte bringt. 0:1 gegen Mannheim, 1:2 gegen Saarbrücken und jetzt 1:3 gegen Offenbach: „Daraus müssen wir Lehren ziehen“, fordert Lutz Siebrecht. Der Sportliche Leiter erwartet nun drei Punkte im letzten Heimspiel des Jahres an diesem Samstag (14 Uhr) gegen Schott Mainz.

So spielten sie

Kickers Offenbach - SSV Ulm 1846 Fußball

3:1

SSV 46: Betz - Bradara, Reichert, Schindele, Nierichlo (86. Michel) – Kienle, Morina, Celiktas (68. Kücük), Bagceci (78. Graciotti) - Rathgeber, Braig.
Tor: 1:0 Hodja (54./Foulelfmeter),
1:1 Schindele (75.), 2:1 Akgöz (84.),
3:1 Marx (90. +2).
Gelbe Karten: Schulte – Nierichlo, Celiktas, Bagceci, Kienle, Morina.
Schiedsrichter: Kessel (Norheim).
Zuschauer: 4203.