Fußball Sport vor 50 Jahren: Der besondere Kick

Ein toller Hecht, der Torhüter des FC Bayern und der Nationalmannschaft: Sepp Maier begeisterte die Fans – auch in Ulm.
Ein toller Hecht, der Torhüter des FC Bayern und der Nationalmannschaft: Sepp Maier begeisterte die Fans – auch in Ulm. © Foto: dpa
Ulm / Wolfgang Scheerer 26.07.2018

Schwörmontag vor 50 Jahren. Auch sportlich ein Vergnügen: „Das hat es schon lange nicht mehr in Ulm gegeben. 16 000 Zuschauer füllten die Ränge des Stadions. Der Magnet hieß FC Bayern München“, war mit einer Mischung aus Freude und Wehmut in der SÜDWEST PRESSE zu lesen. Schließlich war auch  an der Donau lange erstklassiger Fußball gespielt worden – in der damaligen Oberliga Süd. Die SWP berichtete weiter: „Der vorjährige Europapokalsieger enttäuschte die Fans, die aus nah und fern gekommen waren, nicht. Mit 8:1 (3:0) Toren gewannen die Münchner, die bis auf Nationalspieler Roth in Bestbesetzung antraten, das Freundschaftsspiel gegen den SSV Ulm.“

Wahrscheinlich war schon der 23-jährige Torhüter allein sein Geld wert: Sepp Maier, die „Katze von Anzing“, war auf und neben dem Rasen immer für einen Spaß gut. Apropos Geld. „Mit der Verpflichtung des FC Bayern“, schrieb die SWP weiter, „ging der SSV ein Risiko ein, stand doch eine fünfstellige Garantiesumme auf dem Spiel. Aber die Begegnung brachte den Beweis, dass die Ulmer Fußballfreunde ins Stadion kommen, wenn ihnen erstklassiger Sport garantiert wird.“ Dieser letzte Satz hat bis heute seine Gültigkeit: Zum DFB-Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt werden 17 000 Fans erwartet . . .

Stark gelitten hat die Tradition der Schwör­­montagsspiele. Schon zum wiederholten Mal gab’s dieses Jahr keinen besonderen Kick für die Fans. Am 22. Juli vor 50 Jahren wurde die Partie nach dem „Nabada“ um 17.30 Uhr angepfiffen. Es war für damalige Verhältnisse wirklich ein Spektakel.

Und es war Musik drin: In der Pause riss die Band der 7. US-Army die Zuschauer mit. Außerdem trat die Züricher Knabenmusik im Stadion auf. Und nach dem Spiel? Die SWP: „Danach findet das traditionelle Schwörmontagsschaulaufen der Rollsportabteilung von Ulm 1846 auf der Bahn am Kleinen Heim statt.“ Die Fußballer des einstigen Oberligaklubs TSG 46 spielten mittlerweile in der 2. Amateurliga, viertklassig wie heute die Spatzen.

 Für den FC Bayern war es übrigens das erste Testspiel. Während der neue Trainer Niko Kovac mit seinem Team aktuell auf Werbetour durch die USA ist, endete der Horizont damals früher. Die Mannschaft von Zlatko „Tschik“ Cajkovski (1923 – 1998) kam gerade aus dem Trainingslager in der Sportschule Grünwald. Parallele am Rande: Cajkovski stammte aus Zagreb, der heutigen kroatischen Hauptstadt. Kovac, gebürtiger Berliner, ist ebenfalls Kroate. Trotz seiner Größe von gerade 1,64 Metern (der Spitzname „Tschik“ bedeutet angeblich Zigarettenstummel) brachte es Cajkovski auf 55 Länderspiele für Jugoslawien (zuvor 1943/44 zwei für Kroatien), Kovac kommt auf 83 Einsätze für Kroatien.

 „Tschik“ Cajkovski formte damals die ganz Großen: Franz Beckenbauer, in Ulm als Libero zu sehen, zählte ebenso dazu wie Stürmerstar Gerd Müller. Dennoch waren die Bayern 1968 nur Bundesliga-Fünfter geworden – hinter dem 1. FC Nürnberg, Werder Bremen, Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln.

Auch der Meister zu Gast

Tatsächlich hatten die Ulmer den deutschen Fußball-Meister nur fünf Tage später zu Gast: Die Anziehungskraft der „Clubberer“ aus Franken war jedoch nur halb so groß wie die der Münchner Bayern. 8000 Zuschauer kamen ins Stadion. Nach der knappen Niederlage titelte die SWP dann freilich glücklich: „So gut hat der SSV schon lange nicht gespielt. Erst sechs Minuten vor Schluß 1:0 für den Club“.

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