Reutlingen Spatzen: Zwei verlorene Punkte

Reutlingen / GEROLD KNEHR 19.10.2015
Zweimal führte der SSV Ulm 1846 Fußball beim Oberliga-Derby in Reutlingen. Am Ende mussten sich die technisch überlegenen Spatzen jedoch mit einem 2:2 begnügen - und fühlten sich als Verlierer. Mit Videos der Partie.

2:2 im Oberliga-Derby beim SSV Reutlingen - an und für sich ist das für den SSV Ulm 1846 kein schlechtes Resultat. Doch nach den 90 Minuten im Stadion an der Kreuzeiche fühlten sich die Spatzen allesamt als Verlierer - angefangen von Präsident Anton Gugelfuß über Trainer Stephan Baierl bis zu den Spielern. "Das waren zwei verlorene Punkte", brachte Gugelfuß die allgemeine Stimmungslage im Ulmer Lager zum Ausdruck.

Der SSV 46 Fußball war über weite Phasen der Begegnung das technisch reifere Team, hatte auch in der Schlussphase das Geschehen weitgehend im Griff, ging zweimal in Führung - und musste sich am Ende doch mit einem Remis begnügen. "Wir fühlen uns wie Verlierer", sagte Abwehrchef Florian Krebs.

Die Ulmer waren in der Defensive mit vier gelernten Innenverteidigern angetreten. Krebs und Michael Passer spielten zentral defensiv, Stefan Hess und Benjamin Sturm auf den Außenbahnen - Baierl hatte Anleihen bei Bundestrainer Joachim Löw gemacht, der in den ersten WM-Spielen 2014 ebenso gehandelt hatte.

Trotz dieser auf dem Papier her recht defensiven Ausrichtung entwickelte sich schnell eine muntere und durchaus ansehnliche Oberliga-Begegnung, in der die Ulmer nach einer guten Viertelstunde in Führung gingen. Der bärenstarke Denis Werner flankte von der linken Seite in den Strafraum in Richtung Bastian Heidecker. Der wurde von Reutlingens Innenverteidiger Ivans Gomis attackiert, und von dessen Bein kullerte der Ball zum Ulmer 1:0 ins Netz. Reutlingens Torhüter Matthias Hamrol war offenbar von der unübersichtlichen Situation irritiert, er sah in dieser Szene nicht gut aus.

Die Gäste schienen das Spiel im Griff zu haben, umso überraschender daher neun Minuten später der Ausgleich. Marc Golinski bezwang mit einem Diagonalschuss Ulms Keeper Holger Betz.

In den nächsten Minuten zeigten die Ulmer Wirkung und agierten nicht mehr so sicher wie zuvor. Dennoch hätten sie mit einer Halbzeitführung in die Kabine gehen können. Doch Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck übersah in der 40. Minute ein klares Foul an David Braig im Strafraum. "Ein klarer Elfer", ereiferte sich Braig.

In der 70. Minute gingen die Spatzen erneut in Führung. Bastian Heidecker bediente Denis Werner mit einem Pass durch die Schnittstelle der Reutlinger Abwehr, und Werner ließ sich die Chance zur 2:1-Führung nicht entgehen.

Wieder schien Ulm die Sache im Griff zu haben - bis zur 85. Minute. Aus einer Standardsituation für Ulm entwickelte sich ein Konter, den Golinski mit seinem zweiten Treffer an diesem Abend zum 2:2 abschloss. Die Reutlinger waren in der Chancenverwertung einfach effektiver als die Spatzen.

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Derby ohne jegliche Zwischenfälle

Alles ruhig Das Oberliga-Derby zwischen den beiden SSVs aus Reutlingen und Ulm verlief am Sonntagabend ausgesprochen ruhig. Die Reutlinger Fangruppe Szene E verzichtete, weil sie bei diesem Sicherheitsspiel von ihrem gewohnten Platz von der Haupttribüne auf die Gegengerade verbannt wurde, auf jegliche akustische Unterstützung. So hatten die 250 mitgereisten Ulmer im Gästeblock die Oberhand. Sie empfingen die Spatzen mit einem Plakat mit der Aufschrift "In meinem Herzen wirst du immer sein". 90 Minuten lang begleitete der Ulmer Block das Spiel mit Gesängen. Im Stadion gab es anders als vor einem halben Jahr an selber Stelle keinerlei unliebsame Zwischenfälle. "Schön, dass alles so ruhig geblieben ist", so freute sich Ulms Präsident Anton Gugelfuß.