Fußball SSV Ulm 1846 Fußball verliert gegen Mainz

Hoch hinaus wollten Vitalij Lux (links) und die offensiv eingestellten Ulmer in Mainz – und fielen tief.
Hoch hinaus wollten Vitalij Lux (links) und die offensiv eingestellten Ulmer in Mainz – und fielen tief. © Foto: Uli Scherbaum/Eibner
Ulm/Mainz / Gerold Knehr 14.09.2018
Eine Stunde lang spielten die Spatzen beim FSV Mainz 05 II richtig gut mit. Und gehen in der Schlussphase mit 1:4 baden. Nicolas Jann attackiet den Schiedsrichter und sieht Rot.

Sie spielten eine Stunde lang wie Ritter ohne Furcht und Tadel. Lange Zeit machte der SSV Ulm 1846 Fußball am Samstagabend in der Regionalliga-Begegnung bei der zweiten Mannschaft des Bundesligisten FSV Mainz 05 einen guten Eindruck. Am Ende jedoch brachen alle Dämme, und die Spatzen mussten mit dem 1:4 (0:0) die höchste Niederlage in dieser Saison einstecken. Da waren die zuvor so tapferen Ulmer zur Ritter von der traurigen Gestalt geworden, die vergeblich gegen Windmühlen kämpften.

Nicht nur die eindeutige Pleite schmerzte. Nach dem Treffer zum 1:3 lagen bei manchen die Nerven blank. Bei Nicolas Jann etwa, der sich mit Schiedsrichter Julius Martenstein anlegte, ihn offenbar rempelte – und dafür die Rote Karte sah.

Vor einer Woche beim 1:0 gegen Astoria Walldorf war der frühere Illertisser Jann noch der Akteur des Spiels gewesen, als er bei seinem ersten Punktspieleinsatz für den SSV 46 Fußball in der Schlussphase den Siegtreffer erzielte. In seiner zweiten Begegnung für die Spatzen wurde der 26-Jährige zum bösen Buben.

Was war passiert? Die Ulmer waren der Meinung, dass dem spielentscheidenden 1:3 durch den eingewechselten Jannik Mause  (86.) ein Foul an Adrian Beck vorausgegangen war. Jann wollte dies dem Referee verklickern – und schoss über’s Ziel hinaus, indem er Martenstein körperlich attackierte. Der sah in dieser Aktion eine Unsportlichkeit – und schickte Jann eine Viertelstunde nach dessen Einwechslung mit der Roten Karte vom Rasen.

Kaltschnäuzigkeit fehlt

Spätestens jetzt war die Begegnung entschieden, deren Endresultat nicht dem Spielverlauf im Mainzer Bruchwegstadion entsprach. Der SSV 46 spielte mit den technisch starken Mainzern mit, es entwickelte sich eine flotte Begegnung, in der die Ulmer eine Stunde lang leichte Vorteile hatten.

Allerdings zeigten sich bereits zu diesem Zeitpunkt auch Ulmer Schwäche. Die bestanden zum einen in der fehlenden Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor, das vom deutschen U-20-Nationalkeeper Finn Gilbert Dahmen gehütet wurde. So verpasste beispielsweise Vitalij Lux in aussichtsreicher Position eine Hereingabe von rechts knapp (15.) – das hätte das 1:0 sein können, vielleicht sogar müssen.

Nach einer guten halben Stunde spielte sich Adrian Beck durch die gegnerischen Reihen, blieb aber am letzten Mainzer, der sich ihm in den Weg stellte, hängen. Auch da hätte mehr rausspringen müssen.

Bei allem Eifer und spielerischer Potenz, welche die hoch stehenden und früh attackierenden Ulmer mit ihrem kräftezehrenden Spiel an den Tag legten, fielen auch in dieser Phase bereits Unzulänglichkeiten auf. Oftmals fehlte es den gut gemeinten Aktionen an Präzision. Wie beispielsweise bei Florian Krebs. Der Spatzen-Kapitän hatte nicht seinen besten Tag und fiel durch einige unkonzentrierte Aktionen auf. Vor dem 0:2 durch den Mainzer Leon Bell Bell (77.) wurde Krebs überlaufen.

Zehn Minuten zuvor hatte Sandro Loechelt mit einem Flipper-Sololauf – der Ball schien wie bei der Glücksmaschine immer wieder vor seine Füße zu prallen – das Mainzer 1:0 erzielt.

Die Ulmer gaben nicht auf und kamen durch Steffen Kienle, der den Ball mit einem satten Schuss aus halblinker Position im Netz versenkte, in der 86. Minute zum 1:2-Anschlusstreffer. Sollte also doch noch etwas gehen?

Nein, stattdessen wurden die letzten Minuten zum Fiasko. Mauses 3:1, die Rote Karte für Jann und schließlich der Blattschuss des Mainzer Torjägers Karl-Heinz Lappe besiegelten das 4:1-Endresultat, das die Nerven aller Beteiligten strapaziert hatte – auch die des Trainers. „Wir sind Woche für Woche der Arroganz der Schiedsrichter ausgeliefert. Wenn er schon jeden Zweikampf von Luigi Campagna abpfeift, muss er auch vor dem 1:3 einschreiten“, ließ sich der Ulmer Coach zu einer Schiedsrichter-Schelte hinreißen.

Fakt ist: Die Ulmer zeigten eine Stunde lang eine gute Leistung, ohne jedoch die nötige Effizienz beim Torabschluss zu finden. In dieser Hinsicht hatten die Mainzer klare Vorteile. Sie schenkten den Ulmern, die in ihren ersten acht Regionalliga-Begegnungen dieser Saison nur sechs Gegentreffer kassiert hatten, vier Tore ein. So fühlten sich die Spieler des SSV 46 wie einstens Don Quijote: Als Ritter der traurigen Gestalt, die vergeblich gegen Windmühlen angekämpft hatten.

So spielten sie

FSV Mainz 05 II – SSV Ulm 1846

4:1

SSV Ulm 1846 Fußball: Ortag – Bradara, Krebs, Reichert, Schmidts – Beck, Campagna, Nierichlo (80. Gutjahr) – Kienle, Lux (73. Rathgeber), Morina (75. Jann).
Tore: 1:0 Loechelt (67.), 2:0 Bell Bell (77.), 2:1 Kienle (86.), 3:1 Mause (88.)., 4:1 Lappe (90.).
Gelbe Karten: Bell Bell, Ößwein - Reichert, Schmidts.
Rote Karte: Jann (88.) wegen Unsportlichlkeit.
Schiedsrichter: Martenstein (Cölbe).
Zuschauer: 598.

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