DFB Pokal gegen Frankfurt SSV Ulm 1846 Fußball: Gugelfuß rechnet mit 200.000 Euro Einnahmen

Ein Sportvorstand mit Visionen: Anton Gugelfuß hat mit den Spatzen – im Rahmen des Machbaren – noch viel vor.
Ein Sportvorstand mit Visionen: Anton Gugelfuß hat mit den Spatzen – im Rahmen des Machbaren – noch viel vor. © Foto: Langer / Eibner-Pressefoto
Ulm / Gerold Knehr 17.08.2018
Interview mit Anton Gugelfuß, Sportvorstand des SSV Ulm 1846 Fußball, über den Pokalhit gegen Eintracht Frankfurt und der Bedeutung für die Zukunft des Vereins.

Vier Jahre hat Anton Gugelfuß Aufbauarbeit beim SSV Ulm 1846 Fußball geleistet. Vor dem Pokalhit am Samstag (15.30 Uhr/Donaustadion) gegen Frankfurt blickt der Sportvorstand in die Zukunft. Und erklärt, weshalb ein neues Fußballstadion für den Verein unumgänglich ist, wenn er im Profibereich mitspielen möchte.

Der Start in die Fußball-Regionalliga ist gelungen, mit Frankfurt kommt im Pokal ein großer Gegner. Sind Sie ein momentan glücklicher Vorstand?
Anton Gugelfuß:
Grundsätzlich sind wir alle im Verein derzeit sehr zufrieden. Sportlich läuft es, der Verein entwickelt sich gut, wir stehen wirtschaftlich mit einer ordentlichen Bilanz da. Derzeit können wir also nicht klagen.

Kann das Pokalspiel diesen Trend beschleunigen?

Wir sind durch ein glückliches Los zu dieser Begegnung gekommen, das ordnen wir sehr realistisch ein. Der Alltag in der Regionalliga wird uns schnell wieder einholen. Wir wollen dort oben mitspielen.

Wie viel Potenzial steckt  im Ulmer Fußball?

Ulm ist traditionell eine Fußballstadt. Dass der Virus weiter da ist, sieht man daran, dass das Stadion innerhalb kurzer Zeit ausverkauft war. Natürlich wünscht man sich in Ulm, dass man wenigstens in der Dritten Liga ankommt. Bis dahin ist noch viel Arbeit aller im Verein notwendig. Aber wir sind auf einem ordentlichen Weg.

Was wird gegen Eintracht Frankfurt finanziell herausspringen?

Zehn Prozent der Einnahmen gehen an den DFB, der Rest wird unter den Vereinen aufgeteilt. Ich gehe davon aus, dass uns am Ende etwas über 200 000 Euro bleiben.

Das ist welcher Anteil am Gesamtetat für die laufende Saison?

Grob acht Prozent, schätze ich.

Wie hat der Verein für die Sicherheit der Zuschauer gesorgt?

Im Stadion ist der Verein verantwortlich, außerhalb die Polizei. Das Sicherheitskonzept ist klar mit der Stadt und der Polizei abgesprochen. Der Verein stellt 220 Sicherheitskräfte: 190 gewerbliche und 30 eigene Leute.

Die Lizenzspielerabteilung soll demnächst aus dem Verein ausgegliedert werden. Wir laufen diese Planungen?

Diese Gespräche sind in vollem Gange. Wir waren kürzlich beim befreundeten Verein Jahn Regensburg und haben erfahren, wie es dort gelaufen ist. Mitte September haben wir die nächste Aufsichtsratsitzung. Da schauen wir,  dass wir ein Stück weiter kommen. Wir werden aber nichts übers Knie brechen. Alles muss gut vorbereitet sein.

Stadtrat Reinhold Eichhorn ist mit dem Vorschlag, in Ulm ein reines Fußballstadion zu bauen, vorgeprescht. Hat Sie das überrascht?

Bei meinem Amtsantritt vor vier Jahren war ich überzeugt, dass das Donaustadion den heutigen Ansprüchen immer noch genügt. Inzwischen aber ist mir klar: Wenn Ulm jemals längerfristig wieder Profi-Fußball sehen möchte, dann ist das sicher nicht mehr der Fall. Mit den heutigen Möglichkeiten werden wir im professionellen Bereich nie längerfristig wettbewerbsfähig sein können.

Welche Kriterien muss eine neue Fußball-Arena in Ulm erfüllen?

Andere Vereine generieren allein mit den Einnahmen aus dem Hospitality-Bereich sehr viel Geld, das dauerhaft nicht nur allein von Sponsoren kommen kann, sondert auch erwirtschaftet werden muss. Heidenheim hat zum Beispiel 2650 Hospitality-Plätze, im Mittel kostet dort eine Jahres-Dauerkarte 2750 Euro pro Person und Saison. Man muss diese Zahlen nur mal multiplizieren... Dazu kommt: Die Oststadt verkraftet infrastrukturell den heutigen Profifußball nicht mehr. Der Verkehr bei Heimspielen belastet die Innenstadt, die Parkmöglichkeiten sind teilweise schlicht nicht vorhanden, und auch die Fanproblematik muss heutzutage einfach raus aus der Stadt.

Wo sehen Sie einen möglichen neuen Standort?

Wenn ich mir für den Verein was wünschen dürfte, dann, dass es früher oder später irgendwo im Ulmer Norden – von der Autobahn weit sichtbar – eine schöne kleine Fußball-Arena geben wird.

Was entgegnen Sie Kritikern, die solche Pläne für einen Regionalligisten für überzogen halten?

Die Öffentlichkeit und der Steuerzahler müssen sich keine Sorgen machen. Wir beim SSV Ulm 1846 Fußball sind nach wie vor bodenständig ausgerichtet. Auch die derzeitigen sportlichen Erfolge trüben diesen klaren Blick nicht. Wenn aus kommunaler Sicht Kindergärten oder Schulsanierungen, Straßen- oder Brückenbau vorrangig sind, dann verstehen wir das. Wir werden unsere Brötchen so groß backen, wie dies dann eben möglich ist.

Zurück zum Sportlichen. 2001 gab es einen Pokalcoup, als der fünftklassige SSV 46 Bundesligist 1. FC Nürnberg bezwang? Ist so was wiederholbar?

Die Spieler wären schlechte Sportler, wenn sie nicht ihre Chance suchen würden. Wir gehen nicht ganz hoffnungslos in die Begegnung am Samstag.

Ihr Tipp für das Spiel?

Tippen möchte ich nicht, aber mir etwas wünschen: ein Elfmeterschießen. Wenn wir das gewinnen, wäre ich in der Tat ein sehr glücklicher Vorstand.

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel