Fußball Spatzen-Boom dank DFB-Pokal

Retro-Flair: Beim Pokalhit gegen Eintracht Frankfurt kramten viele Anhänger des SSV Ulm 1846 Fußball ihre Fan-Utensilien aus der Saison 1999/2000 hervor.
Retro-Flair: Beim Pokalhit gegen Eintracht Frankfurt kramten viele Anhänger des SSV Ulm 1846 Fußball ihre Fan-Utensilien aus der Saison 1999/2000 hervor. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Gerold Knehr 29.12.2018

Gäbe es im Eingangsbereich des Donaustadions ein Drehkreuz, hätte es sich im Jahr 2017 bei Spielen des SSV Ulm 1846 Fußball 28 425 Mal gedreht. So viele Zuschauer kamen zu den 17 Heimspielen der Spatzen. In diesem Jahr bestritt der SSV 46 Fußball 21 Heimspiel. Und konnte 68 915 Fans begrüßen. Was ein absolutes Plus von satten 142 Prozent bedeutet.

Der Anstieg ist fast ausschließlich den DFB-Pokalspielen gegen Eintracht Frankfurt und Fortuna Düsseldorf zu verdanken, bei denen das Donaustadion zweimal ausverkauft war – das hatte es seit der Erstliga-Saison 1999/2000 nicht mehr gegeben. Und brachte an zwei Tagen das Bundesliga-Flair in die Stadt zurück.

Einen weiteren emotionalen Höhepunkte im laut Verteidiger Johannes Reichert „überragenden Jahr 2018“ hatte es zuvor im Frühjahr gegeben.  Der 3:0-Sieg gegen den TSV Ilshofen im Stuttgarter Gazistadion im letzten Spiel von Trainer Tobias Flitsch war der erste Sieg im württembergischen Pokal seit 21 Jahren. Er ermöglichte erst die Teilnahme am DFB-Pokal. Der 2:1-Erstrundencoup gegen Titelverteidiger Frankfurt mit den Toren von Steffen Kienle und Vitalij Lux wurde bundesweit mit Erstaunen registriert. Zweitrundengegner Düsseldorf war gewarnt und setzte sich in der zweiten Runde mit 5:1 durch. Im Sommer hatte Holger Bachthaler Flitsch als Trainer abgelöst und den Vorjahres-Neunten zwischenzeitlich bis auf den zweiten Tabellenplatz geführt. Mit hohen Erwartungen gingen die Ulmer in den Hit gegen Spitzenreiter SV Waldhof Mannheim, waren die bessere Mannschaft – und verloren aufgrund öfter zu beobachtender mangelnder Effektivität im Angriff 0:2. „Wir haben im letzten halben Jahr vieles richtig gemacht. Aber wir haben auch noch viel Luft nach oben“, lautet die Zwischenbilanz des ehrgeizigen Fußball-Lehrers.

Auch wenn sich die Ulmer vor der Runde scheuten, den Aufstieg in die 3. Liga als offizielles Saisonziel zu nennen, geht der Blick mittelfristig klar nach oben. Trotz neun Punkten Rückstand auf Tabellenführer SV Waldhof wird der SSV 46 Fußball eine Lizenz für die nächste Drittliga-Saison. „Wir haben die Saison noch lange nicht abgeschrieben“, betont Sportvorstand Anton Gugelfuß. Denn trotz des satten Zuschauerplus’ wird die Regionalliga von den Fans nicht angenommen. Der Aufstieg ist ein Muss, wenn nicht 2019, so aber 2020 oder 2021.

Für das kommende Jahr ist ein anderes Ziel, das Gugelfuß seinem kickenden Personal mit auf den Weg gibt, realistischer: „Wir wollen den WFV-Pokal verteidigen und damit wieder im DFB-Pokal eingreifen“. Die Spatzen sind 2018 auf den Geschmack gekommen.

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