Fußball Schlusslicht spielt mit Spatzen Katze und Igel

Der Moment, der das Spiel entschied: Sven Schmeer (Nr. 7) köpft zum 2:0 ein. Die Ulmer David Braig (11) und Johannes Reichert (5, im schwarzen Trikot) können ihn nicht daran hindern.
Der Moment, der das Spiel entschied: Sven Schmeer (Nr. 7) köpft zum 2:0 ein. Die Ulmer David Braig (11) und Johannes Reichert (5, im schwarzen Trikot) können ihn nicht daran hindern. © Foto: Eibner
Kassel / Gerold Knehr 14.03.2018
Regionalliga-Schlusslicht Hessen Kassel spielte griffiger als der SSV Ulm 1846. Dessen 0:2-Niederlage war daher verdient.

Als sich der SSV Ulm 1846 Fußball am Mittwochabend auf die weite Heimreise von Kassel an die Donau aufmachte, hatte nur ein Spieler mehr im Gepäck als auf der Hinfahrt. In einem spontanen Akt hatte der KSV Hessen vor dem Anpfiff Spatzen-Torhüter Holger Betz – weil dies so ungewöhnlich ist – für seine 25 Jahre währende Vereinstreue beim SSV 1846   geehrt und ihm ein Kasseler Trikot überreicht. Der überraschte 39-Jährige bedankte sich für diese unerwartete Geste artig, räumte aber zwei Stunden  später nach der 0:2-Niederlage der Ulmer beim Tabellenletzten ein: „Ich bin stinksauer.“ Statt des Trikots hätte er tausendmal lieber zumindest einen Punkt mit nach Hause genommen. Doch der war für die Gäste an diesem Abend außer Reichweite.

„Der Gegner war von der Aggressivität und der Laufbereitschaft her viel besser als wir“, räumte Ulms Trainer Tobias Flitsch ein. Seinem Team wollte er keinen Vorwurf machen, es wehrte sich wohl und gab die Partie trotz der Unterlegenheit nie verloren. Allein es fand nicht die richtigen Mittel. So erinnerte der Spiel der Spatzen an das Märchen vom Hasen und dem Igel. Was immer die Ulmer versuchten, wohin sie auch hasenmäßig hinrannten. Irgendein Kasseler Igel zeigte immer den Stachel und schien den Ulmern hämisch zuzurufen: „Ich bin schon da.“

Auf dem schmierigen, tiefen Rasen war ein geordneter Spielaufbau nur schwer möglich. So versuchten es beide Teams zumeist mit weiten Bällen. Mit sehr unterschiedlichem Erfolg. Bei den Ulmern kam das Spielgerät viel seltener an den richtigen Adressaten im Angriff, und falls es doch klappte, ging er schnell wieder verloren. Die Gastgeber hatten eine bessere Passqualität vorzuweisen. Und sie ließen sich den Ball  nicht so einfach wieder nehmen. Insbesondere Sebastian Schmeer erwies sich als Spezialist der Ballbehauptung. Zudem wirkte der Gastgeber, der am vergangenen Wochenende spielfrei war, frischer als die Ulmer.

Beim SSV 46 waren im Vergleich zum 2:1 gegen Elversberg Volkan Celiktas, Tobias Rathgeber und David Braig für die gesperrten Luigi Campagna, Alper Bagceci und den leicht angeschlagenen Ardian Morina in die Startformation gerückt. Nach zehn Minuten lagen die Ulmer bereits mit 0:1 im Rückstand. Ausgangspunkt war ein eigener Einwurf. Der Ball ging verloren, Rechtsverteidiger Tino Bradara verlor das Laufduell gegen Marco Dawid, der mit einem Schuss von halblinks Holger Betz keine Chance ließ. Auch in der Folge tauchte immer mal wieder ein Hesse vor dem Ulmer Keeper auf. Doch entweder parierte der  beste Spatz, so wie gegen Schmeer (23.), oder die Kasseler Angreifer schossen nicht konzentriert genug

Im zweiten Durchgang wollten es die Gäste besser machen. Doch die Pläne waren schnell Makulatur: In der 51. Minute köpfte der beste Mann auf dem Platz, Sebastian Schmeer, den Ball nach einer Ecke präzise in die Maschen. Wiederum war Betz chancenlos.

Erst in der Schlussviertelstunde wurden die Ulmer gegen nun müde werdende Gastgeber überlegen und kamen auch zu einigen, wenngleich nicht gerade hochkarätigen Chancen. Der eingewechselte Morina scheiterte zweimal (75../86.), und auch Winterneuzugang Marcel Schmitt,  der bei seinem ersten Pflichtspieleinsatz für den SSV 46 in der 62. Minute Volkan Celiktas ablöste, vergab (88.).

„Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen. Die Kasseler haben sich viel cleverer angestellt“ , lautete das Fazit von Holger Betz. Daher  waren ihm seine unverhoffte Ehrung und das Kasseler Trikot in seiner Sporttasche kein Trost.

So spielten sie

KSV Hessen Kassel – SSV Ulm 46

2:0

SSV Ulm 1846 Fußball: Betz – Bradara (84. Neziri), Krebs, Schindele, Schmidts – Reichert, Celiktas (62. Schmitt) – Kienle, Rathgeber (71. Morina), Sauter – Braig.
Tore: 1:0 Dawid (10.), 2:0 Schmeer (51.)
Gelbe Karten: Schmik – Sauter (5./nächstes Spiel gesperrt).
Schiedsrichter: Schütz (Worms).
Zuschauer: 1000.

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