Jungingen Rituale als Erfolgsgeheimnis

Lobt den SVJ-Coach in den höchsten Tönen: Marco Kogler.
Lobt den SVJ-Coach in den höchsten Tönen: Marco Kogler. © Foto: Rudi Apprich
Jungingen / DETLEF GRONINGER 24.10.2015
Was alles mit "Kuchen-Doping", einem eingeschworenen Haufen und einem erfahrenen Trainer möglich ist, beweist der SV Jungingen in der Fußball-Bezirksliga. Kapitän Marco Kogler tritt auf die Euphoriebremse.

Beim Fußball-Bezirksligisten SV Jungingen sind Rituale ein Teil des Erfolgsgeheimnisses. Der Besuch des Weinfestes in Bad Mergentheim, des Oktoberfestes in München sowie seit 25 Jahren die viertägige Saisonabschlussfahrt nach Südtirol sind für die Stärkung der Gemeinschaft in jeder Spielzeit ein Muss. Nicht von ungefähr gab es zuletzt keine großen Kaderumwälzungen. Bis auf Neuzugang Sandro Eggert (SC Geislingen) haben 14 weitere Kicker aus dem Stamm der ersten Garnitur eine Vergangenheit in der Juniorenabteilung der Junginger.

Und kurios: Nur Torjäger Eggert selbst und Außenverteidiger Tobias Widmer wohnen in Jungingen. "Wir halten dem Verein alle die Stange", bekräftigt der 29-jährige Mannschaftskapitän Marco Kogler, der mit Frau Julia und dem neunmonatigen Sohn Noah in Illertissen beheimatet ist. "Marco ist seit der Heirat und der Geburt seines Sohnes wesentlich ruhiger geworden. Er war ein Heißsporn", meint Abteilungsleiter Markus Durst. "Er ist inzwischen so etwas wie die Mutter der Mannschaft. Er hat einen sehr großen Stellenwert und ist auch wegen seiner fußballerischen Klasse ein Führungsspieler."

Neben Kogler, der wie sein 19-jähriger Innenverteidiger-Kollege Tim Bärtele früher bei den Junioren des SSV Ulm 1846 gespielt hat, waren Michael Späth, Niklas Ebner und Artur Müller schon beim letzten Bezirksliga-Aufstieg 2008 mit dabei. 2010 ging es dann wieder eine Etage tiefer.

Damals hatte Trainer Klaus Loser die Mannschaft nach zehn Niederlagen zum Saisonstart zwar übernommen, konnte das Kentern des leck geschlagenen Schiffes aber nicht verhindern. "Uns fehlte die Fitness", ließ Marco Kogler kein gutes Haar am Vorgänger von Loser. "Die Mannschaft hatte das Potenzial für die Liga."

Im sechsten Jahr unter Loser gelang dann über die Relegation der große Wurf mit der Rückkehr in die Bezirksliga. "Uns kann nichts Besseres passieren, als einen Trainer wie Klaus Loser zu haben. Er ist menschlich und vom taktischen Bereich her einer der Besten, unter dem ich trainiert habe. Er kennt die Mannschaft in- und auswendig. Beide Seiten profitieren voneinander", lobt Kogler, der beim Amateurfußball-Onlineportal der SÜDWEST PRESSE, fupa.net, im Vertrieb tätig ist.

Und die Spieler selbst verstehen sich auf dem Platz fast blind miteinander. Gewisse Abläufe sind automatisiert. "Wir werden aber nichts mit dem erneuten Aufstieg zu tun haben, auch wenn wir ein eingeschworener Haufen sind", sagt Kogler.

Außerdem wirkt offenbar das "Kuchen-Doping" unterstützend beim derzeitigen Höhenflug auf Platz zwei. Jeden Donnerstag wird ein "schlechter Schütze" auserkoren, der nach zwei Fehlschüssen von der Strafraumgrenze dann am Sonntag vor dem Spiel den Mannschaftskollegen einen selbst gebackenen Appetitanreger kredenzen muss. Kogler: "Kuchen kaufen ist verboten. Sonst kostet das eine Kiste Bier."