Für die Fans der Offenbacher Kickers war der vergangene Montag wie eine Reise in die glorreiche Vergangenheit ihres Klubs. Im ersten Heimspiel der Regionalliga-Saison 2019/20 bebte der einst berüchtigte „Bieberer Berg“ fast wie zu den besten Zeiten. Der neue Vereinspräsident Joachim Wagner hatte die Zuschauer vor dem Anpfiff mit einer flammenden Rede („Wir brauchen eure bedingungslose Unterstützung“) auf die neue Saison eingeschworen. Über 7000 OFC-Fans, überwiegend in den weiß-roten Vereinsfarben gekleidet, setzten den Appell leidenschaftlich um. In der Gänsehaut-Atmosphäre sprang der Funke von den Rängen auf den Rasen über und wieder zurück. Am Ende rang die derart angepeitschte Kickers-Elf den SSV Ulm 1846 Fußball mit 2:0 nieder.

Auch auf die Spatzen wartet ein Fußball-Festtag. In gut einer Woche, am Samstag, 10. August (18 Uhr), kommt Zweitligist 1. FC Heidenheim zur ersten DFB-Pokalrunde ins Donaustadion. Über doppelt so viele Zuschauer wie in Offenbach werden erwartet, ein Großteil der Tickets ist bereits weg, es gibt nur noch Stehplatzkarten. Die Fans erhoffen sich im Derby gegen den Nachbarn, der den Ulmern in den vergangenen Jahren sportlich einteilt ist, ein ähnliches Spektakel wie vor einem Jahr in der ersten Runde gegen den damaligen haushohen Favoriten und Titelverteidiger Eintracht Frankfurt (2:1).

Zuvor bestreitet der SSV Ulm 1846 Fußball allerdings noch am Samstag (14 Uhr) sein erstes Punktspiel der neuen Runde im Donaustadion. Doch irgendwie hatte es den Anschein, als sei die Begegnung gegen die SV Elversberg bei vielen nicht auf dem Radar. Zwar sind dank des Vorverkaufs bei der SÜDWEST PRESSE, bei dem es Kombi-Tickets für die Spiele gegen Elversberg und Heidenheim gab, 1500 Karten für Samstag weg. Doch die 0:2-Niederlage in Offenbach, welche die Spatzen-Anhänger live bei Sport1 verfolgen konnten, hat der bis dahin spürbaren Euphorie einen Dämpfer versetzt. Besondere Aktionen zum Saisonauftakt hat der SSV 46 jedenfalls nicht geplant.

Euphorie gedämpft

„Wir haben in Offenbach nicht die Durchschlagskraft und Power gehabt, die nötig gewesen wären“, räumte Holger Bachthaler ein. Der Spatzen-Trainer, der zu Beginn der Woche mit seinem Co Herbert Seiler bei einem Trainer-­Lehrgang in Kassel war, monierte den fehlenden Druck nach vorne über die Außenbahnen. Er warnt aber davor, das Team schon abzuschreiben. „Man sollte jetzt nicht auf das Team einprügeln, es gibt keine Untergangsstimmung. Offenbach war stark, dort werden in dieser Saison nicht viele Teams gewinnen.“

Doch der morgige Gast Elversberg, den die saarländischen Fans „unsere Elv“ nennen, ist nicht schwächer als die Kickers. Seit Horst Steffen Ende Oktober das Traineramt übernommen hat, geht es bei der Spielvereinigung nach oben. In der vergangenen Rückrunde war Elversberg zweitbeste Mannschaft hinter Meister und Drittliga-Aufsteiger SV Waldhof Mannheim. Am ersten Regionalliga-Spieltag fertigte Elversberg Aufsteiger FC Gießen  mit 7:1 ab. „Die Mannschaft gehört zu den Topteams der Liga und will wie Saarbrücken seit Jahren hoch. Wir dürfen sie nicht ins Spiel kommen lassen“, fordert Holger Bachthaler.

Personell sieht es bei den Ulmern speziell in der Offensive nicht gut aus. Stürmer-Neuzugang Haris Hyseni wird wegen einer Reizung an der Fußsohle früh­estens in zehn Tagen wieder ins Training einsteigen können. Bei den Langzeitverletzten Steffen Kienle (Oberschenkelverletzung während seiner Reha nach einer Kreuzband-Operation) und Aron Viventi (Knieverletzung)  dauert es ebenfalls, bis sie wieder ein Thema für die Startformation sind. Somit sind die Alternativen für Vitalij Lux und Ardian Morina, die sich in Offenbach kaum einmal in Szene setzen konnten, rar. „Ich möchte die Niederlage in Offenbach nicht an diesen beiden festmachen“, gibt Bachthaler ihnen deshalb Rückhalt.

Noch keine Niederlage gegen Elversberg


Die Bilanz des SSV Ulm 1846 Fußball gegen die SV Elversberg ist deutlich positiv. Von den bislang acht Regionalliga-Begegnungen gegen die Saarländer gewannen die Spatzen sechs, einmal trennten sich beide Teams Remis, und eine Begegnung ging verloren. Im Donaustadion haben die Ulmer alle ihrer bislang vier Begegnungen, wenn auch relativ knapp (Torverhältnis 7:2), gewonnen.   gek