SSV Nach 43 Jahren verabschiedet sich Zeugwart Ivo Milanovic von den Spatzen

Zeugwart mit Herz und Seele: Ivo Milanovic wird am Samstag nach 43 Jahren beim SSV Ulm 1846 Fußball verabschiedet.
Zeugwart mit Herz und Seele: Ivo Milanovic wird am Samstag nach 43 Jahren beim SSV Ulm 1846 Fußball verabschiedet. © Foto: Oliver Schulz
GEROLD KNEHR 24.10.2015
43 Jahre lang hat sich Ivo Milanovic beim SSV Ulm 1846 Fußball auf verschiedenen Positionen engagiert, zuletzt als Zeugwart. Am Samstag (15.30 Uhr) wird der 73-Jährige im Heimspiel gegen Karlsruhe verabschiedet.

An dieser Stelle sei ein kleines Geheimnis verraten: in den vergangenen 14 Jahren hat die erste Fußball-Mannschaft des SSV Ulm 1846 in der Verbands-, Ober- oder Regionalliga stets mit zwölf Mann gespielt! Erst in den letzten beiden Begegnungen bei Schlusslicht Friedrichstal (1:1) und beim SSV Reutlingen (2:2) waren die Spatzen zu elft. Auch am Samstag (15.30 Uhr) im Donaustadion bei der Oberliga-Begegnung gegen den Tabellen-Dritten Karlsruher SC II sowie in der Zukunft müssen die Spatzen mit der vorgeschriebenen Zahl an Spielern auskommen.

Keine Aufregung, den Ulmer Fußballern drohen keine Punktabzüge. Der zwölfte Mann, der in der Vergangenheit stets mitspielte, saß auf der Bank: Zeugwart Ivo Milanovic. Im Geiste spielte er jeden Spielzug mit. Kam eine hohe Flanke in den Strafraum, bewegte "Ivo", wie er rund um die Friedrichsau gerufen wurde, den Kopf, als wolle er selbst den Ball im Netz versenken, beim Flachpass zuckten die Beine. "Er hat auf der Bank mitgekickt, war mit Enthusiasmus und Begeisterung dabei", sagt Trainer Stephan Baierl.

All das ist nun Vergangenheit. In Friedrichstal und Reutlingen war er aus gesundheitlichen Gründen schon nicht mehr dabei. Am Samstagnachmittag wird Ivo offiziell verabschiedet - nach insgesamt 43 Jahren beim SSV Ulm 1846. . .

Mit 24 Jahren kam der 73-Jährige aus Bosnien, wo er in unteren Klassen Fußball gespielt hatte, nach Ulm. Sein jüngerer Bruder spielte beim damaligen SSV Ulm in der Jugend. Schnell war Ivo Milanovic vom Spatzen-Fieber infiziert. Er schaute nicht nur seinem Bruder zu, sondern sah alle Spiele der ersten und zweiten Mannschaft - zu Hause und auswärts. "Ich habe damals als Monteur gearbeitet. Nach eineinhalb Jahren hatte mein Auto 130.000 Kilometer auf dem Tacho", schmunzelt der Fan des VfB Stuttgart heute.

1972 beließ es der spätere LKW-Fahrer nicht mehr beim Zuschauen. Er machte sich als Ordner nützlich. "Wir waren eine tolle Gruppe, haben viel gefeiert", blickt er auf seine Sturm- und Drangjahre zurück.

1992 sprach der damalige Fußball-Abteilungsleiter Uli Frommer ihn an: "Ivo, du bist doch bei allen Spielen dabei, willst du nicht Zeugwart bei der zweiten Mannschaft werden?" Milanovic sagte zu - und blieb. Nach der ersten Insolvenz im Jahr 2001, als die erste Mannschaft aufgelöst wurde und er mit der "Zweiten" erste Wahl wurde, nach der zweiten Pleite, nach der dritten. "Ivo hat sich als Zeugwart um alles gekümmert. Er kam als Erster und ging als Letzter", sagt Kapitän Holger Betz. Der Torhüter kann sich den Verein ohne ihn, der seinen Urlaub nach der spielfreien Zeit ausrichtete, nicht so recht vorstellen.

"Ivo hatte eine ganz wichtige Rolle inne, er war der zentrale Fixpunkt der Mannschaft. Er hatte stets den Schalk im Nacken, mit ihm konnte man Pferde stehlen", sagt Baierl über seinen Zeugwart, der sich durchaus aber auch Respekt zu verschaffen wusste. "In der Kabine gab's schon mal einen Rüffel, wenn nicht alles so war, wie er es sich vorstellte", verrät Betz.

Pannen? Hat es kaum gegeben. In der vergangenen Saison fuhr der Bus ohne Stutzen im Gepäck nach Friedrichstal. "Da waren die Deutsche Leichtathletik-Meisterschaft im Donaustadion, der Platz war eng. Ich hatte die Tasche bereit gestellt, doch jemand hatte sie weggeräumt", erklärt Ivo das Malheur. Als Trainer hat ihn Markus Gisdol beeindruckt ("bei ihm herrschte Disziplin"), als Spieler schätzte er Grozdan Tokic. "Er hat die Jungen prima angeleitet. Aber im Grunde waren mir alle gleich wichtig."

Nun steht Ivo Milanovic eine Operation bevor. Danach möchte er sich mehr um seine Frau Ilonka, seine beiden Töchter und die zwei Enkel kümmern. Und die Spatzen? Er wird weiter mit ihnen fiebern, wenn auch nicht mehr auf der Bank. "Wenn sie was brauchen, bin ich immer für sie da."

Infos

SSV 46 - Karlsruher SC II Sa. 15.30

So will der SSV Ulm 1846 Fußball spielen: Betz - Henning, Krebs, Passer, Sturm (Wagner) - Coban, Hahn - Bagceci, Heidecker, Werner - Braig.

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