Mit heißen Öfen in die heiße Endphase

Jannik Keller (links) wechselt auch aus beruflichen Gründen nach Memmingen und versucht in der Regionalliga Bayern Fuß zu fassen. Foto: Eibner
Jannik Keller (links) wechselt auch aus beruflichen Gründen nach Memmingen und versucht in der Regionalliga Bayern Fuß zu fassen. Foto: Eibner
RÜDIGER BERGMANN 27.04.2012
Zwei sieglose Spiele sollen genug sein: Der SSV 46 will die SpVgg Neckarelz auf Distanz halten - und hofft auf Unterstützung des Rivalen SSV Reutlingen gegen Oberliga-Tabellenführer VfR Mannheim.

Vollgas: Das Motto des Tages soll Programm sein für den Rest der Saison. Wenn die Spatzen im Titelrennen der Fußball-Oberliga noch durchzustarten gedenken, sollten sie sich rund um die Samstag-Hausaufgabe gegen die SpVgg Neckarelz (15.30 Uhr) am Rahmenprogramm orientieren. Bis zu 150 Harley-Davidson-Besitzer kommen ab 12 Uhr zu einem Aktionstag ins Donaustadion. Übrigens: Wer einen Führerschein mitbringt, kann selbst zur Probefahrt losdüsen.

Heiße Öfen - heiße Endphase. Sechs Partien warten noch auf den SSV 46, vier davon daheim. Mit dem Tabellendritten aus der Mosbacher Ecke kommt das Team der Stunde nach Ulm. 14 von 18 Punkten haben die mit Routiniers gespickten Neckarelzer aus den jüngsten sechs unbesiegten Partien (vier Heimsiege, zwei Unentschieden auswärts) gehamstert. Damit nicht genug: Am Dienstag zogen sie mit einem 2:0 über den frisch gekürten Zweitliga-Aufsteiger SV Sandhausen sensationell ins badische Pokalfinale ein.

Dabei mussten sie volle 120 Minuten gehen, zwangen den hohen Favoriten in der Verlängerung in die Knie. Fragt sich, was sie von dieser Partie mit nach Ulm bringen - die Leichtigkeit des Seriensiegers oder schwere Beine von den beiden anstrengenden Pokal-Stunden?

Ausnahmsweise hat diesmal also nicht der SSV 46, sondern sein Gegner das Problem einer englischen Woche. Die Ulmer, denen zuletzt in der Fremde (Stuttgarter Kickers II, Normannia Gmünd) die hohe Belastung anzumerken war, trainieren derzeit spürbar dosierter. An der nötigen Frische und Spritzigkeit soll es auf der Zielgeraden nicht fehlen.

Die Spatzen waren zuletzt vor allem deshalb stark beansprucht, weil das Personal in der Breite nicht allzu üppig aufgestellt ist. Zum Glück blieben Paul Sauters Auserwählte in der Rückrunde bislang von Sperren und weitgehend auch von Verletzungen verschont. Allzu viele Ausfälle verträgt der Mini-Kader ganz sicher nicht. Die Positionen eins bis 14 oder 15 sind auch deshalb eine geschlossene Gesellschaft, weil die Konkurrenz dahinter sich nicht wirklich für die Oberliga-Startformation aufdrängt. Einer aus der zweiten Reihe zieht am Saisonende die Konsequenz: Jannik Keller wechselt zum FC Memmingen in die Regionalliga Bayern.

Gut möglich hingegen, dass Stefan Hess zu den Spatzen kommt. Der Leistungsträger des Landesligisten TSV Regglisweiler hinterließ auch beim neuerlichen Probetraining vorgestern einen guten Eindruck. Vorrangig ist für Paul Sauter aber die Vertragsverlängerung mit den Schlüsselspielern Holger Betz, Daniel Reith und Florian Treske.

Zu denen, die übers Saisonende hinaus gebunden sind, zählt Elyes Seddiki. Der technisch versierte Franzose, der zuletzt überspielt wirkte, aber nach seiner Einwechslung in Gmünd die Vorlage für Florians Treskes 2:1 lieferte, ist wieder tatendurstig. "Er kehrt in die erste Elf zurück", kündigt Sauter an. Wohl wissend, dass es dem SSV 1846 zuletzt nicht am Einsatz, eher an Kreativität gemangelt hat.

"Gegen die stärkste Rückrunden-Mannschaft, die zudem am besten besetzt ist" (Sauter über Neckarelz), müssen die Ulmer versuchen, Vollgas zu geben. Wer weiß, vielleicht haben sie nachher dann noch Lust, auf einem Ritt mit der Harley ihre Träume auszuleben. Und die haben vordergründig mit der Regionalliga zu tun. Auch eine Art von Freiheit.

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