Fußball Langes Warten hat sich gelohnt

Ulm / Gerold Knehr 10.09.2018

Bis zum Samstag war es ein verkorkster Einstand. Nicolas Jann, der vor der Saison seinem früheren Trainer Holger Bachthaler gefolgt und vom FV Illertissen zum SSV Ulm 1846 Fußball gewechselt war, hatte sich  in der ersten Trainingswoche verletzt. Der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler schien den Anschluss ans Team verloren zu haben, stand in den ersten sieben Regionalliga-Begegnungen keine Sekunde auf dem Platz.

Am Samstag gegen Astoria Walldorf war es dann so weit. In der 73. Minute wechselte Bachthaler den Deutsch-Griechen beim Stand von 0:0 für Nico Gutjahr ein. Elf Minuten danach traf Jann zum erlösenden 1:0-Endstand für die Spatzen. „Das ist für mich wie ein Traum“, sagte er nach seinem ersten Spiel im Donaustadion. „Ich war fünf Wochen raus aus dem Training. Wir haben einen großen und starken Kader. Ich musste mich lange gedulden, bis ich meine Chance bekam. Jetzt bin ich überglücklich“, strahlte der Matchwinner.

Beim 5:0 in der dritten WFV-Pokalrunde beim FC Eislingen war der in Wangen geborene Deutsch-Grieche erstmals für die Spatzen am Ball – und hatte mit dem Treffer zum 4:0 auf sich aufmerksam gemacht. Jetzt legte er in seinem ersten Punktspiel für den SSV 46 nach und sorgte für den zweiten Ulmer 1:0-Sieg in Folge  Vor einer Woche in Elversberg hatte mit Adrian Beck ebenfalls ein eingewechselter Spieler in der Schlussphase für die Entscheidung gesorgt. „Wir haben einen guten, ausgeglichenen Kader, jeder Spieler brennt auf einen Einsatz hin. Das spricht für die Moral und die Qualität der Spieler“, wundert  sich Bachthaler keineswegs über die Joker-Qualitäten seines Teams. Dass der erst wenige Sekunden zuvor eingewechselte Thomas Rathgeber Janns Treffer vorbereitet hat, passt in dieses Bild. Die Akteure auf der Bank machen Druck auf die etablierten Spieler.

Das ist in den nächsten Wochen auch notwendig. Denn um sich dauerhaft an der Regionalliga-Spitze zu etablieren und den momentanen zweiten Platz zu verteidigen, muss sich der SSV 46 steigern. Die Spatzen waren den Walldörfern, die aus den letzten fünf Begegnungen nur einen Zähler geholt hatten, zwar über weite Phasen überlegen. Sie versäumten es aber, die Partie frühzeitig zu entscheiden. Selbst ein Foulelfmeter (64.) reichte nicht zur Führung. Johannes Reichert schoss den Elfer zu unplatziert, so dass Astoria-Torhüter Jürgen Rennar den Ball parieren konnte. „Aber wir sind drangeblieben und wollten das Spiel unbedingt gewinnen. Ich bin sehr froh, dass wir es als Team noch für uns entscheiden konnten“, atmete Reichert auf – und freute sich besonders über Janns Siegtreffer.

Es war bereits das dritte 1:0 in dieser Saison. „Wir müssen schauen, dass wir unsere Angriffe sauberer und konsequenter zu Ende spielen“, sagt Bachthaler. „Aber ich bin auch zufrieden, wenn wir mit 1:0 gewinnen“, so der Ulmer Trainer über seine Minimalisten.

So spielten sie

SSV Ulm 1846 – Astoria Walldorf

1:0

SSV Ulm 1846 Fußball: Ortag – Bradara, Krebs, Reichert, Schmidts – Campagna – Gutjahr (73. Jann), Viventi  (61. Beck) – Morina – Kienle, Lux (83. Rathgeber).
Tor: 1:0 Jann (84.).
Gelbe Karten: Morina – Horn
Schiedsrichter: Doering (Brigachtal).
Besonderes Vorkommnis: Walldorfs Torhüter Rennar wehrt Foulelfmeter von Reichert (64.) ab.
Zuschauer: 1592.

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel