SSV Ulm 1846 Fußball DFB Pokal: Die kuriosen Geschichten und Pokalhelden der Spatzen

Ulm / Gerold Knehr/SWP 29.10.2018
Schneeballschlacht, ein historischer Rekord und ein Trainer, der zum Propheten wird: Der SSV 46 und seine Vorgängervereine haben in 55 DFB-Pokal-Begegnungen viel erlebt.

Ralf Rangnick, Trainer des Bundesligisten RB Leipzig,  kann sich noch gut an den 2. Dezember 1997 erinnern. Am jenem Dienstag-Nachmittag brach urplötzlich der Winter über Ulm herein, es begann heftig zu schneien. Am Abend stand das DFB-Pokal-Achtelfinalspiel gegen den VfB Stuttgart auf dem Programm. Während sich die Mannschaft im Intercity-Hotel am Hauptbahnhof auf die Begegnung mental vorbereitete, schaufelten Helfer im Donaustadion den Rasen frei. Das gefährdete Spiel konnte tatsächlich stattfinden.

Einziges Problem: wie sollte der Mannschaftsbus durch die völlig verstopften, rutschigen Straßen zum Donaustadion gelangen? Die Polizei wusste Rat. Sie eskortierte das Team über die Straßenbahntrasse in die Oststadt. „Wie geil ist das denn?“, staunten die Spieler im Bus. Rangnick, damals Trainer der drittklassigen Spatzen, antwortete ihnen: „Wisst ihr was? In ein paar Jahren werdet ihr jedes Wochenende Ähnliches erleben.“

Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga

Prophet Rangnick sollte Recht behalten. Zwar verloren Philipp Laux, Oliver Otto, Sascha Rösler und Co. die Schneeballschlacht gegen den mit allen Stars wie Fredi Bobic, heute Vorstand bei Eintracht Frankfurt, und Krassimir Balakow angetretenen VfB mit 1:3. Doch eineinhalb Jahre später hatte der SSV 46 den Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga  geschafft. Ein Jahr lang wurde das Ulmer Team tatsächlich Woche für Woche in Erstliga-Stadien eskortiert – wie von Rangnick prophezeit.

Das Ulmer Fußball-Hoch währte bekanntlich nicht lange. Nach zwei Abstiegen und einer ersten Insolvenz waren die Spatzen im Sommer 2001 plötzlich nur noch fünftklassig. Das einzige, was dem SSV 46 blieb, war das Pokalspiel gegen den Bundesligisten 1. FC Nürnberg. Die bisherige zweite Mannschaft schaffte tatsächlich das Wunder. Verteidiger Gerold Skworanek, bis dahin und in seiner weiteren Karriere nie als Torjäger aufgefallen, und Dragan Trkulja, neben Holger Betz der einzig verbliebene frühere Profi bei den Spatzen-Amateuren, erzielten die Tore zum 2:1 gegen den Club. Bis heute steht der SSV 46 im Buch der Pokalrekorde, denn nie zuvor und nie danach hat ein fünftklassiges Team einen Bundesligisten aus dem Wettbewerb gekegelt. In der zweiten Runde der Saison 2001/02 kam dann das Aus. Das 0:3 gegen Union Berlin am 28. November 2001 war der bislang letzte Ulmer Pokalauftritt.

Ulmer Pokalgeschichte(n)

Die Geschichte des SSV Ulm 1846 Fußball und seiner Vorgängervereine ist reich an Pokal-Historien. 55 Begegnungen finden sich in der Statistik, 26 Spiele gewannen die Ulmer.  Beim Pokal-Gründungsjahr 1935 war der Ulmer FV 94 dabei, der bei der Premiere den FC Bayern München mit 5:4 besiegte, in der zweiten Runde jedoch mit 0:8 beim 1. FC Nürnberg scheiterte. In den 1980er-Jahren war der SSV 46 quasi Stammgast im Wettbewerb. 1982 schafften es die Spatzen mit Walter Modick im Tor bis ins Viertelfinale, wo sie sich beim VfL Bochum erst in der Verlängerung mit 1:3 geschlagen geben mussten.

Herr Berg und der Gipfel

In Erinnerung geblieben ist bei vielen älteren Fans auch das Heimspiel gegen Borussia Dortmund am 9. Oktober 1992. Der BVB musste sich gewaltig strecken, bis der 3:1-Sieg des Bundesligisten feststand. Aus Ulmer Sicht spielte dabei Schiedsrichter Alfons Berg aus Konz eine unrühmliche Rolle. „Herr Berg, das war der Gipfel“, ereiferte sich seinerzeit ein Fußball-Fachblatt über die Leistung des Unparteiischen.

Zweimal (1984, 1999) trafen die Spatzen bislang im Pokal auf Fortuna Düsseldorf. Eins ging 0:2 verloren, das andere gewannen die Spatzen 1999 mit 2:0.

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