VfB Stuttgart Krise statt Aufbruch beim VfB Stuttgart

Haben sich nichts mehr zu sagen: VfB-Präsident Wolfgang Dietrich und der entlassene Sportvorstand Jan Schindelmeiser (rechts).
Haben sich nichts mehr zu sagen: VfB-Präsident Wolfgang Dietrich und der entlassene Sportvorstand Jan Schindelmeiser (rechts). © Foto: Imago
Stuttgart / Gerold Knehr 05.08.2017
Bundesliga-Aufsteiger VfB Stuttgart trennt sich von Sportvorstand Jan Schindelmeiser. Ihn soll Michael Reschke vom FC Bayern München beerben.

Ein „normaler“ Fußball-Verein wird der VfB Stuttgart wohl nie werden. Wenige Wochen nach der Rückkehr in die Bundesliga sollten eigentlich, nicht nur im Umfeld, sondern auch im Verein Euphorie und Aufbruchstimmung herrschen. Beim VfB ist das ganz anders. Er entließ am Freitag, für die Öffentlichkeit sehr überraschend, seinen Sportvorstand Jan Schindelmeiser – gerade mal zwei Wochen vor dem Bundesliga-Start und eine Woche vor der ersten DFB-Pokalrunde. Ein bemerkenswerter Zeitpunkt.

Dass nahezu gleichzeitig wie erwartet Nationalspieler Holger Badstuber, die dringend nötige Verstärkung für die Innenverteidigung, verpflichtet wurde, ging im Tohuwabohu an der Vereinsspitze mehr oder weniger unter. Der 28-Jährige, zuletzt vom FC Bayern München an Schalke 04 ausgeliehen, erhält einen Einjahresvertrag.

Es rumort schon länger

Was ist los bei den Roten? Sie hatten vor nicht einmal 13 Monaten, nach dem Bundesliga-Abstieg, Jan Schindelmeiser zu Robin Dutts Nachfolger als Sportdirektor bestellt. Der eckte früh mit dem ebenfalls neu gekommenen Trainer Jos Luhukay an, der schnell das Handtuch warf. Mit dem jungen Nachfolger Hannes Wolf gelang Schindelmeiser ein Trainer-Glücksgriff, der den Betriebsunfall Abstieg umgehend reparierte und die Rückkehr in Liga eins schaffte.

Dennoch wurde das Rumoren in der Mercedesstraße immer lauter. Insider wussten schon länger um das zunehmende Grummeln im Verein. Der 53-Jährige, der von 2006 bis 2010 bei der TSG 1899 Hoffenheim eine ähnliche Aufgabe hatte, war nicht nur im Clinch mit dem selbstbewussten und ehrgeizigen Präsidenten Wolfgang Dietrich, der den VfB langfristig in die Top 6 der deutschen Fußball-Vereine führen möchte. Die Personalpolitik mit vielen talentierten, aber unerfahrenen ausländischen Neuzugängen wurde kritisch beäugt. Schindelmeiser wurden Alleingänge und fehlende Kommunikation vorgeworfen. Ein Austausch mit wichtigen Mitgliedern wie Jugendkoordinator Marc Kienle oder Präsidiumsmitglied Thomas Hitzlsperger soll trotz mehrmaliger Anmahnungen ausgeblieben sein.  „Nach intensiven Gesprächen“, teilte der Aufsichtsrat am Freitag mit, habe das Gremium einstimmig beschlossen, die Zusammenarbeit mit Schindelmeiser zum 30. September zu beenden. Bis dahin ist der gebürtige Flensburger von seinen Aufgaben freigestellt.  „Der Beschluss wird vom verbleibenden Vorstand uneingeschränkt mitgetragen“, hieß weiter in der Erklärung.

Mit Michael Reschke soll bereits ein neuer Sportvorstand gefunden worden sein. Der 59-Jährige mit dem Auge für Talente soll vom FC Bayern München kommen und am 1. Oktober beim VfB Stuttgart mit seiner Arbeit beginnen. Gerade im Nachwuchsbereich lag beim VfB in den vergangenen Jahren vieles im Argen. Reschke gilt aber auch als Experte auf dem internationalen Transfermarkt und als hervorragender Verhandler.

Beim Transfer von Holger Badstuber war der bisherige Münchner Reschke aktiv nicht eingebunden. Der so oft verletzte Allgäuer, der von 2000 bis 2002  in der Jugend für den VfB gespielt hatte, soll in der Innenverteidigung seinen jungen Nebenmann Timo Baumgartl führen. „Niemand sollte seine Wurzeln vergessen. Auch ich habe das nie getan. Der VfB war und ist etwas Besonderes für mich und hat mich emotional sofort wieder gepackt“, sagt der Neuzugang. Damit geht es Badstuber nicht anders als den vielen Fans des VfB am Freitag.

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