Illertal-Klubs halten Sportgericht auf Trab

WINFRIED VOGLER 01.02.2012
Zahlen lügen nicht. Oder doch? Die Straffälle im Fußball-Bezirk Donau/Iller haben deutlich zugenommen, wie die Halbzeitbilanz des Sportgerichts beweist.

Kein Grund zur Panik. Obwohl die Zahl der Vergehen in der Hinrunde der laufenden Saison beachtlich über dem Wert des Vorjahreszeitraums liegt, blickt der Vorsitzende des Sportgerichts im Fußball-Bezirk Donau/Iller, Hans-Peter Füller, auf eine "ruhige Vorrunde" zurück. Waren es in der Vorsaison 234 Fälle, so weisen die Zahlen der Halbzeitbilanz vor dem Punktspielstart im neuen Jahr am 11. März mit aktuell 274 Vergehen für den obersten Sportrichter im Bezirk auf keine bedenkliche Entwicklung hin.

Wie das? Immerhin sind seit Saisonstart Mitte August des vergangenen Jahres bis zur Winterpause 40 Verfahren mehr als im Vergleich zum Vorjahreszeitraum angefallen. Bemerkenswert: In insgesamt 100 Urteilen wurden Kurzstrafen mit einer Mindestdauer von einem halben Monat Sperre verhängt.

"Zum einen gab es in der laufenden Runde viel weniger Spielausfälle als im Vorjahr", erläutert Füller. Zum anderen liegt der Anstieg aus Sicht des Vorsitzenden an der Umstellung auf ein elektronisches Sportgerichtsverfahren. "Für jeden Sünder muss jetzt ein eigenes Urteil erstellt werden." Schließlich hat auch die Ligenreform zu Beginn dieser Saison, als die Kreisligen B von fünf auf vier Staffeln reduziert wurden, zu einer Zunahme an Spielen geführt. In den Kreisligen A und B gibts nunmehr - mit Ausnahme der B/IV - ausnahmslos Staffeln mit 16 oder 17 Mannschaften - das erhöht die Zahl der Spiele. Zum Beweis: Insgesamt 1770 Partien wurden in der Saison 2010/11 durchgeführt, in der laufenden Runde werden es deren 1908 Begegnungen sein.

Liegt beim Fußball die Wahrheit also doch nur auf dem Platz und nicht in den Zahlen der Statistik? Die Anzahl der Unsportlichkeiten (§ 25) erreichte mit 72 zur Halbzeit schon fast die Gesamtzahl der kompletten Vorsaison (96). Auch Beleidigungen (§ 22) mit 57 Urteilen (Vorsaison 82) und sportwidriges Verhalten (§20) mit 23 (33) haben auffällig zugenommen.

Ein Blick auf die einzelnen Ligen verdeutlicht, dass die Vereine aus dem Illertal einen vermehrten Kontakt mit dem Sportgericht gepflegt haben. So liegen die Straffälle in der Kreisliga A/Iller zur Halbzeit mit bislang 38 (gesamte Vorsaison 34) und in der Kreisliga B/Iller mit 34 (24) bereits deutlich über den Vorsaison-Werten.

Als die bösen Buben im Bezirk Donau/Iller haben die Vereine TSC Langenau mit neun Verfahren und FV Weißenhorn, Ljiljan Ulm, Leoes de Ulm, Ataspor Neu-Ulm (inzwischen vom Spielbetrieb suspendiert) mit je sieben das Sportgericht mit seinem Vorsitzenden Füller und Beisitzer Roland Schmölz in der Hinrunde am häufigsten beschäftigt.

Überhaupt keine Arbeit hatte das Sportgericht gerade mal mit 25 Klubs. Darunter befindet sich auch der TSV Seißen (Kreisliga A/Alb), der schon in der zurückliegenden Spielzeit zu den straffreien Vereinen gehört hatte.

Insgesamt wurden im Bezirk Donau/Iller Strafen in Höhe von 4890 Euro verhängt. Zu diesem Betrag kommen noch 4095 Euro an Bearbeitungsgebühren.