Heiß auf den Aufstieg

Bei Eckbällen stets mit vorn: Die kopfballstarken SSV-Verteidiger Reichert (l.) und Reith (Nr. 15). Foto: Lars Schwerdtfeger
Bei Eckbällen stets mit vorn: Die kopfballstarken SSV-Verteidiger Reichert (l.) und Reith (Nr. 15). Foto: Lars Schwerdtfeger
GEROLD KNEHR 30.04.2012
Noch fünf Spiele für den SSV Ulm 1846 Fußball, noch vier für den punktgleichen Spitzenreiter VfR Mannheim. Rechtzeitig zum Oberliga-Endspurt melden sich die Spatzen im Titelrennen zurück.

Petrus tat sein Bestes: Fast 30 Grad im Donaustadion Ende April - Respekt, Respekt. Zusätzlich angeheizt wurde der Oberliga-Hit zwischen dem Tabellenzweiten SSV Ulm 1846 Fußball und dem Dritten SpVgg Neckarelz durch etwa 20 "heiße Öfen": So viele Harley-Davidson-Motorräder hatten vor dem Anpfiff auf der Tartanbahn des Donaustadions für die 1200 Zuschauer eine laute "Ehrenrunde" eingelegt.

Doch die "Anfeuerung" von oben und außen wäre gar nicht nötig gewesen. Denn die Fußballer des SSV Ulm 1846 waren selbst heiß genug auf ihren 17. Saisonsieg. Sie ließen in diesem so wichtigen Spiel dem Tabellendritten nicht den Hauch einer Chance. Die Spatzen waren im 90-minütigen Einbahnstraßen-Fußballspiel noch überlegener, als es das 3:1-Endresultat besagt. "Das war eines der vier, fünf Highlights dieser Saison", freute sich Trainer und Präsident Paul Sauter.

Wenn selbst der sonst so vorsichtige Sauter derart ins Schwärmen gerät, muss etwas Ungewöhnliches passiert sein. Außerordentlich jedenfalls war der unbedingte Wille der Spatzen, nach zuvor zwei sieglosen Spielen wieder ein Zeichen im Titelrennen zu setzen. Die Ulmer ließen ihrem Kontrahenten, der sich selbst noch Titelchancen ausgerechnet hatte, so gut wie keine Tormöglichkeit (null gegnerische Eckbälle).

Nur zweimal kamen die Gäste gefährlich in den Strafraum - und prompt wurde es brenzlig. In der 54. Minute reklamierte Gästetrainer Peter Hogen nach einem vermeintlichen Foul von Zachary Olow an Marcel Gerstle vergeblich einen Elfmeter - und musste deswegen kurz darauf sogar seine Trainerbank verlassen. In der 90. Minute schließlich gab es den Strafstoß, nachdem Johannes Reichert einen Neckarelzer hatte auflaufen lassen. Doch da war alles schon zu spät, es reichte nur noch zum 1:3-Ehrentreffer.

Außer Kampfkraft hatten die Spatzen auch spielerische Elemente zu bieten. Wie etwa bei der 1:0-Führung. Auf Zuruf von Ruben Rodriguez hatte Fabio Kaufmann eine Rückgabe von Yannick Agro zum besser postierten Spanier durchgelassen und damit gleichzeitig den Neckarelzer Torhüter Florian Hickel irritiert. Rodriguez nutzte die Situation zum 1:0. "Vor ein paar Monaten hätte das noch nicht geklappt, da agierte Rodriguez noch viel zu zurückhaltend", meinte Sauter. Auch das 2:0 war Produkt weit fortgeschrittener Integrationsbemühungen. Vor den Augen seiner erstmals in Ulm weilenden Mutter und seines Cousins war Elyes Seddiki nach Treske-Flanke erfolgreich. Rodriguez und Seddiki waren zu Saisonbeginn nach Ulm gekommen - und fügen sich immer besser ein. Das 3:0 schließlich besorgte Torjäger Treske mit seinem 16. Saisontreffer.

Natürlich spielten auch einige andere Umstände den Ulmern in die Karten. Neckarelz war durch den 120-minütigen Pokalfight unter der Woche gegen den SV Sandhausen spürbar geschwächt und spielte nach der Roten Karte für Christian Haas (Ellbogencheck an Johannes Reichert) ab der 51. Minute in Unterzahl. Die junge Ulmer Mannschaft agierte danach nicht immer abgeklärt genug, benötigt für ihr laufintensives Spiel viel Kraft.

Die hatten die hochmotivierten Spatzen am Samstag aber trotz der Hitze. "Wir haben ein Ausrufezeichen gesetzt in Richtung Konkurrenz", freute sich Sauter. Und warnte im selben Atemzug vor Schlusslicht Offenburger FV, am Samstag (15.30 Uhr, Donaustadion) nächster Ulmer Gast. "Da geht es wieder bei 0:0 los, dann müssen wir uns den Erfolg neu erarbeiten."

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