Es ist kein richtig gutes, aber auch kein wirklich schlechtes Gefühl, mit dem die Regionalliga-Fußballer des SSV Ulm 1846 aus dem letzten Saison-Heimspiel gegangen sind. Schon gar nicht kann man von einer verpatzten Generalprobe sprechen. Immerhin liegen bis zum WFV-Pokalfinale noch zwölf Tage und die Regionalligapartie gegen Steinbach/Haiger dazwischen. Gleichwohl wollte die Mannschaft von Trainer Holger Bachthaler beim letzten Saisonauftritt im Donaustadion die Betriebstemperatur hochhalten, Selbstbewusstsein tanken und reichlich Rückenwind zum Saisonhöhepunkt am 25. Mai nach Stuttgart mitnehmen.

Doch das 2:2 (1:0) gegen die nun als sicherer Absteiger feststehende Eintracht aus Stadtallendorf, zu dem Thomas Rathgeber und Felix Higl die Tore beisteuerten, geriet für Trainer Bachthaler zu einem frustrierenden Ereignis. „Trotz aller Abschiede und Verabschiedungen ist das für mich ein gebrauchter Tag“, sagte der enttäuschte SSV-Coach. Bachthaler wirkte richtig angefressen, als er zum Mikrofon im Medienraum des Donaustadions griff. „Wir haben seit Wochen intern die Zielsetzung ausgegeben, Tabellenplatz vier zu verteidigen, vielleicht sogar noch einen Platz nach oben zu rutschen. Das haben wir leichtfertig aufs Spiel gesetzt – es ist sehr ernüchternd.“

 Seine Elf zeigte ihr Bemühen – doch es fehlten Tempo und Präzision. „Jeder einzelne muss sich hinterfragen, ob er die richtige Einstellung und die richtige Leistung auf den Platz bekommen hat. Wenn man den Anspruch an einen Heimsieg hat, dann muss man in den zahlreichen Offensivaktionen, die wir hatten, effektiver sein. Im Spiel gegen den Ball haben wir dem Gegner noch nie so viele Umschalt- und Kontersituationen zugestanden. Das hat natürlich auch mit der Einstellung und der Mentalität zu tun“, betonte Bachthaler.

Die Gäste aus Hessen entpuppten sich vor 1040 Zuschauern beim letzten Saison-Heimspiel für die Spatzen als Störenfried. Wenig Freude in den 90 Minuten auf dem Rasen, dafür viel Applaus vor der Partie, als Sportvorstand Anton Gugelfuß mit Präsenten Alper Bagceci, Thomas Rathgeber, Luigi Campagna, Tino Bradara, David Kammerbauer und Marcel Schmitt verabschiedete.

Nach dem Schlusspfiff griffen die Anhänger zwar nicht zu ihren Taschentüchern, feierten dafür mit beeindruckenden Plakaten vor allem die Routiniers Bagceci und Rathgeber, die sichtlich bewegt sich immer wieder zu Fotos mit Fans stellten und doch mit Wehmut den letzten Auftritt im Donaustadion erlebten. Auch wenn es nichts aus dem Abschiedsgeschenk mit dem geplanten Sieg wurde: „Für die Jungs war es schön, hier aufzulaufen. Sie haben große Verdienste und diesen Abschied verdient“, betonte Bachthaler, der Bagceci und Rathgeber neben Campagna in die Startelf nominiert hatte.

Das 2:2 markierte für den SSV 46 das Ende einer stolzen Serie: In den fünf Heimspielen nach der Winterpause hatten die Gastgeber kein Gegentor bekommen. Während der SSV-Coach an das nicht nur sportlich, sondern auch finanziell wichtige Pokalduell noch wenig Gedanken verliert, gab er sich im Hinblick auf das letzte Saisonspiel am nächsten Samstag beim TSV Steinbach/Haiger kämpferisch: „Wir werden versuchen, den vierten Platz zurückzuerobern und dafür alles raushauen.“

So spielten sie


SSV Ulm 1846 – Stadtallendorf

2:2

SSV Ulm 1846 Fußball: Hundertmark – Stoll, Krebs, Hoffmann, Schmidts – Campagna – Bagceci (62. Gashi), Sapina (72. Lux), Jann – Rathgeber (57 Morina), Higl.

Tore: 1:0 Rathgeber (19./Foulelfmeter), 1:1 Nolte (55.), 1:2 Vogt (62.), 2:2 Higl (72.).
Besonderes Vorkommnis: Torhüter Hundertmark hält Foulelfmeter von Baltic (27.).
Gelbe Karten: Rathgeber – Abdel-Ghani.
Schiedsrichter: Kessel (Norheim).
Zuschauer: 1040.