Illertissen FV Illertissen verzichtet auf Profi-Lizenz

Das Illertisser Vöhlin-Stadion ist nicht Drittliga-tauglich - auch nicht nach einer Rasen-Sanierung für 35.000 Euro.
Das Illertisser Vöhlin-Stadion ist nicht Drittliga-tauglich - auch nicht nach einer Rasen-Sanierung für 35.000 Euro. © Foto: Rudi Apprich
Illertissen / GEROLD KNEHR 27.02.2013
Der FV Illertissen, Tabellenführer der Fußball-Regionalliga Bayern, beantragt keine Lizenz für die Dritte Liga. Grund ist die laut FVI mangelnde Unterstützung durch die Stadt, dem Besitzer des Vöhlin-Stadions.

Bis zum Freitag, 1. März, haben interessierte Fußball-Vereine noch Zeit, für die kommende Spielzeit eine Lizenz für die Dritte Liga zu beantragen. Der FV Illertissen, der als derzeitiger Tabellenführer der Regionalliga Bayern gute sportliche Chancen auf den Aufstieg hat, verzichtet auf eine Bewerbung. Er sieht sich von der Stadt Illertissen, in deren Vöhlin-Stadion der FV seine Spiele austrägt, nicht genügend unterstützt.

Der Illertisser Bauausschuss hatte in der vergangenen Woche die vom FV Illertissen angestrebte große Lösung in Sachen dringend nötiger Rasen-Sanierung abgelehnt. Ein komplett neuer Rasen hätte geschätzte 150.000 Euro gekostet. Stattdessen beschloss der Bauausschuss mit 8:3 Stimmen eine Sanierung des Hauptspielfeldes, die zunächst 35.000 Euro und in den beiden darauf folgenden Jahren jeweils 16.000 Euro kostet.

"Für den FV Illertissen ist das ein völlig indiskutables Ergebnis", sagt FVI-Vorstand Ludwig Kränzle. Am Ende einer dreiseitigen Presseerklärung schreibt Kränzle: "Mit Wehmut, ja völligem Unverständnis nehmen die Verantwortlichen des FV Illertissen zur Kenntnis, dass es dem Stadtrat offensichtlich wohler wäre, wenn sich kein Erfolg einstellen würde und wir möglichst unsere Spiele verlieren würden."

CSU-Fraktionschef Jürgen Eisen, der gegen die große Lösung gestimmt hatte, wehrt sich gegen Vorwürfe. "Es war eine Abstimmung mit eindeutigem Resultat. Das Problem liegt nicht allein am Rasen. In der Dritten Liga wären noch ganz andere Kosten auf uns zugekommen. Dazu hat der Verein keine Angaben gemacht", so Eisen. Er habe durchaus ein Herz für den Fußball, sein Vater hat als Spieler mit dem FVI 1963 den WFV-Pokal gewonnen. "Der FV ist ein Illertisser Aushängeschild. Dennoch müssen wir alle Vereine gleich behandeln."

Der Anforderungskatalog des Deutschen Fußball-Bundes an einen Drittligisten ist in der Tat dick. So verlangt der DFB eine Stadionkapazität von mindestens 10.000 Besuchern, davon wenigstens 1000 Sitzplätze im ersten und 2000 im zweiten Jahr, zudem muss ein Drittel der Plätze überdacht sein. Dazu kommen ein verbessertes Flutlicht und hohe Sicherheitsauflagen wie etwa eine klare Trennung von einheimischen und Gäste-Fans. Ins weitläufige Vöhlinstadion passen derzeit rund 3000 Zuschauer.

An ein Ausweichen in ein anderes Stadion haben die FVI-Verantwortlichen keine ernsthaften Gedanken verschwendet. "Das Memminger Stadion ist nicht für die Dritte Liga geeignet, und im Ulmer Donaustadion hätten wir nicht genügend Zuschauer", sagt Kränzle.

Doch nicht nur die fehlende Infrastruktur hätte dem FVI Probleme bereitet. Die Dritte Liga ist eine Profiliga. Die meisten Illertisser Spieler sind berufstätig. Sie wurden von der Entscheidung, auf eine Drittliga-Lizenz zu verzichten, bereits unterrichtet.

Trainer Holger Bachthaler erwartet keine negativen Auswirkungen für die Rückrunde. "Die Dritte Liga ist für Vereine wie Seligenporten, Buchbach oder uns kaum zu stemmen. Wir akzeptieren die Entscheidung. Wir sind vor der Saison nicht mit dem Anspruch angetreten, ganz vorne mitzuspielen. Wir versuchen, weiter die Leistung zu bringen wie bisher." Ludwig Kränzle hat derweil ein neues sportliches Ziel ausgegeben: "Wir wollen uns als bester bayerischer Amateurverein für den DFB-Pokal qualifizieren."

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