„Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive die Meisterschaft.“ Eine Fußball-Weisheit, die in der zurückliegenden Saison zur Strategie-Maxime beim RSV Ermingen geworden ist. Und noch ein Satz darf zitiert werden im Rückblick auf das Nervenduell um die Meisterschaft in der Kreisliga B/Donau: „Entscheidend ist der letzte Spieltag.“

Quasi auf den letzten Drücker schnappte die Mannschaft vom Hochsträß dem lange unangefochten führenden SC Unterweiler den Titel weg. Der Rivale hatte vom dritten bis zum drittletzten Spieltag mit einer Ausnahme immer auf Tabellenplatz eins gestanden.

Nach Unterweilers 0:1-Niederlage beim SV Mähringen am vorletzten Spieltag zog die Erminger Mannschaft von Trainer Wolfgang Bochtler in der Tabelle am Kontrahenten vorbei. Den Spitzenplatz verteidigte sie dann im letzten Saisonspiel beim 5:1 in Wiblingen glanzvoll. Die Feierlichkeiten im Doppelpack konnten beginnen: Ein Verein, zwei Meisterschaften, eine Party - auch die Reserve sicherte sich den Titel.

Die defensive Stabilität war eines der Hauptthemen in der Trainingsarbeit Bochtlers, der nach dem Abstieg aus der Kreisliga A/Donau 2013 beim RSV Ermingen angeheuert hatte. „Ich habe nur fünf Kilometer ins Training“, schätzt Bochtler die idealen Bedingungen. Platz acht am damaligen Saisonende, 52 Gegentore kassiert – von sofortigem Wiederaufstieg konnte freilich keine Rede sein. Im zweiten Jahr legte Bochtler dann besonderen Wert auf die Kompaktheit. Die Abstände klein halten, die Räume zulaufen – ihm ist wichtig, dass seine Elf schnell hinter den Ball kommt. Dann ist es schwer, Tore gegen sie zu erzielen.

Verteidigen kann ganz schön anstrengend sein. Dass die Erminger Defensive recht gut funktionierte, hat auch damit zu tun, dass die Mannschaft von der Physis her dazu in der Lage ist. Bochtler hat gesteigerten Wert auf die Verbesserung der körperlichen Voraussetzungen gelegt, vor allem auf Athletik und Spritzigkeit. Die Fortschritte sind statistisch belegbar. In der zurückliegenden Runde spielte Ermingen 13 Mal zu null, blieb neben dem TSV Blaustein II (Kreisliga B IV) als einziges Team im Bezirk auswärts ohne Niederlage, und die Abwehr vom Hochsträß ließ in insgesamt 26 Spielen nur 18 Gegentore zu.

Das Abwehrbollwerk um die Innenverteidiger René Sontheimer und Thomas Laub sowie Schlussmann Michael Huber ebnete den Weg zum Titel. Auch nach der Heimniederlage (0:2) im direkten Duell gegen Unterweiler kam keine Panik auf. Mit fünf Siegen in Folge bewies die Mannschaft schließlich zum Saisonfinale den längeren Atem.

Zur Winterpause hatte Abteilungsleiter Siegfried Gröber ein Signal gesetzt und war aus Unzufriedenheit über die Mannschaft zurückgetreten. Sein Nachfolger Matthias Zeller hofft, dass der Begriff Fahrstuhl-Mannschaft – in 15 Jahren vier Mal rauf, drei mal runter – endgültig aus dem Sprachgebrauch gestrichen werden kann und man sich in der Kreisliga A etabliert.

Zum bestehenden Kader stoßen Andreas Schneider (FC Hüttisheim) und Thomas Wolf (Heidelberg) sowie die drei talentierten A-Junioren Pascal Gröber, Robin Latzke und Nikolai Eckerle hinzu. Coach Bochtler träumt zwar davon, dass sein Team eines Tages ansehnlichen, offensiven und mutigen Fußball spielt, die Erfordernisse des Abstiegskampfes werden aber wohl weiter einen eher defensiven Ansatz verlangen. In der neuen Liga plant Bochtler deshalb den Angriff mit der besten Abwehr.