Chapeau: Mehr als ein Abschied. Florian Treske beendet mit gerade mal 31 Jahren seine Fußballkarriere. Nach 233 Regionalligaeinsätzen, davon 128 (52 Tore) für den SSV Ulm 1846 Fußball, ist für den Torjäger, der außer für die Spatzen auch für die Stuttgarter Kickers, Wormatia Worms und zuletzt Kickers Offenbach insgesamt 92 mal traf und damit die Torjägerliste der 2012 gegründeten Südweststaffel mit großem Vorsprung anführt, jetzt wegen anhaltender gesundheitlicher Probleme Schluss.

Mit Treske verabschiedet sich einer der Letzten seiner Art: Jener Typ Mittelstürmer, der sich vorrangig ins Zentrum orientiert, ein klassischer Stoßstürmer. Zur Winterpause hat er seinen Vertrag bei den Offenbacher Kickers aufgelöst. Bei seinem letzten Heimauftritt gegen Astoria Walldorf wurde Treske, Töchterchen Leni (2) auf dem Arm, mit Sprechchören von den Fans verabschiedet. „Ein besonderer Moment“, meinte Treske. Mit einem Treffer hatte er für einen „Abschied nach Maß“ gesorgt.

Schaurige Krankenakte

„Du bist ein Pfundskerl und jederzeit hier willkommen“, dankte OFC-Geschäftsführer Christopher Fiorie dem 31-Jährigen. „Ich blicke auf eine lange und schöne Zeit im Profifußball zurück. Eine Zeit, in der ich viele Rückschläge und Verletzungen erlebt habe, aber auch großartige Momente“, sagt Treske.

Der gebürtige Deggendorfer, den Paul Sauter 2008 vom 1. FC Bad Kötzting zu den Spatzen geholt hatte und der sieben Spielzeiten lang für den SSV 46 am Ball war, wurde immer wieder von Verletzungen ausgebremst. Zuletzt war er wegen eines erneuten Zehenbruchs mehrere Wochen außer Gefecht. „Hauptsächlich den Ausschlag gegeben haben meine Probleme mit der Achilles­sehne, die ich nie in den Griff bekommen habe. Nach jedem Spiel war ich absolut k.o.“.

Treskes Krankenakte liest sich wie ein Schauermärchen. Fast die Hälfte aller möglicher Spiele hat er wegen Verletzungen versäumt. Zwei Kreuzbandrisse (April und Dezember 2009), Mittelhandbruch (März 2011), Kahnbeinbruch (August 2012), ein dritter Kreuzbandriss (Oktober 2012) – und so weiter.

Jetzt erhält sein geschundener Körper die erhoffte Regeneration. „Nun ist es an der Zeit, die Karriere nach der Karriere zu beginnen. Ich freue mich auf die neue Herausforderung“, sagt  Treske.

Abpfiff Fußball, Anpfiff Leben? Nicht ganz. Hauptsächlich will er sich natürlich künftig in der oberschwäbischen Heimat seiner Ehefrau Simone in Muttensweiler verstärkt um seine Familie kümmern, daneben wird er spielender Co-Trainer beim Landesligisten FV Biberach. Bevor der Umzugsstress beginnt,  genießt die vierköpfige Familie –  vor fünf Monaten kam Töchterchen Frieda hinzu – einen wohlverdienten Erholungsurlaub in Dubai.

Als Kiebitz will er sich, wenn immer es geht, im Donaustadion unter die Zuschauer mischen. Mit seinem Trauzeugen Johannes Reichert, mit dem er letztmals in der Saison 2013/14 gemeinsam beim SSV 46 zusammenspielte, hat er in all den Jahren den Kontakt immer aufrecht gehalten. „Der SSV 46 ist eine Marke. Der strahlt etwas aus und ist ein Traditionsklub“, rühmt Treske nach wie vor die Anziehungskraft seines Ex-Vereins. „In Ulm habe ich nicht nur meine Frau kennengelernt, sondern auch meine schönste Zeit erlebt.“