Interview Flitsch: „Mit wenig viel erreicht“

Sein im Sommer auslaufender Vertrag wird nicht verlängert. Als Trainer will Tobias Flitsch, 38, auch künftig arbeiten.
Sein im Sommer auslaufender Vertrag wird nicht verlängert. Als Trainer will Tobias Flitsch, 38, auch künftig arbeiten. © Foto: Eibner
Ulm / Winfried Vogler 12.05.2018
Die Tage von Tobias Flitsch sind gezählt. Der im Sommer auslaufende Vertrag des Trainers wurde beim Fußball-Regionalligisten SSV Ulm 1846 nicht verlängert. Ein Interview.

Herr Flitsch, das Heimspiel gegen Waldhof Mannheim ist Ihr letzter Auftritt im Donaustadion. Fällt der Abschied doch schwerer als erwartet?

Bis jetzt ist ja noch nichts zu Ende. Ob der Abschied nachher schwer fällt, kann ich jetzt noch nicht sagen. Grundsätzlich versuchen wir alles, damit es ein sehr positives Ende wird und dann der Abschied mit einem guten Gefühl stattfindet.

Überwiegt jetzt die Freude über den Klassenerhalt mitsamt dem Erreichen des Pokalfinales oder die Enttäuschung über keine weitere Zusammenarbeit?

Mein Vertrag endet zum Saisonschluss. Von daher ist man in keinem Fall enttäuscht, dass es nicht weiter geht. Enttäuscht wäre ich dann, wenn die Rückrunde nicht gut gelaufen wäre. Es überwiegt ganz klar, dass es eine sehr gute Arbeit gewesen ist. Das Highlight wäre natürlich, wenn wir noch einen Titel holen könnten. Somit überwiegt ganz klar das Positive.

Was waren die entscheidenden Momente für Sie in der zurückliegenden Saison?

Dass wir in einer schweren Situation, als ich die Mannschaft übernommen habe, nach einem katastrophalen Spiel bei Schott Mainz anschließend recht schnell stabil geworden sind. Entscheidend für mich war, dass wir dann zwölf Spiele ungeschlagen geblieben sind. Und dann natürlich auch, dass vom Verein die Entscheidung kam, dass wir als Trainerteam in der Konstellation weitermachen konnten und nach der Wintervorbereitung uns klar verbessert haben.

Wie schätzen Sie Ihre Zeit beim SSV 46 ein? Was bleibt in Erinnerung?

Das kann ich noch nicht sagen, sie ist ja noch nicht zu Ende. Ich hoffe, dass mit einem Pokalsieg was Nachhaltiges bleibt. Es war hier ein ruhiges arbeiten möglich. Ich bin vom ersten Tag an toll aufgenommen worden. Den Übergang hat die Mannschaft recht schnell in die richtige Richtung mitgemacht. Auch die Unterstützung der Fans hat sich die Mannschaft ein stückweit erarbeitet. Ich hoffe, dass es so weiter geht.

Spüren Sie eine gewisse Genugtuung, dass Sie mit Ulm bereits am fünftletzten Spieltag den Klassenerhalt in der Tasche hatten?

Nein, Genugtuung auf keinen Fall. Ich bin einfach zufrieden, dass das, was wir uns in der Vorbereitung erarbeitet haben, dann auch so gut funktioniert hat. Man darf nicht vergessen, dass viele Mannschaften, die wir hinter uns gelassen haben, professioneller arbeiten und finanziell besser aufgestellt sind. Trotz der Situation, dass viele unserer Stammspieler durch ihren Beruf eine Doppelbelastung haben, wurde eine hervorragende Leistung abgeliefert.

Vor dem letzten Spieltag belegt der SSV 46 Mittelfeldplatz zehn. Wie fällt Ihre Gesamtbilanz aus?

Wir haben einen tollen Lauf gehabt mit fünf Siegen in Folge, waren auf Tabellenplatz acht und hatten die Möglichkeiten weiter nach oben zu kommen. Nach dem Weiterkommen im Pokal gegen Aalen waren wir allerdings nicht in der Lage, in zwei Wettbewerben volle Leistung zu bringen. Wir mussten immer wieder in den Englischen Wochen auf Spieler verzichten, weil sie angeschlagen waren. Das waren sicherlich wesentliche Gründe, warum wir es letztendlich - auch mit etwas Pech - nicht geschafft haben, weiter in der Tabelle nach vorne zu kommen. Entscheidend aber ist, dass wir fünf Spieltage vor Rundenschluss den Klassenerhalt erreicht haben.

Wie groß waren die Unruhe und die Abstiegsangst als Sie im August letzen Jahres nach drei Startniederlagen die Mannschaft übernommen haben?

Es gab nicht unbedingt eine Abstiegsangst. Aber es war fraglos schwierig, weil der Mannschaft die Sicherheit gefehlt hat, das war auffallend. Es hat gedauert, bis auch die jungen Spieler stabiler geworden sind. Der Verein blieb aber jederzeit ruhig, hat nach der schlechten Startphase früh gehandelt. Dann gab es neue Impulse, wir haben athletisch zugelegt, jeder Spieler hat sich verbessert. Am Anfang gab es noch die Probleme, dass wir das Tor nicht getroffen haben, das hat sich zusehends stabilisiert. Von da an war es ein ruhiges Arbeiten.

Wie sieht Ihre sportliche Zukunft aus? Wie geht es mit dem Trainer Tobias Flitsch weiter?

Momentan gibt es viele Gespräche. Es wird sicherlich in den nächsten Wochen eine Entscheidung geben.

Das hört sich nicht nach einer Pause an?

Auf keinen Fall. Es gibt sowohl die Möglichkeit, wie beim SSV 46, als Vollzeittrainer, da sind die Gespräche schon weit. Es kann aber auch in die Richtung gehen, dass ich wieder auf kleinere Ebene trainieren werde. Das ist ja mein Vorteil, ich kann es mir beruflich leisten, kann es selbst organisieren, wenn ich hauptamtlich arbeiten will.

Die Strukturen und Abläufe sollen beim SSV 46 professioneller werden. Können Sie die Entscheidung der Vorstandschaft verstehen?

Ich kann es nur immer wieder sagen: Wir haben in der Rückrunde nichts anderes gemacht. Alle Trainingseinheiten inklusive Videoanalysen wurden zu zweit, von Sven Ackermann und mir, geleistet. Mit Unterstützung von Athletiktrainer Sebastian Schulz, der vom Budget aber nicht ganz so häufig anwesend sein konnte. Jetzt muss der Verein dafür sorgen, dass auch alle Spieler an den Trainingseinheiten teilnehmen können. Erst dann wird es professionell, die Trainer waren das schon immer.

Wäre das für Sie keine Herausforderung gewesen?

Gespräche gab es, die Entscheidung ist vom Verein getroffen worden, dass ein Fußballlehrer gewünscht wird. Dazu habe ich klar signalisiert, dass ich zusätzlich diese Ausbildung momentan nicht machen kann. Von daher herrschte für den Verein Klarheit. Die Professionalisierung ist aber nicht nur auf die Person des Trainers bezogen, sondern steht mit Blick auf ein Nachwuchsleistungszentrum, auf einen Geschäftsführers, auf die Ausgliederung und einem zusätzlichen Trainer als Videoanalyst. Wir haben definitiv in der Rückrunde gearbeitet wie ein Profiverein, wie es in der Regionalliga üblich ist, nur haben wir das Geld nicht verdient. Von daher war es eine ehrenvolle Arbeit, die Sven Ackermann, Sebastian Schmid, Lutz Siebrecht, die Spieler und auch meine Person geleistet haben. Mit wenig wurde sicherlich viel erreicht. Wenn der Verein jetzt mehr Geld zur Verfügung hat, und das ausgeben möchte, ist das eine ganz normale Entwicklung.

Inwiefern sind Sie trotz des feststehenden Abschieds noch in die Kaderplanung für die kommende Saison involviert?

Überhaupt nicht, das darf auch nicht der Falle sein.

Es fällt auf, dass die Mannschaft sich nach dem feststehenden Klassenerhalt in den folgenden Spielen schwer getan hat. Wie kriegen Sie die Kurve im Hinblick auf das große Ziel Pokalfinale hin?

Das ist eine normale Geschichte, nichts überraschendes. Es gibt überhaupt keinen Spannungsabfall. Die Jungs trainieren super. Das Team funktioniert super. Man darf jetzt nichts schlecht reden. Wir wollen unser letztes Heimspiel gewinnen und noch einen einstelligen Tabellenplatz erreichen. So wie wir momentan trainieren, wird das Spiel gegen Mannheim kein Problem werden. Jeder Spieler muss Vollgas geben, sonst wird er nicht im Pokalspiel auflaufen.