Fußball Ein Spiel, das allen weh tut

Schon das Hinsehen schmerzt. Ulms Verteidiger Lennart Stoll (l.) wird von Jan-Lucas Dorow getroffen.
Schon das Hinsehen schmerzt. Ulms Verteidiger Lennart Stoll (l.) wird von Jan-Lucas Dorow getroffen. © Foto: Thomas Frey/Imago
Worms / Winfried Vogler 23.08.2018

Wir müssen unserer Mannschaft zuerst einmal ein Riesenkompliment aussprechen“: Mit diesen Worten startete Trainer Holger Bachthaler nach der bitteren Last-Minute-Niederlage in die Pressekonferenz. „Wir hätten es verdient gehabt, in der zweiten Halbzeit in Führung zu gehen und das Spiel zu gewinnen“, sagte der Trainer des Regionalligisten.

89 Minuten lang durfte der SSV Ulm 1846 Fußball im Spiel bei Wormatia Worms zumindest auf einen Punkt hoffen. Dann schlugen die Gastgeber zu und erzielten den glücklichen Siegtreffer zum 1:0 (0:0)-Endstand. Damit ist die Erfolgsserie in der Regionalliga gerissen, zuvor hatten der SSV 46 vier Punktspiel-Partien ohne Niederlage absolviert. In der Tabelle stehen die Spatzen mit zehn Punkten auf dem dritten Tabellenplatz.

Landung im Ligaalltag

Alles wie gegen Frankfurt, bitte! Das war die Devise, die man sich mit auf den Weg gen Rheinland-Pfalz gegeben hatte. Den Momenten des Genusses folgte dort jedoch der knallharte Ligaalltag „Das ist ein Spiel, das richtig weh tut“, bekannte Steffen Kienle. „So ein Tor darf nicht passieren. Wir werden mit Schmerzen nach Hause fahren.“

Besonders bitter: Der Treffer fiel nach einem unnötigen Eckball, bei dem in der Ulmer Deckung keiner nahe genug bei seinem Gegenspieler war. Nico Guth jahr war bedient: „Wir hatten mehrmals die Gelegenheit, den Ball zu klären“, so der 25-jährige Mittelfeldakteur: „Da muss man wacher sein. Worms hat das Geschenk angenommen. Klar, dass die Pokalpartie nicht spurlos an uns vorbeigegangen ist“, bestätigte Gutjahr, „doch das darf keine Ausrede sein“.

Sauer waren die Ulmer auch auf Schiedsrichter Marcel Gasteier (Weisel), der vor der Pause nach einer Notbremse nicht die Rote Karte zückte. Stürmer David Braig zog kurz hinter der Mittellinie am letzten Mann Tevin Ihrig vorbei, der ihn zu Boden riss.

Apropos Braig. Der 27-Jährige, der erstmals in dieser Saison in der Startformation stand,  hätte zum Helden werden können. Zweimal (68./85.) hatte er die Mega-Chance zur Führung, setzte aber jeweils nach Vorarbeit von Kienle den Ball aus kurzer Distanz neben das Tor.

Auch ein rüdes Foul von Jan-Lucas Dorow (40.) gegen Lennart Stoll erhitzte die Gemüter. „Brutalo-Foul in der 4. Liga“, lautete gestern die Schlagzeile der Bild-Zeitung. Mit dem Hinweis, „Achtung, bei diesen Bildern sollten Sie wirklich nur hinschauen, wenn sie hart im Nehmen sind“, zeigte das Boulevardblatt online Szenen dieser Attacke und wünschte dem Ulmer „gute Besserung“. Pechvogel Stoll verfolgte mit dicker Kniebandage die zweite Hälfte von der Bank aus, in der sich sein Team mit einem Dreier hätte an die Tabellenspitze schießen können. „Er wird sicher länger ausfallen“, bestätigte Bachthaler gestern.

Hoffmanns ordentliches Debüt

 „Ein Punktgewinn wäre für uns wichtig gewesen“, meinte Lukas Hoffmann. Der Neuzugang von Sonnenhof Großaspach war für Kapitän Florian Krebs (Adduktorenprobleme) in die Innenverteidigung gerückt und gab ein ordentliches Pflichtspieldebüt.  „Er hat seine Sache gut gemacht und das auf den Platz gebracht, was wir von ihm erwartet haben“, sagte Bachthaler. Der letzte Satz des Ulmer Trainers lautete dann auch treffend: „Nuancen haben dieses Spiel entschieden. Wir müssen uns ans eigene Näschen packen.“

Viel Zeit zum Wundenlecken bleibt freilich nicht. Mit dem Heimspiel am Samstag (14 Uhr) gegen den aktuellen Tabellenführer FC Homburg  geht beim SSV 46 eine aufregende englische Woche zu Ende.

Graciotti: Schalter gut umgelegt

Wormatia Worms hat im Gegensatz zu den Ulmern die Umstellung auf den Liga-Alltag mit Bravour bewältigt. So sah es der Wormser Mittelfeldakteur Luca Graciotti, der zu Saisonbeginn von Ulm zum VfR gewechselt war. „Wir haben den Schalter gut umgelegt. Wir wussten, dass es gegen Bremen nur ein Bonusspiel war“, so der 25-Jährige. Das übergeordnete Ziel gegen seinen Ex-Klub sei „zu Null zu spielen“ gewesen. „Das haben wir geschafft“. Im DFB-Pokal hatte sich Worms dem Bundesligisten am Samstag mit 1:6 geschlagen geben müssen. wfv

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