SSV Ulm 1846 Fußball Die Ulmer Bank ist eine Bank

Ein menschliches Bedürfnis zwang Spatzen-Kapitän Florian Krebs (rechts) zu einer kurzen Auszeit. Doch auch in Unterzahl verloren die Ulmer in Elversberg nie die Balance.
Ein menschliches Bedürfnis zwang Spatzen-Kapitän Florian Krebs (rechts) zu einer kurzen Auszeit. Doch auch in Unterzahl verloren die Ulmer in Elversberg nie die Balance. © Foto: Foto: Peter Franz/Eibner
Elversberg / Winfried Vogler 03.09.2018

Der Kontrast hätte kaum größer sein können: Während die einheimischen Zuschauer schon vor dem Abpfiff ihren Unmut äußerten und den Rauswurf von Trainer Roland Seitz mit „Roland, geh’ nach Hause“-Gesängen forderten, ließen die mitgereisten zahlreichen Ulmer Fans noch lange nach dem Schlusspfiff die Mannschaft euphorisch mit „Auswärtssieg, Auswärtssieg“-Sprechchören und „wir woll’n die Mannschaft sehen“ hochleben.

Mit dem 1:0 (0:0)-Erfolg bei der SV Elversberg ist der Regionalligamannschaft des SSV Ulm 1846 Fußball der Spagat zwischen süßer Pokalerinnerung und Bewältigung der Liga-Gegenwart nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge endlich gelungen. Das große Aufatmen war allgegenwärtig. „Ein wichtiger Sieg, der zeigt, in welche Richtung es geht“, sagte Vitalij Lux. Und Torhüter Christian Ortag, der beim Abpfiff mit erhobenen Armen auf die Knie sank, betonte: „Das war pure Erleichterung. Nach zwei Niederlagen fällt einiges ab“.

Schlenzer ins lange Eck

Für den entscheidenden Treffer sorgte einer, der nicht in der Startaufstellung gestanden hatte. Ulms Bank ist eine Bank,  das wurde im Saarland augenfällig: Die Einwechslungen von Marcel Schmidts (27.), David Braig (68.) und Adrian Beck (78.) „brachten die richtigen Signale“, freute sich Ulms Trainer Bachthaler über die Impulse, die von der Ersatzbank gekommen waren. Torschütze Beck, bis dato insgesamt nur 258 Minuten im Einsatz und nur einmal gegen Worms in der Startelf, nutzte seine erste Möglichkeit gleich zum Tor des Tages.

Mit breiter Brust auftretend, unermüdlich rackernd und laufend – der Neuzugang vom Oberligisten Neckarsulmer SU avancierte in Elversberg mit seinem Schlenzer ins lange Ecke (82.) zum umjubelten Matchwinner. Ein präzises Zuspiel von Lux veredelte er zum 1:0-Siegtreffer für die Spatzen. Da gab es ein Extra-Lob vom Trainer. „Er hat bisher in jedem Spiel für Schwung gesorgt, nimmt auch das Heft in die Hand“, sagte Bachthaler. „Er ist eine verlässliche Größe, genau so wie die anderen.“

Breiter Kader als Plus

Die von der Bank kommen, können dem Team also mit der richtigen Einstellung entscheidend helfen. Bachthaler hat einen breiten Kader, er hält seine Spieler bei Laune, zeigt ihnen ihre Wichtigkeit auf – und liegt damit voll im Trend.  „Natürlich wollen die Jungs lieber von Anfang an spielen“, weiß der Trainer. „Ich habe ihnen aber klar vermittelt, dass es bei uns keine fest Elf gibt. Über lange Zeit braucht man jeden“, bemerkt der 43-Jährige.

„Wir können besser wechseln“, fasste auch Florian Krebs zusammen. Der Kapitän hatte nach der Pause für einige Schrecksekunden gesorgt. Unmittelbar nach dem Wiederanpfiff war Krebs plötzlich vom Spielfeld verschwunden.  Die Fans im Stadion wunderten sich. „Wo ist Krebs?“,  fragten sie sich.

Fußballer sind auch nur Menschen. Wenige Minuten später kehrte der Kapitän erleichtert aufs Spielfeld zurück. Er hatte sich wegen eines allzu menschliches Bedürfnisses auf die Toilette verabschiedet, was nicht einmal das Trainerteam mitbekommen hatte. „Die Natur hat gerufen“, erklärte Krebs nach einer Partie, in der sein Team, auch in kurzfristiger Unterzahl, nie die Balance verloren und mit viel Selbstvertrauen und einer erkennbaren Spielidee gegen planlose Gastgeber auftrumpfte.

So spielten sie

SV Elversberg – SSV Ulm 1846

0:1

SSV Ulm 1846 Fußball: Ortag – Bradara, Krebs, Reichert, Schindele (27. Schmidts) – Gutjahr, Campagna, Morina (78. Beck), Nierichlo (68. Braig) – Kienle, Lux.
Tor: 0:1 Beck (82.).
Gelbe Karten: Kohler – Nierichlo.
Schiedsrichter: Herbert (Nüsttal).
Zuschauer: 912.

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