Bezirksliga Die Multi-Kulti-Erfolgstruppe FC Blaubeuren

Befindet sich mit dem FC Blaubeuren seit Jahren auf einer Erfolgswelle: Bülent Aksakal.
Befindet sich mit dem FC Blaubeuren seit Jahren auf einer Erfolgswelle: Bülent Aksakal. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Blaubeuren / DETLEF GRONINGER 03.09.2016
Die Multi-Kulti-Truppe des Aufsteigers FC Blaubeuren sorgt in der Fußball-Bezirksliga für Furore. Darauf hatte der sportliche Leiter Bülent Aksakal gehofft.

Aus Fehlern der Vergangenheit hat der ambitionierte FC Blaubeuren längst gelernt. Vor vier Jahren war der Klub sang- und klanglos als Schießbude der Liga mit 95 (!) Gegentreffern letztmals aus der Bezirksliga abgestiegen. Nur zwölf Monate später kam die sportliche Bankrotterklärung mit dem Absturz in die Niederungen der Kreisliga B/Alb. „Wir haben damals einzelne Spieler belohnt. Das werden wir nie wieder machen“, erklärt der sportliche Leiter Bülent Aksakal. „Der Vorteil ist, dass der Gesamtvorstand von damals geblieben ist und das miterlebt hat. Jetzt zählt nur die Mannschaft als Kollektiv.“ Das Sprichwort „die Ratten verlassen das sinkende Schiff“ traf in dieser sportlichen Horrorphase nur auf wenige Spieler zu.

 Inzwischen gibt der Klubvorsitzende Muhammet Özdogan eine andere Marschrichtung vor. Der Inhaber einer Firma in Gerhausen für Industrielackierung bietet wechselwilligen Spielern berufliche Perspektiven. Über diese Schiene stießen vor dieser Saison die Polen Kacper Chruscinski (Greifswalder FC), Michal Jaczewski (Grün-Weiß Brieselang), Jakub Kosiorek (Blekitni Stargard Szczecinski) und Gebicz Bartlomiej (Stradom Czestochowa), die alle schon mindestens in der dritten Liga ihres Heimatlandes gespielt haben, zum FC Blaubeuren. Dasselbe trifft auch auf Robert Bara (Concordia Chiajna), Cristian Boldea (FC Timisoara) und George Livadariu zu, allesamt Ex-Profis in der ersten rumänischen Liga. „Wir geben den Leuten eine Möglichkeit sich mit dem Arbeitsplatz etwas aufzubauen“, ergänzt der 31-jährige Schelklinger Aksakal, Produktionsleiter im Unternehmen von Özdogan. Wie 14 Spieler des 16-köpfigen Kaders der ersten Garnitur arbeitet auch der polnische Trainer Sebastian Zebrowski in dieser Firma. „Wir haben viele Nationalitäten in der Mannschaft. Die Ansagen werden in vier Sprachen abgehalten“, betont der 32-jährige Inhaber der Uefa-B-Lizenz, der selbst bei Rakow Czestochowa in der zweiten polnischen Liga die Kickschuhe geschnürt hat. Türken, Deutsche, Polen, Rumänen, Bulgaren und Albaner trainieren auf dem Sportgelände in Gerhausen. Zebrowski und Aksakal geben die Anweisungen in Deutsch, Englisch, Türkisch und Polnisch. Wobei nach dem Anpfiff nicht mehr groß eingegriffen werden muss. Zebrowski: „Fußball ist ein einfaches Spiel. Und die Spieler haben eine sehr gute Qualität. Da sind dann keine großen Anweisungen mehr nötig.“ Einzelne Kicker absolvieren sogar auf Eigeninitiative an den beiden trainingsfreien Tagen unter der Woche Sonderschichten.

 Trotz sechs Siegen in sechs Pflichtspielen (inklusive Bezirkspokal) bleiben Aksakal und Zebrowski auf dem Teppich. „Wir haben die Breite im Kader nicht. Ausfälle sind schwer zu kompensieren“, bestätigt Aksakal vor der Partie am Sonntag (15 Uhr) beim FC Neenstetten. Der dritte Aufstieg in drei Jahren scheint sportlich zwar im Idealfall möglich, aufgrund der miserablen Bedingungen aber kaum vollziehbar. „Wir können aufgrund dieser Infrastruktur in der Landesliga eigentlich nicht spielen“, meint Aksakal. Der Sportplatz ist zu kurz, eine Coaching-Zone existiert überhaupt nicht und die Umkleidekabinen sind zu klein. Zebrowski. „Im Verein ist alles gut bis auf den Platz.“ Wegen einem Loch (!) im Spielfeld  hat sich Leistungsträger George Livadariu beim Torjubel einen Achillessehnenriss zugezogen. Aksakal: „Wir fühlen uns in Gerhausen eigentlich wohl und würden für Verbesserungen auch selbst etwas tun, wenn wir das dürften. Das Gelände ist aber im Wasserschutzgebiet.“

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