Sportmedizin Christoph Buck: Der Doc, dem die Aktiven vertrauen

Armin Grasmuck 21.12.2017
Orthopäde Christoph Buck hat sich- unter anderem als Mannschaftsarzt des SSV Ulm 1846 Fußball - einen erstklassigen Ruf im Hochleistungsbereich erarbeitet.

Kurz vor Weihnachten herrscht in der Praxis an der Frauenstraße wie selbstverständlich Hochbetrieb. Verstauchte Arme und Beine, die Volksbeschwerde Rückenschmerzen, angeknackste Finger, Beckenschiefstand – so lauten die Diagnosen die Doktor Christoph Buck in den meisten Fällen schnell zu treffen weiß. Der routinierte Mediziner kennt die Krankheitsbilder. Er tastet, bewegt die maladen Stellen am Körper des Patienten, er spürt, befindet, delegiert – Ultraschall, ein Salbenverband, Massagen und Fango vielleicht – und, schwupps, geht er im schnellen Schritt ein Zimmer weiter. Der nächste Patient, ein neuer Fall.

Die Spitzensportler der Stadt, die der Orthopäde betreut, sind kurz vor Ende des Jahres verarztet. Stichwort Spatzen. Die Fußballer des SSV Ulm 1846 betreute er bereits zur Jahrtausendwende, als sie noch in der Bundesliga kickten. Er hält ihnen bis heute die Treue. „Die Spieler wissen zu schätzen, dass sie medizinisch auf  hohem Niveau betreut werden“, sagt Buck. Den Aktiven des SSV, die sich nach der letzten Punktspielrunde der Regionalliga in den Winterurlaub verabschiedeten, hat er individuell abgestimmte Trainingspläne für die freien Tage mitgegeben. Ziehen die Spieler das Programm durch, fällt ihnen der Rückkehr in das Training mit der Mannschaft Anfang Januar entsprechend leichter.

Professionelles Miteinander

„Aus medizinischer Sicht war der Herbst relativ normal“, so erklärt Buck. „Im Idealfall sind im neuen Jahr alle Spieler einsatzbereit. Bis auf Vinko Sapina, den es leider schlimmer erwischt hat.“ Sapina, der technisch versierte Mittelfeldspieler, erlitt einen Riss des Kreuzbands und musste operiert werden. Monatelang wird er sich in der Reha noch plagen müssen, bevor er wieder für die Spatzen am Ball sein kann.

„Die Verletzungen gehören im Sport dazu“, sagt Buck, der Fach-
arzt: „Die Möglichkeiten der Behandlung sind heute jedoch so gut, dass wir die meisten Probleme in den Griff bekommen können.“ Auch habe er festgestellt, dass die Aktiven der heutigen Generation die körperlichen Belange weit bewusster und professioneller betrachten, als es früher der Fall war. „Sie fragen mich ganz offen: Was kann ich tun, damit ich robuster und stabiler werde?“, berichtet Buck.

Der Arzt, dem die Ulmer Fußballer vertrauen, betreut auch Spitzensportler aus anderen Disziplinen wie Lauftalent Alina Reh oder den Zehnkämpfer Arthur Abele. Zwölf Jahre lang war er für die Basketballer von Bundesligist Ratiopharm Ulm verantwortlich. In seinem ganzheitlichen Blick auf die Bedürfnisse der Aktiven beschränkt er sich keineswegs nur auf den orthopädischen Bereich „Das Drumherum ist ebenfalls sehr wichtig“, sagt Buck. „Es fängt bei der Ernährung an. Darüber haben wir uns auch im Trainingslager der Fußballer unterhalten. Wann esse ich am besten was? In der Trainingsphase muss ich sehen, dass ich genügend Aminosäuren bekomme. Dagegen brauche in der Phase des Wettkampfs gut gefüllte Speicher mit Kohlenhydraten.“

Für unverzichtbar hält er auch den Athletiktrainer Sebastian Schulz, der die Fußballer des Viertligisten seit diesem Sommer auf Trab bringt. „Darauf habe ich gedrängt“, sagt Buck. „Du kannst im Spitzensport heute nicht mehr ohne Athletiktrainer arbeiten. Er kommt drei bis vier Mal pro Woche zum Einsatz, seine Trainingspläne sind eng mit dem Trainer und natürlich mit dem Mannschaftsarzt abgestimmt.“

Analyse mittels Stresstest

Weniger ist manchmal mehr, weiß der erfahrene Mediziner, der die Leistungsfähigkeit jeden einzelnen Aktiven regelmäßig in sogenannten Stresstests überprüft. „Auch in unserer Mannschaft gibt es Spieler, die es mit dem Training übertreiben“, sagt Buck. „Sie schieben Extraschichten in der Kraftkammer und glauben, es macht sie besser. Die Praxis zeigt dann aber: Das Gegenteil ist der Fall, der Spieler bricht körperlich ein, die Gefahr von Verletzungen steigt erheblich. Ich empfehle dem Trainer dann, den Spieler herauszunehmen und ihm eine Ruhepause zu gönnen.“

Die Eindrücke, die er im Spitzensport gewinnt, hat der Ulmer Orthopäde inzwischen auch erfolgreich in den Bereich des geschäftlichen Lebens transportiert. „Wir haben ein Instrument entwickelt, dass über die Herzfrequenz, also den Abstand der einzelnen Herzschläge, konkret ermittelt, wie hoch der Stressfaktor ist. Und können daraus ableiten, welche Gefahren drohen: Überlastung, Burnout, Depressionen – wie dringend der Bedarf an Regeneration ist.“ Es gilt für die Spitzenkraft aus der Industrie genauso wie für den Leistungssportler.

Kapazität mit Ulmer Geschichte

Christoph Buck, Doktor der Medizin, wurde am 9. Juli 1964 als Sohn eines Ulmer Händlers in der Donaustadt geboren. Nach dem Abitur studierte er Humanmedizin, spezialisierte sich später in dem Bereich der Orthopädie. Er bildete sich in den Fachgebieten Chirotherapie, Akupunktur, Sportmedizin, Kernspintomographie in der Orthopädie und Kinesiologie fort. Im Spitzensport war und ist er unter anderem als Mannschaftsarzt der Klubs SSV Ulm 1846, Ratiopharm Ulm und VfB Stuttgart sowie der Nationalmannschaft der Leichtathleten aktiv.

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