SSV Ulm 1846 Fußball Stephan Baierl: „Wir sind besser als im vergangenen Jahr aufgestellt“

Seit drei Jahren Cheftrainer der Spatzen: Stephan Baierl.
Seit drei Jahren Cheftrainer der Spatzen: Stephan Baierl. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Armin Grasmuck und Gerold Knehr 27.07.2017
SSV Ulm 1846 Fußball: Stephan Baierl, der Trainer der Spatzen, verspricht attraktive Auftritte seiner Mannschaft – und mehr Tore.

Der Stress der vergangenen Wochen hat keine Spuren hinterlassen. Stephan Baierl geht optimistisch und mit breiter Brust in die neue Saison in der Regionalliga Südwest. Nach der intensiven Phase während der Vorbereitung hält der Trainer des SSV Ulm 1846 seine Mannschaft für startbereit. In dem Heimspiel am Freitag gegen den 1. FC Saarbrücken möchten die Spatzen auf dem Platz bestätigen, dass sie speziell im spielerischen Bereich dominanter geworden sind.

Erst Saarbrücken, es folgen das ­Derby beim VfB Stuttgart und das Heimduell mit den Offenbacher ­Kickers. Stehen die Chancen zu ­Saisonbeginn gegen die vermeint­lichen Top-Vereine besser als im ­weiteren Verlauf der Runde?

Stephan Baierl: Für mich persönlich und so, wie ich es aus der Mannschaft raushöre, ist es der idealer Start. Saarbrücken hat weiter aufgerüstet. Aber auch wir brauchen uns nicht zu verstecken. Wir haben uns gezielt und ordentlich verstärkt und haben eine sehr gute Vorbereitung gespielt. Wir werden gut gerüstet sein.

Ulm hat traditionell ein ambitioniertes Umfeld, der Verein erwartet den nächsten Entwicklungsschritt. ­Spüren Sie den Druck, besser  als im vergangenen Jahr sein zu müssen?

 Der Druck von außen ist für mich der geringere, mit dem kann ich inzwischen umgehen. Ich habe über die Jahre gelernt, ihn von mir fern zu halten. Der Erfolgsdruck, den man sich selbst macht, das ist der schwierigere.

Als Aufsteiger haben Sie die Regionalliga vergangene Saison souverän gemeistert. Lässt sich der nächste Schritt tatsächlich so einfach auf Knopfdruck meistern?

Zu diesem Thema haben wir uns im Trainerteam und bei der sportlichen Leitung viele Gedanken gemacht. Wir haben eine neue Strategie entwickelt, eine andere taktische Ausrichtung. Im Moment habe ich vier fitte Stürmer, kann rotieren und unterschiedliche taktische Auslegungen spielen lassen kann. Wir wollen probieren, unseren eigenen Spielstil durchzusetzen. In dieser Saison wollen wir mutiger sein und mit mehr Risiko spielen.

Wie ist Ihr Trainerteam, dass mittlerweile zwei Co-Trainer, einen Fitness- und einen Torhüter-Trainer umfasst, strukturiert?

Es ist wichtig, weil wir immer noch eine heterogene Mannschaft haben. Etwa 70 Prozent der Spieler arbeiten unter Vollprofi-Bedingungen. Wir haben aber auch Studenten im Kader, Arbeitnehmer, Leute in Ausbildung. Wir müssen auf unterschiedliche Belange reagieren. Das können wir nur mit ausreichend Personal, damit wir auch individuell mit Spielern trainieren können.  Ich habe mehr eine koordinative Funktion. Trotzdem nehme ich mir noch heraus, die hauptsächlichen Dinge selber zu machen.

Wie schwierig ist es,so einen bunt gemischten Kader zu führen? Muss der Trainer da mehr moderieren als bei einer reinen Profi- oder Amateurmannschaft?

Es ist oft ein Spagat. Man muss gute Antennen haben, sehr sensibel sein. Wir haben mit Bagceci und Göhlert zwei Spieler, die unregelmäßig dabei sind. Da muss man auf die einzelnen Belange  Rücksicht nehmen, sehr strukturiert sein, viel erklären. Das ist mit Sicherheit in einer Profimannschaft einfacher. Da sind immer alle da, da geht es in der Regel immer nur nach dem Leistungsprinzip.  Bei uns muss ich immer schauen, allen gerecht zu werden. Trotzdem ist klar: Wer die beste Leistung bringt, spielt.

Was können Sie dem oftmals kritischen Ulmer Publikum für die neue Spielzeit versprechen?

Ich bin mir sicher, dass wir  besser  als im vergangenen Jahr aufgestellt sind, dass wir attraktiver spielen können und werden – und dass wir  mehr Tore schießen werden als in der Rückrunde.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen: Wo wird der SSV Ulm 1846 im Jahr 2020 stehen?

Mit dem Nachwuchs-Leistungszenterum,  das hoffentlich im Herbst abgesegnet  wird, bieten sich uns weitere Möglichkeiten: mit Physiotherapeuten, die den Spielern den ganzen Tag zur Verfügung stehen, Räumen zur Regeneration,  pädagogischer Betreuung. Als wir vor drei Jahren anfingen, steckte alles noch in der Kinderschuhen, seitdem sind wir wirklich gut vorangekommen. Wenn diese Entwicklung so weitergeht, hoffe ich schon, dass wir mittelfristig in den bezahlten Fußball kommen  – das ist für mich die Dritte Liga.

Nicht alles auf die Karte Fußball setzen

Stephan Baierl setzt nicht alles auf die Karte Fußball. Der 40-Jährige ist Lehrer an der Eduard-Mörike-Schule, einer Grund- und Werkrealschule in Böfingen. Dort war er zuletzt Klassenlehrer einer neunten Klasse mit einem Zwei­drittel-Deputat. Das will Baierl auch im neuen Schuljahr behalten. „Unter den Voraussetzungen, die der Verein momentan hat, ist es nicht denkbar, komplett auf den Fußball zu setzen. Da müssten einige andere Strukturen geschaffen werden. Seinen Beamtenstatus wegzuschmeißen ist nicht ratsam. Ich habe zwei Kinder, ein Haus, Verpflichtungen“, so Baierl. Perspektivisch gesehen sei der Wechsel vom Schul- zum Fußball-Lehrer aber durchauaus ein Thema.

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