"Chu Chu" ist mächtig stolz auf seine Nachfolger

RÜDIGER BERGMANN GEROLD KNEHR 15.02.2012
Sambia ist die neue starke Fußball-Kraft in Afrika. Milton Tembo hat es am Fernseher erlebt. Der neunfache Nationalspieler, einst Torjäger der Spatzen, wohnt in Oberelchingen und spielt in der Bezirksliga.

Knapp 14 000 Kilometer trennen Oberelchingen und Lusaka. Doch für gut zwei Stunden fühlten sich Milton Tembo und seine Familie am Sonntag der Heimat in Sambia ganz nah. Der Fußballer, seine Ehefrau Precious und die Kinder Ciouses (8) und Chantelle (6) hielten es vor dem Fernseher zuerst vor Spannung, später dann vor Glück kaum aus, als am Sonntag Abend das Finale um den Afrika Cup übertragen wurde. Der sensationelle Gewinn durch den Endspiel-Triumph nach Elfmeterschießen gegen den Turnierfavoriten Elfenbeinküste ging den Tembos spürbar nahe. Nur dem kleinen Toni (3) nicht. Als die späte Entscheidung fiel, war der Jüngste eingeschlafen. . .

"Dieser Sieg bedeutet meiner Heimat sehr viel. Die Jungs haben gut gekämpft, sie haben mit Herz und Leidenschaft gespielt", war Milton Tembo stolz auf seine Nachfolger. Die schafften, was dem einstigen Torjäger des SSV Ulm 1846 nicht vergönnt war. Tembo war früher selbst Nationalspieler in Sambia. Auf neun Länderspiele hat es der kräftige Stürmer gebracht. An sein letztes im Sommer 2003 erinnert sich Tembo mit Schrecken. Nicht weil seine Mannschaft damals das entscheidende Qualifikationsspiel um die Afrika-Cup-Teilnahme 2004 verlor. "Es war die Hölle. Ein Agent wollte mich und meinen Ulmer Teamkollegen Lloyd Mumba zu einem Verein nach Südafrika schicken. Doch meine hochschwangere Frau war in Ulm. 13 Tage wusste ich nicht, was mit mir geschehen wird. Dann hatte der Agent ein Einsehen. Ich durfte zurück nach Ulm, Lloyd aber musste nach Südafrika."

Im sambischen Fußball liegen Triumph und Tragödie offenbar besonders eng beieinander. Der Afrika-Cup-Sieg am Sonntag gelang in Libreville, der Hauptstadt von Gabun. Jenem Ort, in dem 1993 die komplette Nationalmannschaft des Sudans bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war. Lloyd Mumba, von 2001 bis zu seinem erzwungenen Abschied Verteidiger beim SSV Ulm 1846, starb im Februar 2008 im Alter von nur 24 Jahren an Malaria. Und bei Milton Tembo und seiner Frau wurde im Oktober 2003 eine HIV-Infektion nachgewiesen.

"Meiner Frau und mir geht es ganz gut", sagt Tembo, den seine Freunde "Chu Chu" nennen. Dass aus seiner großen Fußball-Karriere nichts geworden ist, hat der Angreifer längst akzeptiert. Im Jahr 2000 war der Stürmer voller Hoffnung nach Deutschland gekommen. Beim VfB Stuttgart II wollte er durchstarten, kam aber an einem gewissen Kevin Kuranyi nicht vorbei. 2001 wechselte er zum SSV 1846.

Die 45 000 Euro Prämie, die nun jeder Sieger vom sambischen Sportminister erhält, könnte der 31-Jährige, der seit sechs Jahren nicht mehr in seiner Heimat war und derzeit nur telefonischen Kontakt nach Sambia pflegt, gut gebrauchen. Der Ex-Torjäger der Spatzen tingelt übers Land. Derzeit spielt er beim Bezirksligisten GSV Dürnau im Bezirk Neckar/Fils. Übrigens mit zwei anderen Ex-Ulmern, Frank Kinkel und Sören Mende. Letzterer war es, der den Wechsel aus Offenhausen eingefädelt hatte. Mende: "Milton ist gesetzt. Er spielt immer, wenn er fit ist." Beschäftigt ist Tembo beim Sponsor des GSV Dürnau, in der Fertigung von Präzisionsdrehteilen.

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