Transfer-Wahnsinn 55 Profis für einen Neymar

Ulm / Gerold Knehr 17.08.2017
Die Bundesliga wird wohl bis zum Ende der Transferperiode über 500 Millionen Euro investieren. Ein neuer Rekord ist möglich. Doch im Vergleich zur internationalen Konkurrenz halten sich die deutschen Vereine zurück.

Vierhundertsiebzig Millionen Euro – so viel Geld gaben die 18 Fußball-Bundesligisten bislang für ihre über 120 Neuzugänge aus. Damit steht die Bundesligavor dem Start in ihre 55. Saison vor einem  neuen Rekord.  Denn noch haben die Bundesliga-Manager bis zum 31. August Zeit nachzulegen. Die bisherige Höchstmarke vom vergangenen Sommer (512 Millionen Euro) wackelt. Denn im Sommerschlussverkauf wird gerne zugelangt – auch ohne Schnäppchenpreise.
  470 Millionen Euro – klingt gewaltig. Und ist im europäischen und chinesischen Vergleich noch gemäßigt. Paris St. Germain setzt 222 Millionen Euro  auf einen einzigen Mann: den Brasilianer Neymar. Der kostet umgerechnet  so viel wie hierzulande 55 Bundesliga-Spieler. Für einen Neuzugang zahlten die Bundesliga-Klubs im Schnitt knapp 400.000 Euro.

Auch wenn Oliver Kahn oder Stefan Effenberg um die europäische Wettbewerbsfähigkeit ihres ehemaligen Vereins FC Bayern fürchten: Bei diesen Dimensionen machen die Münchner nicht mit. Dennoch gaben auch sie insgesamt 100 Millionen Euro aus, darunter allein 41,5 Millionen für den talentierten, aber der großen Öffentlichkeit weitgehend unbekannten  Franzosen Corentin Tolisso. Der 23-Jährige ist damit der bislang teuerste Einkauf der Bundesliga-Geschichte. Er soll die Lücke füllen, die Mittelfeldspieler Xabi Alonso nach seinem Karriereende hinterlässt. Den kolumbianischen Stürmer James liehen sich die Münchner von Real Madrid lediglich aus. 50 Millionen Euro waren selbst dem deutschen Branchen-Primus zu viel.
  Bislang hatten vor allem begehrte Stürmer die Preise nach oben getrieben. Der Freiburger Maximilian Philipp beispielsweise war Borussia Dortmund 20 Millionen Euro wert. Aber auch für Defensivspieler werden mittlerweile horrende Summen gezahlt. Nationalspieler Niklas Süle, der bisherige Hoffenheimer, war dem FC Bayern als Back-up für Mats Hummels und den noch verletzten  Jerome Boateng ebenfalls 20 Millionen Euro wert. Matthias Ginter verließ für 17 Millionen den BVB und schloss sich der anderen Borussia an, Mönchengladbach.
Geld soll also nicht nur Tore schießen, sondern diese auch verhindern. Am Ende droht ein Nullsummenspiel.

Wie jedes Jahr gehen die Münchner, die am meisten investiert haben, als Favorit in die neue Runde. Doch die Aufgabe von Trainer Carlo Ancelotti ist nicht einfach. Er soll Titel gewinnen, gleichzeitig aber auch junge Spieler in die Meisterelf integrieren. Die Konkurrenz scheint nicht chancenlos. Der BVB, bei dem die Zukunft des derzeit suspendierten Ousmane Dembélé offen ist, aber auch RB Leipzig und 1899 Hoffenheim können mit ihrem Hochgeschwindigkeits-Fußball dem Branchen-Primus durchaus auf die Pelle rücken. Andere Vereine wie Freiburg, Bremen, Mainz oder Augsburg müssen dagegen statt auf Geld auf ihre Kreativität bauen.