SSV Ulm 1846 Fußball 1:2 gegen Offenbach: Die Spatzen im schwarzen Loch

Steffen Kienle (Nummer 23) beobachtet die kleine Ringer-Einlage zwischen Tim Göhlert und dem ehemaligen Ulmer und jetzigen Offenbacher Florian Treske.
Steffen Kienle (Nummer 23) beobachtet die kleine Ringer-Einlage zwischen Tim Göhlert und dem ehemaligen Ulmer und jetzigen Offenbacher Florian Treske. © Foto: Schulz
Gerold Knehr 13.08.2017

Gewiss, das Auftaktprogramm war happig. Doch einen derart verkorksten Start in die Regionalliga-Saison mit null Punkten und 6:11 Toren nach drei Spielen hatte beim SSV Ulm 1846 Fußball keiner erwartet. Der 1:4-Klatsche zum Auftakt gegen den 1. FC Saarbrücken und dem 4:5 beim VfB Stuttgart II folgte am Samstag vor 1515 zahlenden Zuschauern im Donaustadion ein 1:2 (1:1) gegen Kickers Offenbach.

Der Fehlstart ist komplett, und entsprechend groß ist die Enttäuschung. „Es war eines der schwächsten Spiele in den vergangenen drei Jahren“, räumte Sportvorstand Anton Gugelfuß ein. „Wir befinden uns in einem schwarzen Loch. Dabei ist unser Kader stärker als in der vergangenen Saison.“

Diese Worte klingen nicht gut für Trainer Stephan Baierl. Er hatte den Fans  vor dem Saisonstart attraktiven Fußball  versprochen – und ist nun weit davon entfernt. Als die dritte Niederlage im dritten Saisonspiel gegen die durchaus schlagbaren Offenbacher feststand, musste sich der Coach von der Haupttribüne einige „Baierl-raus“-Rufe anhören.

Dort saßen auch  zwei Ex-Ulmer, welche die Trainerlaufbahn eingeschlagen haben: Dieter Märkle, Jugendleiter bei den Stuttgarter Kickers, und Ex-Profi Rainer Scharinger, der derzeit als Verbandssportlehrer beim badischen Fußball-Verband arbeitet. „Wir haben das nicht veranlasst“, betont Gugelfuß. Er sei „kein Freund von überschnellen Reaktionen“, betonte er. In dieser Woche will er mit dem Trainerteam, dem Sportlichen Leiter Lutz Siebrecht und dem Mannschaftsrat die Situation  „in aller Ruhe anständig analysieren“.

Ansatzpunkte, warum die Mannschaft total verunsichert ist, gibt es genug. Mit  Kapitän Florian Krebs, Alper Bagceci und Johannes Reichert fehlten verletzungsbedingt drei Führungsspieler, die jetzt wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Schmerzlich vermisst wird  Mittelfeld-Talent Vinko Sapina, dessen Rückkehr nicht absehbar ist.

Dennoch gingen die Ulmer wie in den beiden Punktspielen zuvor früh in Führung. Luca Graciotti köpfte eine Flanke von Olcay Kücük zum 1:0 (18.) ins Netz. Doch bereits sechs Minuten danach erzielte Benjamin Kirchhoff den Ausgleich, wobei der Ball von einem Ulmer Bein noch abgefälscht war. Bis zur Halbzeit versuchten die Spatzen, das Spiel zu kontrollieren. Im zweiten Durchgang entglitt ihnen der Zugriff auf das Spiel. Einer der zahlreichen Ballverluste im Mittelfeld führte zum 1:2 durch Dren Hodja (51.).

Am Ende standen vier Angreifer auf dem Platz. Dennoch erweckte es nicht den Eindruck, als versuche die Mannschaft mit aller Überzeugung, wenigstens noch einen Punkt zu retten.

„Auch wenn die Ergebnisse eine andere Sprache sprechen: Ich weiß, was die Mannschaft kann. Wir müssen jetzt schnell die Köpfe frei bekommen. Ich mache meinen Job so gewissenhaft wie immer“, sagt Stephan Baierl. Auf ihn kommt eine entscheidende Woche zu. Geht auch das Kellerduell am Samstag  beim bislang ebenfalls noch punktlosen Aufsteiger Schott Mainz verloren, wird es eng für Baierl. Bei allen Mahnungen zu Geduld und Bedachtsamkeit sagt Gugelfuß auch: „Gehandelt ist schnell, wenn es sein muss.“

So spielten sie

SSV 1846 – Offenbacher Kickers

1:2

SSV Ulm 1846 Fußball: Betz – Kücük, Göhlert, Celiktas (61. Schindele), Nierichlo – Kienle (61. Rathgeber), Sauter, Gondorf, Graciotti (79. Michel) – Morina, Braig.
Tore: 1:0 Graciotti (18.), 1:1 Kirchhoff (24.), 1:2 Hodja (51.).
Gelbe Karten: Graciotti, Celiktas – Marx, Stoila.
Schiedsrichter: Scheuermann (Winnweiler).
Zuschauer: 1515.

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